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Fotoserie "Urban Insects": Unterm Rad

Fotoserie "Urban Insects": Darunter steckt immer Popova Fotos
Yasena Popova

Eine Künstlerin hat Fahrzeuge von unten fotografiert. Fahrräder und Motorräder knüpfte sie dazu an Bäumen auf, in Werkstätten legte sie sich unter Autos. Ihr Meisterstück war jedoch eine Lokomotive.

Wenn man einen Bagger von unten fotografieren möchte, braucht man die richtigen Freunde. Am besten Freunde mit einem Kran. Für die bulgarische Fotografin Yasena Popova war es da hilfreich, dass sie gute Beziehungen zu einem Bauunternehmen pflegt. Als die 35-Jährige dort höflich anfragte, ob man für sie nicht bitteschön mal einen Bagger mithilfe eines Krans über den Erdboden baumeln lassen könne, und vielleicht auch noch eine Baumaschine daran hängen möge, erfüllte man ihr den Wunsch. "Die Arbeiter haben nur kurz 'Ach, Künstler' geseufzt und keine weiteren Fragen gestellt", sagt Popova.

So erweiterte sich ihre Fotoserie "Urban Insects" um einen Bagger und eine Baumaschine. Allen Bildern dieser Serie ist gemein, dass sie Fahrzeuge von unten zeigen. "Die meisten Gegenstände um uns herum bekommen wir doch von allen Seiten zu sehen", sagt Popova - nur wie es unter ihnen aussieht, das bleibe meistens im Verborgenen. Popova aber wollte den Dingen auf den Grund gehen.

Den radikalen Perspektivwechsel hatte sie bereits mit Menschen vollzogen und sie durch Glastische hindurch von unten fotografiert. Bei den Fahrzeugen war das Procedere nicht so einfach - und der Bagger sollte dabei nicht einmal die größte Herausforderung sein.

Fahrräder auf Bäumen

Am wenigsten Aufwand war für die Autos nötig. "Drei davon finden sich in der Serie", erzählt Popova, "ich habe sie in einer Fahrzeugwerkstatt von Bekannten fotografiert, wo sie auf der Hebebühne standen."

Bei den Fahrrädern bekam sie Unterstützung von einem Freund, der die Räder mit einem Seil an einem dicken Ast eines Baumes hochzog. Mit der gleichen Methode lichtete sie das Motorrad von unten ab: "Hier musste der Freund das Seil allerdings an einem Auto befestigen, um es hochziehen zu können."

Die Story hinter den Baggerfotos ist bekannt. "Eigentlich wollte der Kranfahrer nicht, dass ich mich unter die Fahrzeuge stelle, weil das zu gefährlich ist - aber ich musste es tun, seitlich wären die Fotos nicht gut genug geworden. Angst hatte ich dabei nur um meine Kamera, weil die ganze Zeit schmieriges Öl von den Maschinen runtertropfte."

100 Fotos unter einer Lok

Kommen wir also zur Lokomotive. "Sie wog 120 Tonnen", sagt Popova, "und stammt aus Berlin." 1965 sei sie nach Bulgarien importiert worden. Bestimmt hat sie in dieser Zeit noch nie jemand von unten fotografiert. "Ich habe die Bilder in einer Halle der Bulgarischen Eisenbahngesellschaft in der Stadt Plowdiw gemacht", erzählt die Künstlerin, "dort haben Angestellte sie mit vier Hubsystemen hochgestemmt." (siehe Video unten)

Mehr als 100 Fotos hat Popova unter der Lok geschossen und sie später mit Photoshop zusammengesetzt - eine Methode, die sie auch bei den anderen Bildern anwendete. Nur waren der Größe entsprechend weniger Aufnahmen nötig. "Bei den Fahrrädern reichten zehn und bei den Autos etwa 30."

Auf den Titel ihrer Serie kam sie bei der Betrachtung der fertigen Bilder, auf denen die von unten fotografierten Fahrzeuge auf sie wie riesige Insekten wirkten. Die Lok ist dabei natürlich der dickste Brummer. Fehlt Popova noch ein Fahrzeug in der Sammlung? "Als nächstes", sagt sie, "ist vielleicht ein Panzer dran."

Yasena Popovas Fotoserie "Urban Insetcs"

cst

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Bezeichnung der Künstlerin
der_prolet 17.03.2016
Jemanden, der solche Werke herstellt, als Fotografin zu bezeichnen, ist wohl, wie einen Maler als Farbmischer zu bezeichnen. Da mir beim Fotografieren die Kunst ist, möglichst das fertige Bild schon in der Kamera zu haben (was selbstverständlich nicht immer geht, aber je mehr ich nachbearbeiten muss, desto mehr entferne ich mich von der Fotografie, und irgendwann ist das Foto zwar optisch hübsch, aber von der Kunst her ein Fehlschlag), würde ich Leute, die ein Werk aus 10-100 Einzelbildern in Photoshop zusammensetzen, die Hälfte rausschneiden und die Farben nachbearbeiten, eher zu den Grafikern gezählt sehen. Die Fotos sind nichts weiter als Zutat, das Hauptwerk ist eine andere Kunstform.
2. echt abgefahren
tart 17.03.2016
seltsam wie ungewohnt diese Ansichten auf einen wirken
3. Fotografin?
xvxxx 17.03.2016
Eigentlich nicht. Die Fotografie ist hier im Prinzip nur eine Vorstudie oder ein Vorprodukt. Das Werk entsteht in der Bearbeitung. Das soll nicht die Bilder herabsetzen. Alle haben einen ganz eigenen Reiz. Find ich wirklich beeindruckend. Aber mit Fotografie hat das für mich nur noch am Rande zu tun.
4. 120 Tonnen !
bauberuf 17.03.2016
Eine Rangierlok mit 120 Tonnen ? 30 Tonnen pro Achse ? Auf welchen Gleisen soll die fahren können ? Bitte etwas weniger übertreiben !
5. Bild 1
and_over 17.03.2016
zeigt ein Quad/ATV. Nix mit Baustelle.
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