Faltdach-VW 1200, Baujahr 1962 Flotter Käfer in Fredersdorf

Fast 50 Jahre hat Käfer Fritzchen auf dem Buckel. Kein Wunder, dass im Winter die Batterie streikt. Doch bei den ersten warmen Sonnenstrahlen geht SPIEGEL-ONLINE-Leser Frank Rennemann mit seinem roten Faltdach-VW 1200, Baujahr 1962, wieder auf Tour.


Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Frank Rennemann über das Leben mit seinem VW 1200 Baujahr 1962, Erstzulassung 1966 .

Meinen roten Käfer habe ich durch Zufall bei einer Online-Auktion gefunden. Ich klickte eher uninspiriert durch das Angebot, weil mich eigentlich nur ein 62er Exportkäfer mit Faltdach interessierte, am besten in rot. Und genau so einer wurde tatsächlich angeboten. Weil ich damals in Hannover wohnte und der Wagen in rund 120 Kilometern Entfernung in Göttingen stand, wollte ich ihn mir einmal anschauen.

Der Oldtimer stand auf einem Hof im Regen, mit mattem Lack und pflegebedürftiger Innenausstattung. Die Probefahrt beschränkte sich auf ein kurze Runde auf dem Gelände des Anwesens. Trotzdem war mir sofort klar, dass ich den Wagen haben wollte.

Fünf Tage später konnte ich ihn auf eigener Achse in meine Heimatstadt überführen. Nach der Geld- und Schlüsselübergabe wurde aus dem liebevoll Karlchen genannten Käfer mein neues luftgekühltes Fritzchen - in Reminiszenz an meinen Opa, der auch einen ähnlichen roten Käfer fuhr. Mit dem typischen Sound eines Boxers ging es zurück an die Leine.

Mit Zwischengas und beiden Händen

Die Fahrt in meinem neuen Auto war anfangs ungewohnt. Zuvor fuhr ich einen Ford Puma mit Servolenkung und einer Leistung von 90 PS. Ohne Lenkhilfe und mit 40-PS-Motor erinnerte ich mich gleich in der ersten Kurve daran, dass ein echter Motorist das Steuer besser mit beiden Händen festhält. Außerdem verlangte der etwas unruhig laufende Motor ständig nach Zwischengas. Auch wenn der Herbst und Winter nicht die optimal Jahreszeit für ein Cabrio ist, bringt die Fahrt mit geschlossenem Verdeck trotzdem Spaß.

Sie ist entspannt und der Wagen entschleunigt ungemein. Zuerst ging es mit knapp 100 km/h bergab und bergauf, immer verfolgt von den Brummis - täusche ich mich oder hält sich neuerdings kein Lkw-Fahrer mehr an das Tempolimit von 80 km/h? Bei 95 Sachen wurde ich zwei mal von Lastern überholt - kein gutes Gefühl. Deshalb gebe ich seitdem mehr Gas - irgendwann schaffte Fritzchen sogar 130. Weil die Geräuschkulisse dabei aber nahezu unerträglich ist, habe ich ihn auf etwas über 100 eingebremst.

Nach einem Besuch bei meiner Familie fuhr ich im Dunkeln und bei leichtem Nieselregen zurück nach Hannover. Die Bordspannung von sechs Volt und das Alter forderten ihren Tribut. Zum einen sieht man bei aufholenden Autos trotz der eingeschalteten Scheinwerfer ständig seinen eigenen Schatten vor dem Auto, zum anderen waren Geschwindigkeit und Anpressdruck des Scheibenwischers eher eine Bekundung guten Willens als eine echte Sichthilfe.

Später war ein Enttropfen des Käfers nötig, denn er ölte durch alle Ventilstösselrohrdichtungen. Dabei entdeckte der beauftragte Kfz-Meister, warum der Motor so unrund lief: Der Motor hatte mal einen Kolbenklemmer. Jetzt ist die Hälfte von Fritzchens Maschine neu, und ich hatte das seltene Vergnügen, einen Käfer einfahren zu müssen. Klar, bei einem fast 50 Jahre alten Auto ist viel Arbeit nötig. Trotzdem werde ich ihn nicht wieder hergeben. Alle bisher erschienenen Folgen



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Dazzle, 26.01.2009
1. oller Stinker...
...ab auf den Schrott damit 2500€ kassieren und ein schönes neues Auto gekauft. Diese Kulturbewahrer sind alles Wirtschaftsschädiger.
Andreas Kah 26.01.2009
2. Ein paar Tipps aus meiner Erfahrung
Ich hatte 12 Jahre lang einen 63ger Faltdach-Käfer und habe ihn von Grund auf restauriert. Damit so ein alter Käfer alltagstauglich wird, sollte man meiner Meinung nach: - Achsschenkel- und Bundbolzen erneuern, die Vorderachse regelmäßig schmieren und neue Stoßdämpfer einbauen. Dann lenkt er sich auch um die Mittellage sehr passabel. - Den "Kupferwurm" aus der 6 Volt Anlage vertreiben. Denn schlechte Masseverbindungen und alte Kabel machen aus dem eh schwachen Licht Funzeln. Nebellampen schaffen dazu Verbesserung und stehen einem Oldtimer eh gut. - Die Scheibenwischer, obwohl so dünn, wischen ganz gut, wenn sie neu sind und wenn die Wischerarme keine lahmen Federn haben. Ist das nämlich der Fall, genügt der Anpressdruck nicht und schon der Fahrtwind lässt die Wischer wackeln. - Ein 40 PS Motor ist nicht original, den gabs erst ab 65 für den 1300. Er hat mehr Durchzug und ist etwas schöner zu fahren. Insgesamt habe ich mit meinem auf Diagonalreifen rollenden serienmäßigen 63ger Käfer über 50.000 (Sommer)-km zurückgelegt und festgestellt, dass so ein Käfer auch heute noch gut mithalten kann, wenn er dem damaligen Neuzustand wieder nahekommt. Vieles, was dem Käfer oft vorgeworfen wird, liegt eher am miesen Pflegezustand als an der Technik selbst. Gerade die Käfer um 1960 waren von einer Schlichtheit und Perfektion, die fasziniert. Nicht umsonst wurden 1962 die meisten Käfer in die USA geliefert. In Deutschland wurden sogar junge Käfer aufgekauft, umgerüstet und in die USA exportiert. Sehr zum Verdruss des VW-Werkes. Die abgeschraubten Teile, vor allem Stoßstangen, drückten auf die Ersatzteil-Preise. Aber das nur nebenbei. Viele Grüße von einem Käferfan.
wakaba 26.01.2009
3. Käfer-Cabrio
Angenehm zu fahrendes Auto, einfach, sparsam, guter Sound und hübsch anzusehen. Geradeauslauf? Na und, Strassen sind ja breit genug...
Wiedereinaussteiger 26.01.2009
4. ..schöner Käfer...
Fritzchen ist nicht ganz orchenahrl. ;-) Wenn er von 1962 ist, hat er einen 34-PS-Motor zu haben. 40 PS-Motoren gab es mit dem 1300er erst ab September 1965. Mit 40 PS müsste-sollte er besser Scheibenbremse haben - geht aber nicht, weil alte Vorderachse mit Bundbolzen (viiiel und guuut abschmieren nötig..) Ansonsten sind die Faltdach-Käfer in der Export-Version wirklich die schönsten. Die letzten gab es August 1964. Danach hatten die Käfer mit Chrom-Stoßstange einen kleinen "Golde"-Blechdeckel als Stahlschiebedach. Die Sparkäfer hatten das Faltdach noch bis 1967. Somit ist "eigentlich" der VW 1200 A von 1967 der beste Käfer mit Faltdach: schon die neue Vorderachse, die auch Scheibenbremsen bekommen kann, und die problemlos auch mit hinterer Ausgleichsfeder und verdrehten Federstäben tieferzulegen ist für korrektes Käferchen-Eckenwetzen, was eben auch geht, wenn man weiß, wie.. Tempo 105 ist korrekt. Immer die große Lücke suchen zum LKW-Überholen. Schöne Geschichte. Zur Zeit wird ein roter 1961er Export bei Mobile.de angeboten.. original,34 PS, Faltdach. Rot. Sieht wunderschön aus. (leider nichts für mich: Ich hab schon einen - etwas zu jung, Bj. 1975. Auch 34 PS. Sparkäfer. Die 1300er 40 PS-Motoren Kennbuchstabe F gehen öfter kaputt.. als die 34-PS-Motoren Kennbuchstabe D - Und der 1200er säuft nicht, nippt nur 6 Liter - Aber der bessere "bums" (Drehmoment) des 1300er ist schon schön.. Immer gut auf die Öltemperatur aufpassen..!!.. ..wie?? Kein Fernthermometer eingebaut? Dringend nachrüsten!! v.a. beim 1300er und 1600er.. Alle !! Käfer über 34 PS sind schnell mal etwas wärmekrank..
Wiedereinaussteiger 26.01.2009
5. ..sorry, dumm tüch..
Zitat von Dazzle...ab auf den Schrott damit 2500€ kassieren und ein schönes neues Auto gekauft. Diese Kulturbewahrer sind alles Wirtschaftsschädiger.
..in extremo: Alten Käfer einfach immer weiter zu fahren ist absolut ökologisch, da hierfür kein neues Auto gepresst werden muss und das Ding sparsam ist. Ggf. kann sogar auch ein Kat eingebaut werden.
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