Versteigerung Ford GT40 Für Gold gebaut

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten: SPIEGEL ONLINE zeigt Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern und Raritäten, die versteigert werden. Diesmal: eine Legende in Gold.

RM Sotheby's

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Unterm Hammer: Ein Ford GT40, Baujahr 1966.

Warum mitbieten? Kandy Gold und Day-Glo Pink. Nein, das sind keine Namen neuer Kaugummikreationen, sondern die der Farbkombination dieses Ford GT40. Und die wirkt, der Rennwagen sticht sogar unter seinen ohnehin schon auffälligen Konkurrenten hervor.

Doch dieses Exemplar hat noch mehr zu bieten als zwei ungewöhnliche Farbtöne, es schrieb Rennsportgeschichte. Schuld daran war Enzo Ferrari, im Jahr 1963 ließ er die Übernahme seiner Firma durch Ford kurz vor dem Vollzug platzen. Also holte der amerikanische Autogigant zum Gegenschlag aus. Ein Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans musste her, denn Ferrari dominierte damals dieses legendäre Langstreckenrennen.

Scheckbuch statt Entwicklungsarbeit

Doch anstatt das nötige Know-how in jahrelanger Arbeit selbst aufzubauen, griff Ford zum Scheckbuch. Man sicherte sich die Dienste Eric Broadleys vom britischen Rennwagenhersteller Lola, der ein vielversprechendes Konzept für einen neuen Sportwagen entwickelt hatte. Heraus kam ein Jahr später, 1964, der erste Ford GT40. Doch der geplante Gegenschlag wurde zum Flop: Alle drei eingesetzten, von einem 4,7-Liter-Achtzylinder angetriebenen Rennwagen schieden in Le Mans aus, die Plätze eins bis drei gingen an drei Ferraris.

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Ford GT40: Die goldene Ära des Motorsports

Geduld war bei Ford Mangelware, also übergab man das Projekt im Jahr darauf der Rennsportlegende Carroll Shelby. Und der tat das, wofür er in späteren Jahren berühmt werden sollte: Er spendierte dem Ford zuallererst einen mächtigen Siebenliter-V8. Und plötzlich setzte der GT40 einige der schnellsten bis dahin gemessenen Rundenzeiten - nur um dann wegen technischer Probleme auszuscheiden und Ferrari schon wieder das gesamte Podium zu überlassen.

Diese erneute Demütigung war für die Manager in Detroit eine zu viel. Der damalige Firmenchef und Enkel des Firmengründers, Henry Ford II, schickte 1966 einem seiner Manager eine Karte mit dem schlichten Text "Du solltest gewinnen. Henry". Das Kärtchen verfehlte seine Wirkung nicht: Ford überarbeitete den Wagen, außerdem musste PS-Guru Shelby die Leitung des Programms abgeben, sein Team durfte allerdings weiterhin GT40 mit Werksunterstützung einsetzen.

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Legendärer Le-Mans-Rennwagen GT40: Rache an Ferrari

Nachdem Ford zweimal mit langstreckenerfahrenem Personal gescheitert war, setzte man 1966 schließlich auf Holman-Moody. Das Team kam aus dem in Europa eher müde belächelten Stockcar-Sport, bei dem technisch relativ simple Rennwagen auf überwiegend ovalen Kursen gegeneinander antreten. Der Rennstall aus dem US-Bundesstaat North Carolina war verantwortlich für Fords Nascar-Aktivitäten, dem wichtigsten Verband des Stockcar-Sports. Dieses Team sollte Ford nun den langersehnten Sieg über Enzo Ferrari bringen.

Nascar-Erfahrung sollte es richten

Wie man gewinnt, wusste man bei Holman-Moody: Die Autos der Mannschaft gewannen im Vorjahr 48 von 55 Rennen der Grand-National-Serie, der wichtigsten Meisterschaft des Stock-Car-Sports. Bei den 24 Stunden von Le Mans konnte der Gegensatz nicht größer sein: Hemdsärmelige Nascar-Schrauber traten gegen Enzo Ferraris erfolgsverwöhnte Scuderia an.

Für das Rennen erhielt Holman-Moody drei GT40, darunter auch dieses Exemplar. Ford hatte aus den Problemen der Vorjahre gelernt, das Fahrgestell und die Antriebswelle wurden verstärkt, außerdem erhielt der Rennwagen nun belüftete Scheibenbremsen und einstellbare Stoßdämpfer.

Das neue Team konnte vor allem jede Menge Erfahrung mit dem V8 des Wagens beisteuern. Hinter den Sitzen arbeitete erneut der Big Block aus dem Ford Galaxie, den Carroll Shelby ausgesucht hatte und der ansonsten in der Nascar-Serie eingesetzt wurde. Holman-Moody entlockte dem Motor bis zu 490 PS, außerdem erhielt das Triebwerk eine Trockensumpfschmierung. Dadurch wird der Motor auch bei hohen Beschleunigungskräften gleichmäßig geschmiert und kann dank der kleineren Ölwanne niedriger eingebaut werden. Teile aus Aluminium und Magnesium halfen außerdem, Gewicht zu sparen.

Ein Dirt-Track-Pilot für Le Mans

Der 1966er GT40 war am Ende deutlich amerikanischer als die Exemplare der Vorjahre: Big Block, gebaut und verfeinert in den USA, betrieben von einem Team aus North Carolina. Und auch die Fahrerpaarung für den goldenen Rennwagen spiegelte das wieder: Der Kalifornier Ronnie Bucknum, zuvor Hondas erster Formel-1-Pilot, teilte sich das Cockpit mit Dick Hutcherson - der kam aus dem Dirt-Track-Sport, fuhr seit 1964 in der Nascar-Serie und konnte 1965 bereits neun Rennen gewinnen.

Am Tag vor dem Rennen erhielt der amerikanischste der gemeldeten GT40 noch die leuchtend pinkfarbenen Akzente und qualifizierte sich als bestes der von Holman-Moody eingesetzten Wagen für den neunten Startplatz. Und das Rennen begann gut: nach einer Runde lag der goldene Rennwagen auf dem dritten Rang - von dort ging es aber nur bergab.

Golden war am Ende nur die Lackierung

Wegen Bremsproblemen wurde der GT40 über die nächsten sechs Stunden immer weiter nach hinten durchgereicht, nach einem längeren Boxenstopp mit zahlreichen Reparaturen lag der Wagen am Samstagabend schließlich auf dem zehnten Rang. Doch damit wollten sich Bucknum und Hutcherson nicht zufriedengeben und holten alles aus dem Wagen heraus.

Langsam, aber stetig arbeiteten sich beide nach vorn, nach elf Stunden lag der Wagen auf Platz vier, nach 17 Stunden schließlich auf Rang drei, während der letzte verbliebene Ferrari aufgeben musste. Weiter nach vorn ging es nicht mehr, Holman-Moodys goldener GT40 kam auf Rang drei ins Ziel - geschlagen ausgerechnet von zwei identischen Rennwagen aus dem Rennstall des zuvor geschassten Carroll Shelby.

Ein Sieg war dem Wagen am Ende trotz der goldenen Lackierung nicht vergönnt, nach den 24 Stunden von Le Mans endete die Rennsportkarriere dieses GT40. Zunächst ging er auf eine Werbetour durch Ford-Autohäuser im Südosten der USA, später diente er als Testfahrzeug. Bei so wenig Rennkilometern dürfte der Achtzylinder gerade einmal eingefahren sein.

Zuschlag! Das Auktionshaus Sotheby's versteigert den goldenen GT40 am 24. August im kalifornischen Monterey. Erwartet wird ein Preis zwischen 9 und 12 Millionen Dollar. Bei so viel Gold beinahe preiswert.

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insgesamt 5 Beiträge
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felisconcolor 21.08.2018
1. Eines
der schönsten Autos überhaupt. Und wieder beweist sich der Spruch "Hubraum ist durch nichts zu ersetzen als noch mehr Hubraum". Tja auch wenn 9 - 12 Millionen Dollar als günstig anzusehen sind... In meiner Garage ist einfach kein Platz mehr. Menno.... haben will
janfred 22.08.2018
2. Wunderschön
niedriger Sportwagen. Ich habe ihn schon öfters im Original gesehen und auch gehört. Der GT 40 ist soviel ich weiss, noch niedriger als ein Lamborghini Miura. In meiner presönlichen Hitliste unter den Top5 der schönsten Fahrzeuge. Allerdings gibt es vom GT40 auch über 10mal soviel sehr gut gemachte Nachbauten wie Originale. Da fällt es auch dem Kenner relativ schwer einen Nachbau vom Original zu unterscheiden. Den GT40 gab es natürlich auch als strassenzugelassene Version. Ein sehr bekannter original GT40 Besitzer war Herbert von Karajan. Sein Wagen hatte sogar Klimaanlage.
argonaut-10 22.08.2018
3. etwas Widerspruch
bin nicht der Meinung, dass Hubraum alles ist, sondern statt dessen gute Ingenieurskunst. Da bekommt man auch aus kleineren Motoren ne Menge raus. Ganz grundsätzlich ist der GT40 aber natürlich ein Traum, und bis auf den Motor (die Amis können es einfach nicht) ein homogenes und einmaliges Konzept.
helicopterview 22.08.2018
4. Dach- und Türkonzept
Das Dachdesign mit den passenden Türkonturen sollte einen schnellen Fahrerwechsel erleichtern, so meine Interpretation. Allerdings schon kurios, dass auf der Fahrerseite ein „Buckel“ im Dach montiert wurde. Wahrscheinlich war die Kiste ursprünglich schlichtweg zu flach für behelmte Fahrer.... Trotzdem der einzige Ford mit Kultstatus.....
mikko11 23.08.2018
5.
Meiner Erinnerung nach, war das Modell mit dem 7 Liter Motor auf der Piste nicht wesentlich schneller, als die 4.7 Liter Version. Das Nachfolger-Modell hatte einen deutlich höheren Schwerpunkt, nur ein Viergang-Getriebe und war deutlich schwerer. Das motorische Mehrgewicht und höhere Drehmoment erzwang spürbares Mehrgewicht an fast allen Bauteilen. Zulassungsfähige GT40 (Originalmodell) gab es nur wenige. Die Neuauflage hatte (fast) vergleichbaren Charme, dazu gibt es sehr viele Replikas mit interessanter Motorisierung zu vertretbaren Kosten. (Nix für Sammler, sondern für Leute, die solche Fahrzeuge auch mal bewegen möchten).
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