Oldtimer mit 1700 PS: Ford Granata

Von Christoph Stockburger

Ford Granada mit 1700 PS: "Zzz-Zzz" macht das Monster Fotos
Joel Olsen

Unscheinbare Autos, denen man ihre potenten Motoren nicht ansieht, heißen im Tuner-Jargon "Sleeper". Ein Norweger hat seinen plüschigen Ford Granada in einen solchen Schläfer verwandelt und dessen ursprüngliche PS-Leistung mehr als verzehnfacht. Auf 1700 Pferdestärken.

Auf den üppig dimensionierten Felgen von Joel Olsens Ford Granada sind die Buchstaben "Zzz-Zzz" graviert. Und das sagt so ziemlich alles über den Wagen. In Comics wird mit dieser Buchstabenkombination Schlafen symbolisiert. Wenn Lucky Luke beispielsweise auf der Veranda rumdöst, schwebt über seinem Kopf eine Sprechblase mit den Buchstaben "Zzz-Zzz".

Lucky Luke ist ein gutes Stichwort, denn es gibt Parallelen zwischen dem Comic-Cowboy und dem betagten Granada des Norwegers. Eben noch schläft Luke, im nächsten Moment zieht er blitzschnell die Pistole. So ähnlich läuft das auch mit dem Granada - ein Tritt aufs Gaspedal, und er schießt mit 1700 PS los.

Der Granada von Olsen ist das, was Auto-Aficionados einen Sleeper nennen, einen Schläfer. Ein Auto, das auf den ersten Blick unscheinbar und zahm aussieht, ein Auto, dem man seine Kraft nicht ansieht. "Ich wollte aus diesem Familienwagen etwas Ungewöhnliches machen - eine Art Protest gegen herkömmliche Bauweisen von Autos", sagt Olsen über seinen Granada. Man kann nur sagen: es ist ihm gelungen.

806 PS? Noch lange nicht genug!

Olsen rupfte den alten V6-Antrieb mit 150 PS aus dem Motorraum und ersetzte ihn durch einen V8 Ford-Motor mit 4,7 Liter Hubraum. Eine Maschine, die 806 PS und einen Drehmoment von 920 Nm leistet. "Dieser Motor steckt auch im Koenigsegg CCR, im Ford GT Supercar oder im Shelby GT 500", sagt Olsen stolz.

Jedem anderen hätte diese Leistung in einer Familienkutsche aus den achtziger Jahren vermutlich gereicht. Olsen jedoch gab sich mit den 806 PS nicht zufrieden. "Mein Ziel war es, an die Grenzen des Machbaren zu gehen." Die Grenze, das sind vorerst rund 1700 PS. Möglich macht die Leistungssteigerung ein Turbosystem von Turbonetics - und natürlich jede Menge weiterer Modifikationen, die dafür sorgen, dass der Motor diese Leistung auch verdaut.

Der Granada, Baujahr 1982 parkte schon seit längerem in seiner Garage. "Diese Autos gefielen mir schon, als mein Opa sich Anfang der Achtziger ein ähnliches Modell als Neuwagen zulegte", sagt der 37-Jährige. "Und ich kann mich bis heute noch nicht an ihm sattsehen." Das hinderte ihn allerdings nicht daran, den Wagen einmal komplett zu zerlegen. Auf die Frage, was er außer dem Motor noch an dem Auto verändert hat, antwortet Olsen: "Die Frage müsste lauten: Was wurde nicht verändert?"

Renntechnik für das Plüschsofa

Die 1700 Pferdestärken werden jetzt von einer Bremsanlage aus dem Porsche GT2 eingefangen. Die Antriebswelle findet sich identisch in Nascar-Rennwagen. Die Hinterachse stammt aus einem Mustang Cobra und auch die Vorderachskonstruktion hat nichts mehr mit der Ford Großserientechnik der Achtziger zu tun.

Um all diese Performance-Teile unterzubringen, musste Olsen fast den kompletten, nicht sichtbaren Teil der Karosserie verändern. Spritzwand, Getriebetunnel, Fahrzeugboden - alles wurde umgeschweißt. Zudem wurde ein Stahlrohrkäfig eingeschweißt, damit sich die Karosserie unter dem Drehmoment des Übermotors nicht verwindet wie ein Korkenzieher.

Fünf Jahre Arbeit stecken in diesem Projekt. Jedes Wochenende und fast jeden Feierabend verbrachte Olsen bei seinem Granada. "Mich zu motivieren, wieder und wieder in die Werkstatt zu gehen, war die größte Herausforderung bei dem Projekt", sagt Olsen.

Der Sportwagen-Killer

Jetzt, wo der Wagen fertig ist, weilt der ehemalige Marketingmanager von Sharp erstmal in den USA, wo er eine Ausbildung zum Helikopterpiloten macht. Im September will er den Ford dann im Rahmen einer Motorshow bei Oslo der Öffentlichkeit zeigen, was der Ford auf der Strecke leisten kann.

Einmal hat er den Schläfer aber probehalber schon mal wachgerüttelt - und eine Ahnung davon bekommen, was in dem Auto steckt. "Es war faszinierend", sagt Olsen. "Egal, in welchem Gang ich fuhr und bei welcher Drehzahl - wann immer ich auf das Gaspedal trat, schoss der Wagen wir irre nach vorne. Es war, als hätte er unendliche Kraft."

Vom plüschigen Komfort, den der Granada einst bot, ist allerdings jetzt nicht mehr viel übrig. "Der Wagen ist jetzt eher ein Rennauto", gibt Olsen zu. "Vielleicht nicht ganz so laut, aber genauso giftig und ruppig im Fahrgefühl".

Dafür erfüllt er den Zweck, für den Olsen ihn gebaut hat. Erreicht ist jenes Ziel, das ihn in all den Stunden in der Werkstatt bei der Stange gehalten hat. "Fahrern von Supersportwagen den Tag zu verderben", sagt der Norweger. Und lacht.

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insgesamt 118 Beiträge
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1. 1.700 Ps aus 4,7 ltr. Hubraum ??
sagmalwasdazu 15.07.2012
Das glaube ich nie und nimmer ! Höchstens für Sekunden, und das auch nur mit diesem Lachgas....komme gerade nicht darauf wie es heißt. Ich weiß ich weiß ich werde jetzt als Spaßbremse und " Null Ahnung von Nix " kommentiert, aber diese Werte sind schier unmöglich !
2.
neu_ab 15.07.2012
Zitat von sagmalwasdazuDas glaube ich nie und nimmer ! Höchstens für Sekunden, und das auch nur mit diesem Lachgas....komme gerade nicht darauf wie es heißt. Ich weiß ich weiß ich werde jetzt als Spaßbremse und " Null Ahnung von Nix " kommentiert, aber diese Werte sind schier unmöglich !
N²O? Jedenfalls hat dieser Olsen den Wagen wohl mächtig gewaltig getuned.
3. 2 Herzen
regensommer 15.07.2012
2 Herzen schlagen in meiner Brust das eine, das rationale sagt, was für ein Blödsinn. Kann man nicht ausfahren..., wie kann man nur in Zeiten der Klimaerwärmung..., usw... das andere, das emotionale sagt: faszinierend, das möchte ich auch haben.
4.
kathokalypse 15.07.2012
Zitat von sagmalwasdazuDas glaube ich nie und nimmer ! Höchstens für Sekunden, und das auch nur mit diesem Lachgas....komme gerade nicht darauf wie es heißt. Ich weiß ich weiß ich werde jetzt als Spaßbremse und " Null Ahnung von Nix " kommentiert, aber diese Werte sind schier unmöglich !
Das Lachgas, das Sie meinen ist N2O, oder Stickstoffdioxid (auch bekannt als Nitro). Nirgendwo steht, dass kein N2O verwendet wird, dazu kommt dass der Ladedruck wahrscheinlich jenseits der 3 bar liegen wird. Wahrscheinlich wird auch noch die maximale Drehzahl höher liegen als bei ca. 7.000 rpm wie im Koenigsegg und ein bisschen aufgebohrt (Region 5,0 - 5,2 Liter) wird er wohl auch noch sein. Die Haltbarkeit des Motors steht jedoch auf einem ganz ganz anderen Blatt...
5. Auch haben ?
sagmalwasdazu 15.07.2012
Zitat von regensommer2 Herzen schlagen in meiner Brust das eine, das rationale sagt, was für ein Blödsinn. Kann man nicht ausfahren..., wie kann man nur in Zeiten der Klimaerwärmung..., usw... das andere, das emotionale sagt: faszinierend, das möchte ich auch haben.
...na es weder beschrieben, WIE die unglaubliche Leistung ,- wenn sie stimmt, zustande käme, noch andere Daten, wie Beschleunigung und bisherig zugetraute Geschwindigkeit. Schön aufgebauter Oldtimer, keine Frage, aber diese 1.700 Ps sind mehr als Fragwürdig ....erreichbar für eine Privatperson ohne zig-Millionen Budget.
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