Autohof Geiselwind Paradies an der Planke

Glaubt man dem Schlagersänger Gunter Gabriel, führt die Ausfahrt 76 auf der A3 in Franken direkt in den Himmel - nach Geiselwind. Hier wird getankt, gesungen, geschlachtet und gebetet. Zu Besuch auf Deutschlands größtem Autohof.

Autohof Strohofer

Eine Parkbank auf einem Berg, 500 Meter über dem fränkischen Örtchen Geiselwind. Von hier aus hat man einen guten Blick auf das Imperium der Familie Strohofer. Es liegt direkt neben der Autobahn 3 und umfasst eine Fläche von 50 Hektar: Eine Kirche, die 24 Stunden am Tag geöffnet hat; eine Konzerthalle mit 1500 Plätzen, in der schon Johnny Cash spielte; eine Konzerthalle mit drei mal so vielen Plätzen; eine Tankstelle, an der pro Jahr 20 Millionen Liter Kraftstoff gezapft werden; eine Wirtschaft, in der pro Jahr 30.000 Schnitzel verputzt werden.

Der Schlagersänger Gunter Gabriel hat diesem Ort eine Hymne gesungen: Geiselwind, Geiselwind / der Himmel beginnt in Geiselwind / da, wo die Trucker zu Hause sind

Diesen Himmel haben die Strohofers erschaffen. Ihnen gehört Deutschlands größter Autohof.

Es geht um Sicherheit und Schnitzel

Manfred Strohofer mag das Wort Autohof nicht. "Wir sind ein Erlebnisrasthof", sagt der 53-Jährige. Er ist einer der Geschäftsführer des Imperiums und Schwiegersohn des Patriarchen Anton "Toni" Strohofer. Der heute 75-Jährige Toni eröffnete den Autohof 1981 mit seiner Frau Herlinde. Außerdem in der Geschäftsführung sitzen Manfred Strohofers Frau Ruth, deren Schwester Manuela und die Enkel Isabella und Moritz. "Insgesamt sind es 18 Enkel und 5 Urenkel", sagt Manfred Strohofer. Und 160 Angestellte.

Manfred Strohofer trägt eine randlose Brille und Dreitagebart, seine Haare sind grau. In seinem Mercedes gibt er eine Führung durch den Himmel. "Schauen Sie, hier haben wir unseren neuen Sportplatz mit Vereinsheim. Ideal für Trainingslager von Fußballmannschaften." Es geht vorbei am Hotel mit 220 Betten und Fitnessclub, zur großen Konzerthalle, in die bis zu 5000 Menschen passen und zur etwas kleineren Music Hall. 120 Veranstaltungen gibt es auf dem Autohof Geiselwind pro Jahr - beim Trucker- und Country-Festival und bei der Street-Mag-Show versammeln sich mehr als 20.000 Besucher neben der A3.

Manfred Strohofers Schwiegervater Anton wuchs auf einem Bauernhof auf, der unweit des heutigen "Erlebnisrasthofs" stand. Schweine und Hühner wurden dort gezüchtet. Heute betreibt die Familie eine eigene Schlachterei, um die hungrige Stammkundschaft zu versorgen: Etwa 400 Trucker verbringen die Nacht auf dem Autohof. Auch Fernfahrer Ronald aus Holland. Ein gewaltiger Typ mit Badelatschen, Trainingshose und Reisetasche. "Die Dusche tat schon mal gut", sagt er, "jetzt brauch ich was im Magen. Die Schnitzel sind super hier. Immer ordentlich auf den Teller." Der Mann ist im Himmel. "Unsere Trucker wollen anständigen Service, Sicherheit in der Nacht und nicht zuletzt gescheites Essen", sagt Manfred Strohofer.

"Es kommen viele Leute mit Sorgen, ich stehe ihnen zur Seite"

Die Schnitzel und Konzertveranstaltungen rentieren sich - Kerngeschäft auf dem Autohof Geiselwind ist aber das Tanken: Mehr als 20 Millionen Liter Kraftstoff fließen pro Jahr durch die 50 Zapfschläuche der beiden Tankstellen. "Wir sind Eigentümer und verkaufen im Namen von Shell und Total", sagt Manfred Strohofer. Dann steuert er seinen Mercedes wieder in die Garage, er muss zurück an den Schreibtisch. Im Himmel herrscht selten Ruhe - besinnlich ist es in Geiselwind nur in der Autobahnkirche.

Toni Strohofer hat sie 2001 bauen lassen, seine Tochter Manuela leitet die Gottesdienste. Zu den möglichen Erlebnissen auf dem "Erlebnisrasthof" zählen auch Taufen, Gottesdienste, Hochzeiten und Beerdigungen. Gunter Gabriel will sich hier eines Tages begraben lassen. "Es kommen viele Leute mit Sorgen, und ich stehe ihnen zur Seite", sagt Manuela Strohofer. Sie habe für jeden ein offenes Ohr - und eine rote Streichholzschachtel mit vier Zündhölzern und vier Kerzchen darin. "Ein Licht auf meinem Weg - Autobahnkirche Geiselwind" ist darauf zu lesen.

Draußen, auf der A3, rollen täglich tausende Fahrzeuge vorbei. In einem Radiointerview hat Anton Strohofer die Autobahn mal als "notwendiges Übel" bezeichnet. Er habe sie als eine "Lebensader" betrachtet, die man sich zu Nutzen machen könne. Das hat er getan. An der Lebensader hat er sein Lebenswerk geschaffen, und seine Familie führt es mit ihm fort.

Vor kurzem ist neben den 50 Zapfsäulen eine Tankstelle für Brennstoffzellenautos eingeweiht worden. Jetzt gibt es im Himmel auch Wasserstoff.



insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
teekay1 27.05.2015
1. Wasserstoff bekommt eigenen Absatz, Supercharger werden totgeschwiegen
Ich wette, am ersten Tag am Supercharger kamen schon mehr Ladevorgänge zusammen als seit der Eröffnung Tankvorgänge an der Wasserstoff-Zapfsäule...
rudi.waurich 27.05.2015
2. Wer hätte
das gedacht, der Strohofer Toni bei SPON. Man darf da übrigens auch gerne mit dem Pkw anhalten. Was nicht erwähnt wurde - das ist ein für die Region wichtiger Ausbildungsbetrieb!
chuckal 27.05.2015
3. Himmel?
Das kann man aber nur sagen, wenn man da noch nie war. Autobahntypisch überteuertes Essen in mieser Qualität und unfreundliches Personal. Die armen Trucker, die da ausgenommen werden. Über Prostitution steht in dem Artikel nichts.
Eppelein von Gailingen 27.05.2015
4. Was uns die Werbung alles für überdrehte Verlogenheiten aufhalst
Autobahntankstellen kennt man nur vom Vorbeifahren. Mir käme nie in den Sinn dort zu tanken oder gar etwas zu essen, wie diese hoch gelobten Schweineschnitzel. In der Regel ist die Gastronomie an Autobahn Raststätten eine Katastrophe. Alles ist überteuert, dass die Schwarte kracht. So viel Zeit muss sein, wenn der Tank wirklich leer wird, weil man vom Süden nach dem Norden fährt, gibt es immer in der Nähe großer Ausfahrten Tankstellen mit Schnäppchenpreis. Bevor der Hunger ein Loch in die Magenwand frisst, gibt es bei der Gelegenheit auch einen abseits gelegenen Gasthof, wo man zu normalem Preis und gutem Service isst. Der Bänkelsänger Gabriel ist sowieso ein Dampfplauderer. Wie viel hat er vom Strohofer in seine Ebbe kassiert für sein triefendes Lob?
colinchapman 27.05.2015
5. kein Himmel auf Erden
Das Gelände ist nicht wirklich gepflegt, das Essen ist überteuert, die prolligen Events dort sind noch weiter überteuert, und mit Enbruch der Dunkelheit verwandelt sich das Gelände in eine Art Straßenstrich für Trucker. Nur die Autobahnkirche dort ist einen Stop wert, ansonsten halte ich es dort beim Tanken so wie die Trucker mit den nächtlichen Bordsteinschwalben: schnell rein und schnell wieder raus.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.