Ford Thunderbird Der hat 'nen Vogel!

Der Ford Thunderbird gehört zu den Klassikern der Automobilgeschichte. Ein Versicherungsvertreter bei Hamburg fährt einen der legendären Donnervögel - und hätte ihn beinahe aus Frust verschrottet.

Jens Tanz

Grün. Alles grün. Das Auto, die Sitze. Die Tür geht auf, und es kommt jemand aus dem Ford Thunderbird gekrabbelt, der mit seinem fein getrimmten Brausebart direkt bei ZZ Top anfangen könnte. Günter Winter aus Rosengarten ist der Besitzer des schrägen Oldtimers von 1972 - und weder Rocker noch Musiker. Der 50-Jährige arbeitet selbstständig für eine Versicherung. Ohne viel Gewese bittet er zu einer Fahrt im Ford.

Die Farbkombination aus Grün und noch mehr Grün würde heute sogar einem passionierten Jäger eine Gänsehaut verursachen. In den Siebzigerjahren gehörten diverse Grüntöne wie "Green Fire", "Medium Green Metallic" oder "Dark Green Metallic" zu den hippen Serienfarben von Ford. Auch der Name des Autos bedarf einer Erklärung.

Der Ford Thunderbird ist einer der größten US-Car-Klassiker und wurde von 1955 bis 1997 angeboten. Als Retromodell gab es ihn noch einmal von 2002 bis 2005. Jede Generation der Ikone bekam einen liebevollen Spitznamen. So firmiert der klassische Zweisitzer unter "Classic Birds", der größere Viersitzer unter "Square Birds", eine schwerere Version ab 1961 unter "Bullet Birds".

Winters Donnervogel gehört zu den "Big Birds", die mit einem Gewicht von 2,2 Tonnen und einer Länge von 5,70 Metern die Grundidee des Thunderbirds ad absurdum führten. Ursprünglich sollte das Auto mit europäischen Sportwagen konkurrieren. 2005 stellte Ford das einstige Erfolgsmodell nach mehr als drei Millionen produzierten Fahrzeugen endgültig ein.

Winter tauchte in die US-Car-Szene ein

Günter Winter mochte schon immer die Formensprache der Siebzigerjahre. 2012 machte er sich auf die Suche nach einem Oldtimer aus der Zeit, er guckte im Internet nach einem Ford Taunus Coupé. Doch in seinen Suchergebnissen tauchte unter anderem der "Big Bird" auf. Warum, das versteht er bis heute nicht. Winter war hin und weg, erinnert er sich. Der Wagen stand in München. Nach einem Telefonat mit dem damaligen Besitzer, setzte er sich in den Flieger. Dort erwartete ihn der Traum in Grün, eine vollständige Historie des Wagens mit allen Verträgen und Belegen. Die hinteren Gurte waren noch eingeschweißt und nie benutzt.

Die Heimreise nach Rosengarten bei Hamburg trat er auf eigener Achse an. Daheim angekommen, ging dann aber nichts mehr. Der Kühler kochte, die Benzinleitungen waren dicht, der Vergaser zickte. Der Ford soff in Kurven oder bei zu viel Gas einfach ab. Winter hatte die Nase voll. Zwei Jahre lang ließ er den Thunderbird stehen.

Dann tauchte er über einen Bekannten etwas tiefer in die Autoszene ein. Er knüpfte Kontakte, die ihm bei der Instandsetzung des Donnervogels helfen konnten und musste feststellen, dass in seinem Wagen ein falscher Vergaser mit völlig falschen Düsen verbaut war. Die Kopfdichtungen waren noch die ersten, die Schaftdichtungen steinharte Ringe. In einer Spezialwerkstatt erhielt er endlich den richtigen Vergaser, die Spezialisten dort tauschten die Kopfdichtungen aus, schliffen die Ventile ein, säuberten die Ansaugbrücke und wechselten alle Schläuche.

17 statt 33 Liter Benzin - wenn das kein Fortschritt ist

Anschließend lief der Thunderbird rund - und verbrauchte "nur" noch 17 statt 33 Liter Benzin. Inzwischen kennt und liebt man Günter Winter in der US-Car-Szene im Norden, seinen Bart und seinen "Bird". Als Pseudonym benutzt er in Anspielung auf seinen Nachnamen gerne "Mr Frost", von seinem Wagen will er sich nicht mehr trennen. Der froschfarbene "Big Bird" schnurrt über die Landstraßen rund um Hamburg, als hätte es niemals eine Zeit gegeben, wo sein Besitzer ihn fast aus Frust verschrottet hätte.

Fahrzeugschein
Hersteller: Ford
Typ: Thunderbird, Bj. 1972
Motor: V8
Antrieb: Heck
Hubraum: 7.538 ccm
Leistung: 225 PS (165 kW)
Drehmoment: 285 Nm
Höchstgeschw.: 185 km/h
Gewicht: 2.180 kg
Maße: 5500/1980/1400


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