Goodwood Revival Wo Autos und Millionäre durchdrehen

Jedes Jahr im September liefern sich Besitzer der wertvollsten und schnellsten Oldtimer der Welt ein Rennen in Südengland: Beim Goodwood Revival geben die Fahrer Vollgas - das geht nicht immer gut aus.

BMW Group Classic / Gudrun Muschalla

Von Fabian Hoberg


Tür an Tür donnern die Ferrari-Sportwagen an den Zuschauern vorbei, bremsen kurz vor der Schikane ab und zwängen sich dann durch die enge Rechtskurve. Ein Reifen touchiert das Gras, schleudert Dreck auf. Für die Piloten kein Problem - sie geben weiter Gas.

Die Kinrara Trophy des Goodwood Revivals ist vermutlich das exklusivste Autorennen der Welt. Am Start stehen die teuersten Sportwagen, die älter als Baujahr 1963 sind: Aston Martin, Maserati, Austin Healey und AC Cobra. Dazu kommen zehn Ferrari 250 GT SWB und ein 250 GTO - ein Auto dieses Typs wurde vor wenigen Wochen für 48,4 Millionen Euro versteigert. Allein die Fahrzeuge im Teilnehmerfeld dieses Rennens besitzen einen Wert von mehr als 800 Millionen Euro, insgesamt gibt es 15 Wettkämpfe in Goodwood.

Versteigerung eines Ferrari 250 GTO - der Wagen brachte 48,4 Millionen Euro ein:

RM Sotheby´s

Doch trotz der Seltenheit schonen die Fahrer die Autos nicht. Schon beim Start rutscht ein Jaguar E-Type einem Ferrari ins Heck, ein Aston Martin DB4 fliegt bei einem Positionskampf von der Strecke, dreht sich ein paar Mal, bevor er auf dem Rasen zum Stehen kommt. Die Rennen dauern zwischen 20 und 60 Minuten, geschenkt wird den Fahrern nichts. "Es ist schön, diese seltenen und wertvollen Autos in richtiger Aktion zu sehen - dafür wurden die Rennwagen schließlich auch gebaut", sagt Frank Wilke, Oldtimer-Experte und Geschäftsführer von Classic Analytics, ein Unternehmen zur Marktbeobachtung und Bewertung von Oldtimern. Für ihn ist die Kinrara Trophy und das Goodwood Revival ein Pflichttermin.

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Goodwood Revival: Rennen der Blechträume

Seit 20 Jahren veranstaltet der heutige Duke of Richmond das Rennen für historische Fahrzeuge im Süden Englands; die Strecke ist viel älter. Den sogenannten Goodwood Motor Circuit entwickelte der neunte Duke auf Richmond, besser bekannt als Freddie March. Aus einem alten Militärflughafen wurde eine Rennbahn, im September 1948 senkte sich die erste Startflagge für die Sportwagen. In den darauffolgenden Jahren saßen in Goodwood alle damaligen Spitzenfahrer hinterm Lenkrad, von Juan Manuel Fangio und Stirling Moss in den Fünfzigerjahren, bis zu Jim Clark und Graham Hill in den Sechzigerjahren. Im Sommer 1966 war Schluss, weil der Duke befürchtete, dass die damals aktuellen Rennwagen zu schnell für seine Strecke seien.

"Die schenken sich auf der Strecke nichts"

Freddie Marchs Enkel, vormals Lord March, heute der aktuelle Duke, restaurierte die 2,38 Meilen lange Strecke (knapp vier Kilometer) mit den sieben Kurven gründlich, fügte Sicherheitsstandards wie Auslaufzonen hinzu und eröffnete den Kurs im September 1998 wieder. Seitdem pilgern jedes Jahr rund 200.000 Besucher an einem Wochenende im September auf das Gelände von Goodwood House, dem Landsitz des Duke of Richmond. Gestartet wird in 15 Rennen in unterschiedlichen Klassen. Piloten wie Derek Bell, Jochen Mass, Romain Dumas, Freddie Spencer, Steve Parris, Emanuele Pirro treten gegen Hobbyfahrer an.

Sebastian Gutsch aus München fährt seit 2005 zum Goodwood Revival, im Transporter immer sein Motorrad von 1937, eine BMW R5. "Goodwood ist das beste historische Rennen der Welt. Auf den tollen und schnellen Maschinen sitzen aktuelle Profis und alte Hasen, die schenken sich auf der Strecke nichts", sagt der Rechtsanwalt aus München. Außerdem begeistert ihn der Hochgeschwindigkeitskurs: "Du musst von Anfang an den Speed halten, sonst verlierst du den Anschluss. Der Schnellste gewinnt hier, nicht das schönste Fahrzeug". So fährt der zweimalige Superbike-Weltmeister Troy Corser mit einer 75 PS starken BMW R 57 Kompressor von 1928 mit über 210 km/h auf der Strecke, jagt die anderen Maschinen der legendären Marken Norton, Rudge, Matchless und Triumph.

Der eigentliche Höhepunkt sind aber nicht die Rennen, sondern die Show auf dem Gelände. Die meisten Besucher tragen zeitgenössische Kleidung wie Tweed, Knickerbocker und Schirmmützen. Frauen in Petticoats, Armeeanzügen oder Arbeiterhosen der Fünfzigerjahre schlendern über den Rasen, Familien und Cliquen picknicken dort. Kinder können in historischen Tretautos um die Wette fahren, das Finale zählt zum Rahmenprogramm - auf einem Teilstück der Rennstrecke. Shops und Essensstände in der Optik von vor 70 Jahren wirken wie eine Filmkulisse. Es ist eine Reise in vergangene Zeiten - als Verbrennungsmotoren noch als zukunftsträchtig galten.

Ein acht Millionen teurer Sportwagen ging provisorisch repariert an den Start

Historische Jagdflugzeuge vom Typ Spitfire oder Hurricane der Royal Air Force (RAF) knattern morgens im Formationsflug über die Rennstrecke. Ein Freilichtkino zeigt Filmklassiker und das Versteigerungshaus Bonhams verkauft daneben ein paar wertvolle Oldtimer. Sponsoren wie BMW oder Porsche halten sich vornehm zurück, zeigen nur alte Fahrzeuge im Stil der damaligen Zeit - parkend und frisch poliert.

Für Jason Yates die falsche Art, ein Auto zu zeigen. Der Fahrer des Ferrari 500 TRC von 1957 touchierte am Freitagnachmittag bei einem Rennen einen Reifenstapel und zerstörte die Front des rund acht Millionen teuren Sportwagens. Einen Tag später ging er mit dem provisorisch reparierten Auto auf die Strecke. Und gab Vollgas.



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donrencos 12.09.2018
1. Beste Oldtimerveranstaltung überhaupt!
War dieses Jahr zum 6 mal vor Ort - die beste Veranstaltung (höchstens die Mille Miglia kommt dem nahe). Rennen der Extraklasse, sowas gibt es bei keiner Veranstaltung - und vor alle,: extrem spannende Rennen Rad an Rad. Auch das Programm drumherum ist mehr als sehenswert. Das ganze lebt auch von den Besuchern - gefühlt 95% der Leute kommen in periodengerechter Kleidung. Bei uns unvorstellbar. Alleine ein Rundgang über den Besucherparkplatz bietet mehr klassische Fahrzeuge als auf jedem Oldtimertreffen in Deutschland. Und den Engländer stört auch das Wetter nicht - ein historischer Rolls Royce oder Jaguar kann auch über eine verschlammte Wiese fahren und dreckig werden - bei uns undenkbar :-) Freue mich schon aufs nächste Jahr
Yves Martin 12.09.2018
2.
Ein herrlicher Kontrapunkt zu den ganzen Bedenkenträgern und Umwelt-Hysterikern von heute, die in allem, was anderen Menschen Spass macht, vor allem Gefahren und Schäden für irgendetwas sehen wollen. Da ist "Benzin zum Spass verbrennen eine Reminiszenz an eine Zeit, an der die Welt zwar sicher ärmer, aber auf eine wunderbare Weise "mehr in Ordnung" war als heute. Ich hoffe, ich finde in den nächsten Jahren mal die Zeit, an diesem Event teilzunehmen. Am liebsten mit stilechter Anreise in der JU52.
J.Simon 12.09.2018
3.
Zitat von Yves MartinEin herrlicher Kontrapunkt zu den ganzen Bedenkenträgern und Umwelt-Hysterikern von heute, die in allem, was anderen Menschen Spass macht, vor allem Gefahren und Schäden für irgendetwas sehen wollen. Da ist "Benzin zum Spass verbrennen eine Reminiszenz an eine Zeit, an der die Welt zwar sicher ärmer, aber auf eine wunderbare Weise "mehr in Ordnung" war als heute. Ich hoffe, ich finde in den nächsten Jahren mal die Zeit, an diesem Event teilzunehmen. Am liebsten mit stilechter Anreise in der JU52.
..was hat das mit dem Thema zu tun? Irgendwelche fehlgeleiteten Reflexe? Ich besuche solche Veranstaltungen - quasi "dienstlich" - regelmäßig und bin immer noch begeistert. Umwelt-Hysteriker (was ist das überhaupt) mit Demonstrationsplakaten habe ich auf solchen Events noch nie gesehen. Die Dinger sind ständig ausgebucht und schon lange kein Eyecatcher mehr.
Yves Martin 12.09.2018
4.
Zitat von J.Simon..was hat das mit dem Thema zu tun? Irgendwelche fehlgeleiteten Reflexe? Ich besuche solche Veranstaltungen - quasi "dienstlich" - regelmäßig und bin immer noch begeistert. Umwelt-Hysteriker (was ist das überhaupt) mit Demonstrationsplakaten habe ich auf solchen Events noch nie gesehen. Die Dinger sind ständig ausgebucht und schon lange kein Eyecatcher mehr.
Nicht alles, was Sie nicht sehen, findet deshalb nicht statt. Hier beispielsweise ein Foto von der Messe "Grand Basel" am vergangenen Wochenende - und ein paar "Aktivisten", die es für sinnvoll hielten, die Oldtimer anderer Leute als "Müll" zu bezeichnen. (http://www.directupload.net/file/d/5208/egoxdkm7_jpg.htm) Ich habe in und mit den alten Autos jedenfalls garantiert mehr Spass als die Hysteriker, die sich darüber erregen.
J.Simon 13.09.2018
5.
Zitat von Yves MartinNicht alles, was Sie nicht sehen, findet deshalb nicht statt. Hier beispielsweise ein Foto von der Messe "Grand Basel" am vergangenen Wochenende - und ein paar "Aktivisten", die es für sinnvoll hielten, die Oldtimer anderer Leute als "Müll" zu bezeichnen. (http://www.directupload.net/file/d/5208/egoxdkm7_jpg.htm) Ich habe in und mit den alten Autos jedenfalls garantiert mehr Spass als die Hysteriker, die sich darüber erregen.
...ja und? Muß man deswegen das eigene Hobby ebenfalls zu einer "Ideologie" erheben, nur weil ein paar - ebenfalls reflexiv fehlgeleitete - "Aktivisten" meinen, sie müßten ein Transparentchen hochhalten? Jeder andere Besitzer realer Oldtimer hat für solche Eskapaden nur ein müdes Lächeln übrig. Ich übrigens auch. So etwas übersehe ich während meiner nebenberuflichen, journalistischen Arbeit einfach. Leben und leben lassen.
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