Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Christian Hamster über das Leben mit seinem Ford Taunus GXL, Baujahr 1973 .
Das große Vorbild war der Wagen meines Vaters. Er hatte sich ein Taunus-Modell 1972 bei Ford nagelneu gekauft. Farbe, Ausstattung, Felgen - er sah genau so aus wie meiner jetzt. Als ich acht Jahre alt war, durfte ich auf dem Schoß meines Vaters sitzen und auch mal lenken. Damals hab ich mich in den Wagen verliebt. Mit dem Wagen haben wir Familienausflüge unternommen, nach St. Peter-Ording zum Freizeit-Park, manchmal sind wir einfach spazieren gefahren. Einmal haben wir meine Schwester besucht, die war mit der Schule auf Klassenreise in Burg-Dithmarschen. Das war ungefähr 1975.
Ein Jahr später hat der Taunus dann nasse Füße gekriegt, bei der großen Sturmflut in Hamburg. Als die Deiche gebrochen waren, stand auch der Unterboden unter Wasser. Wir wohnten seinerzeit etwa fünf Kilometer Luftlinie von der Elbe entfernt. Ich erinnere mich noch, dass wir Kinder mit unserer Oma zum Deich gegangen sind. Das Wasser reichte bis an die Deichkrone - tags darauf wurden wir alle in Notunterkünfte gebracht.
Umso höher schlug mein Herz, als ich 2007 einen Ford Taunus GXL im Internet sah. Zwei Tage vor Weihnachten; da musste ich sofort handeln - sozusagen mein Geschenk für mich selbst.
Alte Autos aus Frankreich
Der Wagen aus Süd-Frankreich hatte bloß einen Vorbesitzer, doch der hatte damit leider einen Unfall gebaut. Im Internet werden relativ häufig Oldies aus Frankreich angeboten. Zum Glück waren keine Französischkenntnisse gefragt, denn der Kauf lief über einen Vermittler, mit dem ich mich auf halbem Wege getroffen habe. Ich bin nur kurz Probe gefahren, denn meine Entscheidung stand von vornherein fest.
Vor meinem Vater und meinem Bruder hatte ich den Kauf geheim gehalten. Als das Fahrzeug dann in der Garage stand, habe ich beide mit den Worten "dringend und sofort" zu mir beordert. Die Reaktion von den beiden werde ich nie vergessen.
Nach Aussagen des Verkäufers sollte mein neuer Taunus keinen Rost aufweisen - jedenfalls haben wir bei der ersten Inspektion nichts gefunden. Doch als wir später die Kotflügen abmontiert hatten, kamen dahinter recht große Löcher zum Vorschein. Auch unter den Zierleisten hatte sich sehr viel Rost ausgebreitet. Die maroden Radläufe hinten waren gut verspachtelt.
Die Generalüberholung
Das wahre Ausmaß des Desasters brachte erst der Lackierer zu Tage. Beide Radläufe mussten ersetzt werden. Den Innenraum hab ich ausgebaut und in meiner Werkstatt, einem alten gemauerten Pferdestall hinterm Haus, gereinigt, und die Sitze sind vom Sattler neu bezogen.
Doch damit war es nicht getan. Ich musste den Wagen komplett leer räumen, und alles außer Achsen und Motor zerlegen und gründlich reinigen. Der Rost wurde komplett entfernt, ein Tür war allerdings nicht mehr zu retten. Einem Ford-Händler in unserer Nähe könnte ich zum Glück ein Original-Portal abkaufen. Allein die Spachtelarbeiten und das Schleifen haben gut zwei Monate gedauert. Danach habe ich den Wagen auf einen Anhänger gehievt und zum Lackierer gebracht. Eine Woche später war er endlich fertig, und ich konnte mit dem Zusammenbau beginnen.
Seit wenigen Wochen ist mein Taunus jetzt wieder auf der Straße unterwegs. Nicht nur mir gefällt das Auto, sondern scheinbar auch den Passanten. Ob beim Tanken oder Einkaufen, ständig sprechen mich die Leute an. Das ist das Schönste überhaupt. Die Komplimente gehen runter wie Öl und entschädigen für die vielen Arbeitsstunden. Wahrscheinlich werde ich auch an einem Rennen im Hamburger Stadtpark teilnehmen. Allerdings muss das Wetter mitspielen, denn Wasser und ein Ford Taunus vertragen sich nicht - ist zumindest meine Meinung. Aber das ist wohl ein kleines Kindheitstrauma.
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