Günstige Oldtimer - Fiat 500 Kleiner Tipp

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchen-Schlitten. Wir stellen sie vor. Diesmal: der Fiat 500.

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Günstige Oldtimer
Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.


Fiat 500: Der Knuddel-Oldie

Allgemeines zum Modell: Der Fiat 500, auf Italienisch Fiat Cinquecento, wurde von 1957 bis 1975 produziert. Er sollte Italien die Massenmobilität bringen, ein Auto für jedermann werden. Auf diesem Gedanken entstand unter Leitung des damaligen Fiat-Chefkonstrukteurs Dante Giacosa der Fiat 500. Für weniger als 3000 Mark bekam man damals ein vollwertiges Fahrzeug, das vier Personen Platz bot, einen kleinen Kofferraum hatte und alltagstauglich war. Mehr als 3,7 Millionen Einheiten des Kleinwagens mit luftgekühltem Heckmotor wurden verkauft, man sprach auch von Italiens "Volkswagen". 2007 legte Fiat die Kult-Kugel neu auf, allerdings mit Frontmotor.

Warum ausgerechnet der? Im Fiat 500 ist das Autofahren noch Autofahren, kein Dahingleiten in einer Komfortzone. Der Motor rasselt gefühlt direkt unter dem Hintern, die Lenkung ist nicht servounterstützt, und überhaupt ist alles etwas lauter, etwas spürbarer, aktiver. Und das macht Spaß. Zudem ist der Wagen ein ausgesprochener Sympathieträger - der Wagen ist das Blech gewordene Kindchenschema, selbst Autohasser lassen sich von der kleinen Kugel das Herz erweichen.

Trotz seiner bescheidenen Leistung von, je nach Motorisierung, 15 bis 18 PS, kommt man ganz gut voran, denn der Wagen ist mit rund 500 Kilogramm Leergewicht sehr leicht. Außerdem bringt er einen immer wieder zum Staunen: Dass damals Hunderttausende Familien damit in den Urlaub gefahren sind, erscheint angesichts der heute herumfahrenden Kolosse unvorstellbar.

Verfügbarkeit: Die Verfügbarkeit der "neueren" Modelle (500 F, L und R) ist recht gut. Schwieriger gestaltet sich die Suche nach Fahrzeugen der ersten beiden Baureihen Fiat 500 N und D mit hinten angeschlagenen, sogenannten Selbstmördertüren. Auch für die Kombiversion ("Giardiniera") muss man einen Preisaufschlag zahlen. Sinnvoll ist die Nachrüstung von Sicherheitsgurten, es gab schon etliche tödliche Unfälle von nicht angeschnallten Fiat-500-Fahrern oder -Beifahrern.

Ersatzteilversorgung: Ersatzteile für den Fiat 500 sind recht problemlos und vor allem günstig zu bekommen. Selbst Blechteile gibt es für unter 100 Euro. Bei solchen Preisen können Besitzer anderer Oldtimer schnell neidisch werden. Mehrere deutsche Händler haben sich auf den Fiat 500 spezialisiert und bieten Reproduktionen oder Originalteile zu erschwinglichen Preisen. Was nicht beim Händler erhältlich ist, bekommt man in der Regel Hilfe über die gut vernetzte Schrauberszene, also über Klubs und Foren.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

- Satz Bremstrommeln: ca. 50 Euro
- Satz Bremsbeläge vorn: ca. 20 Euro
- Kotflügel vorn: ca. 35 Euro
- Lichtmaschine: ca. 180 Euro

Schwachstellen: Die Hauptschwachstelle beim Fiat 500 ist das Blech. Bodenbleche, Schweller und Radläufe sind nur einige Bereiche, die oft vom Rost befallen sind. Es empfiehlt sich, den Wagen mit einem Experten anzuschauen. Gerade italienische Restaurationen sind oft von schlechter Qualität, solche Blender entpuppen sich schon nach kurzer Zeit als wahrer Schrotthaufen. Nerven kann auch Ölverlust. Kaum ein 500er-Motor ist wirklich öldicht. Weitere Schwachstellen entstehen durch mangelhafte Wartung. Dazu gehören etwa ausgeschlagene Achsschenkel an der Vorderachse.

Preis: Für ein fahrbares Exemplar in ordentlichem Zustand sollte man etwa 5000 Euro einrechnen. Das ist ziemlich wenig Geld für einen über 50 Jahre alten Oldtimer. Für gepflegte Fiat 500 können aber auch 15.000 Euro und mehr aufgerufen werden, vor allem für ältere Modellen mit den Selbstmördertüren. Auch wenn der Fiat 500 eigentlich ein Brot-und-Butter-Auto war: Seit einiger Zeit ziehen die Preise enorm an - wie bei den meisten italienischen Klassikern.

Anlaufstellen im Internet:

www.500forum.de (größtes deutschsprachiges Forum zum Fiat 500)
www.500er-fiat.de
www.fi500.com (Ersatzteilhändler)
www.fiat500126.com (Ersatzteilhändler)
www.fiat500-fischer.de (Ersatzteilhändler)

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:



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insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
colinchapman 20.12.2015
1. bitte vorher überlegen,
, ob man sowas machen will. "fertig" ist ein Oldtimer nie. Immer gibt es daran noch etwas zu tun, und man muss mit einem Mindesttempo daran arbeiten, sonst halten sich Verbesserung und Verfall die Waage. Ich habe als Ingenieur anderthalb Jahre ein Motorrad restauriert, mein Fazit: ein Oldtimer ist nur etwas für Leute die A) was von Technik verstehen, B) viel Zeit zum Schrauben haben, C) fünfstellige Beträge übrig haben und D) eine Doppelgarage und einen Werkstattkeller haben. Ich rate jedem, der seinen Oldie restaurieren LASSEN will, ab.
verbal_akrobat 20.12.2015
2. Es gibt auch eine große Mehrzahl von Menschen
die würden sich in den Wagen welcher "für Italiener ausreichend Technik" innehat - maximal einmal reinsetzen aber niemals einen Meter damit fahren. (Stellen Sie sich einmal einen Unfall in dem Gefährt vor, oder nur simpel Körpergröße über 180cm)! Grezze
sachfahnder 20.12.2015
3. Schnäppchen...???
Die 500er sind selbst im hintersten Tal von Südtirol auf Preise um die 6.000 EUR. geklettert und für optisch auf NEU gemachte, werden hierzulande 10.000EUR aufgerufen, wo bitte sind das Schnäppchenpreis?
you_name_it 20.12.2015
4.
Die Kaufempfehlung kommt 20 Jahre zu spät. Um einen gut erhaltenen günstigen Oldtimer zu fahren und nicht nur stehen zu haben ist es ratsam die Kiste zu kaufen bevor sie 30 Jahre alt ist. Erste oder zweite Hand Garagenwagen medium Laufleistung ca. 25 Jahre alt und dann in der Garage reifen lassen. Ist ja kein Geheimnis bei Wein wird es auch so gemacht.
remo 20.12.2015
5. Ihre Meinung teile ich nicht ganz
Zitat von colinchapman, ob man sowas machen will. "fertig" ist ein Oldtimer nie. Immer gibt es daran noch etwas zu tun, und man muss mit einem Mindesttempo daran arbeiten, sonst halten sich Verbesserung und Verfall die Waage. Ich habe als Ingenieur anderthalb Jahre ein Motorrad restauriert, mein Fazit: ein Oldtimer ist nur etwas für Leute die A) was von Technik verstehen, B) viel Zeit zum Schrauben haben, C) fünfstellige Beträge übrig haben und D) eine Doppelgarage und einen Werkstattkeller haben. Ich rate jedem, der seinen Oldie restaurieren LASSEN will, ab.
Ich habe seit vielen Jahren einen Oldtimer, habe weder Zeit noch tieferes Wissen zum Schrauben, und bin auch nicht reich. Die entscheidenden Punkte, trotzdem den eigenen Oldie geniessen zu können, sind vielmehr Folgende: - sich in die Thematik gründlich einlesen, um problematische Typen/Motorvarianten von vornherein zu meiden. - Markenclubs kontaktieren - das richtige Modell rauszusuchen, bei dem die Ersatzteilsituation gut ist und es diese auch zu vernünftigen Preisen gibt. - ein Modell wählen, welches überdies zu meinen finanziellen Möglichkeiten passt, so dass ich den vom Zustand bestmöglichen Wagen kaufen kann (am besten bereits restauriert, denn im unteren Preissegment bekommt der Verkäufer meist die Eigenkosten des Restaurierens nicht mehr raus) - eine geeignete Werkstatt zu der Marke in der Nähe haben Bei mir war das zu Beginn ein MG B GT und ich hatte viele Jahre Spass und wenig Probleme/Kosten. Eine trockene Garage braucht es aber auf jeden Fall. Und Finger weg von Exoten oder Modellen mit bekannt komplexen Karrosseriestrukturen, die kaum sachgerecht zu "entrosten" sind.
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