Gran-Turismo-Mastermind Yamauchi "Mein erster Blick gilt dem Lenkrad"

Er gibt nicht nur auf der virtuellen Rennstrecke gerne Vollgas: Computerspielentwickler Kazunori Yamauchi liebt schnelle Sportwagen. Mit SPIEGEL ONLINE sprach er über seine Lieblingsmodelle, Gran Turismo 5 und das Tempolimit auf Japans Autobahnen.


SPIEGEL ONLINE: Herr Yamauchi, waren Sie schon immer ein Autonarr?

Kazunori Yamauchi: Nun - meine Eltern sagen, dass ich mit drei Jahren ganz begeistert auf Autos gezeigt habe, wo immer ich eines gesehen habe. In der Schule gehörte ich dann zu den Jungs, die alle Automarken und -typen schon aus der Entfernung erkennen konnten. Manchen Mitschülern war das nicht geheuer.

SPIEGEL ONLINE: Was muss Ihnen dann erst der erste Tag in der Fahrschule bedeutet haben! Yamauchi: Den werde ich nie vergessen. Meine erste Fahrstunde nahm ich in einem alten Toyota Corolla. Der Fahrlehrer war recht freundlich, ich war allerdings weder ein besonders guter oder schlechter Autofahrer. Das entwickelte sich erst später.

SPIEGEL ONLINE: Heute haben Sie Zugang zu den teuersten, schnellsten und exklusivsten Autos. Worauf achten Sie zuerst, wenn Sie ins Cockpit steigen?

Yamauchi: Mein erster Blick gilt immer dem Lenkrad und dem Gefühl bei den ersten Lenkbewegungen. Das entscheidet meistens, ob ich mich für das Auto interessiere.

SPIEGEL ONLINE: Gab es Autos, die Ihnen Grenzen aufgezeigt haben?

Yamauchi: Ja, besonders mein Honda S2000. Der hat mir schon oft bewiesen, dass ich noch viel lernen muss.

SPIEGEL ONLINE: In Gran Turismo 5 Prologue gibt es rund 70 Autos zur Auswahl, in der Vollversion im kommenden Jahr sollen es knapp 500 sein. Trotzdem ist das ja nur ein Bruchteil des Marktes. Wie treffen Sie die Auswahl?

Yamauchi: Entweder wollen wir selbst ein bestimmtes Auto im Spiel haben oder Autohersteller kontaktieren uns. Oder Fans haben einen Wunsch - wir werten ständig aus, nach welchen Autotypen gefragt wird. Das letzte Wort habe dann ich. Ich fahre übrigens selbst zu allen wichtigen Automessen, damit wir im fertigen Spiel möglichst viele interessante und aktuelle Fahrzeuge haben.

SPIEGEL ONLINE: Bekommen Sie Einblicke in die Fahrzeugentwicklung der großen Hersteller?

Yamauchi: Über die Jahre haben wir gute Kontakte aufgebaut. Es kommt schon mal vor, dass wir lange vor dem ersten öffentlichen Termin Bilder und Skizzen eines Wagens haben, den andere wesentlich später zu sehen bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Der teuerste Wagen im Spiel ist der Formel-1-Rennwagen von Ferrari 2007. Gibt es bald noch mehr F1-Flitzer?

Yamauchi: Wir würden gerne, aber schon der Ferrari hat uns sehr viel Arbeit gekostet. Die Physik ist bei diesem Wagen anders. Dazu kämen teure und langwierige Lizenzverhandlungen.

SPIEGEL ONLINE: Im Spiel haben Sie dem neuen Nissan GT-R eine Multifunktionsanzeige im Cockpit verpasst - jetzt findet sich dieses Display auch im echten GT-R wieder ...

Yamauchi: ... das war Zufall. Natürlich wollten wir den GT-R als Auto im Spiel. In den Verhandlungen fragte mich dann der RenaultNissan-Chef Carlos Ghosn, ob wir nicht das Display des Autos designen könnten. Das war eine gute Herausforderung. Wir wollen in Zukunft noch mehr in dieser Richtung machen.

SPIEGEL ONLINE: In Rennspielen wird immer mehr Wert auf realistische Modelle und Fahrphysik gelegt. Warum darf man dann immer noch keine Autos zu Schrott fahren?

Yamauchi: Wir versuchen, das Spiel ständig zu verbessern. Im Herbst gibt es ein großes Update mit besseren Online-Funktionen und der Möglichkeit, einen eigenen Club zu gründen - und auch ein Schadensmodell.

SPIEGEL ONLINE: Japan hat recht strikte Tempolimits. Wo probieren Sie denn Ihre Testwagen aus - auf einer eigenen Rennstrecke?

Yamauchi: Leider haben wir so etwas nicht. Aber es gibt noch andere Möglichkeiten ...

SPIEGEL ONLINE: Sie rasen doch nicht illegal?

Yamauchi: (lächelt) Auf den Autobahnringen rund um Tokio gibt es nachts kaum Kontrollen. Alle illegalen Rennen finden eher dort statt. Vielleicht sehen Sie an meinem Gesicht, dass ich nicht gerade traurig darüber bin.

Das Interview führte Gregor Wildermann.



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