Günstige Oldtimer - Renault 5 Der coolste Fünfer, seit es Autos gibt

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Renault 5.

Renault

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Renault 5

Überraschung unterm Weihnachtsbaum - ein R 5
Renault

Überraschung unterm Weihnachtsbaum - ein R 5

Allgemeines zum Modell: Mit dem Modell 5 bewies Renault ein gutes Gespür für die Zukunft. Als der Staatskonzern den Wagen Ende der Sechzigerjahre konzipierte, waren die Straßen in Frankreichs Städten - mit Ausnahme vielleicht von Paris - nur selten verstopft. Die Entwickler sahen die Verkehrsinfarkte aber schon kommen - und konterten mit einem Kleinwagen, der sich einerseits wendig durch die Innenstädte lenken lässt, andererseits einer vierköpfigen Familie Platz bietet, wenn alle etwas zusammenrücken.

Clevere Stadtautos wie den Mini oder den Fiat 500 gab es damals natürlich schon, doch der 1972 vorgestellte R 5 war alltagstauglicher als diese Zwerge. Der oft als Kleinwagen-Pionier gefeierte Audi 50 (Vorgänger des VW Polo) erschien zwei Jahre nach dem Franzosen. Die Technik des R 5 stammte größtenteils vom eher kantigen R 4, darunter auch die Krückstockschaltung. Erst später bekam der R 5 eine zeitgemäße, aber etwas hakelige Mittelschaltung.

Kein Wunder, dass der "kleine Freund" (Renault-Reklame) bald überall auf den Straßen zu sehen war: Die Motorisierung mit anfangs 36 und 44 PS war für das 800 Kilogramm leichte Auto völlig ausreichend, und mit seinem rundlichen Design und den süßen Scheinwerferaugen sah er auch noch schick aus. Mehr als 5,5 Millionen Exemplare der ersten Generation wurden gebaut. 1985 folgte dann als zweite Baureihe der "Supercinq". Unter der Haube saß wieder der sogenannte C-Motor - Renaults Allzweckwaffe, die schon im R 4, in der Dauphine und später sogar im Twingo zum Einsatz kam. Statt längs wie in der ersten R-5-Generation wurde das Aggregat jetzt quer verbaut.

Der R 5 war aber immer auch mehr als ein solides Alltagsauto - der Wagen hatte Glamour. Denn von keinem Kleinwagen gab es wohl so viele Sportversionen: Alpine, Alpine Turbo, GTE, GT Turbo und Turbo mit Breitbau und aufgeladenem Mittelmotor (der sogenannte Backenturbo, in dem kein Platz mehr für die Rückbank war).

Mit dem Renault-5-Cup wurde in den Achtzigerjahren sogar eine eigene Meisterschaft ausgetragen. Eine hochgezüchtete Version des R 5 fuhr zudem erfolgreich bei der Gruppe B mit, der wohl irrsten Rallye-Serie der Motorsportgeschichte.

Warum ausgerechnet der? Die Basismodelle des R 5 sind günstig und grundsolide. Weil nicht viel Technik verbaut ist, kann auch nicht viel kaputt gehen. Der 1,4-Liter-Basisbenziner ist ein genügsamer Dauerläufer, sofern man ihm ein Mindestmaß an Pflege und Wartung gönnt. In seiner Schlichtheit ist der Wagen außerdem praktisch - weil die Fenster groß und keine dicken Holme verbaut sind, ist die Rundumsicht hervorragend.

"Das ist ein Kleinwagen, in dem man garantiert keine Platzangst bekommt", findet Jörg Reiners vom Renault-5-Club Lingen im Emsland. Reiners besitzt insgesamt sieben R 5. Einer davon - ein Basismodell mit 58 PS - fährt er als Alltagsauto, auch im Winter.

Bei den Sportvarianten muss es nicht unbedingt der brachiale Backenturbo mit Breitbau, Mittelmotor und 160 PS sein. R5-Fan Reiners schwört auf seinen GT Turbo von 1985 - auf den ersten Blick noch einigermaßen zivil, bis man das Gaspedal durchdrückt: 115 PS bei einem Leergewicht von deutlich unter einer Tonne, 201 km/h Spitze. Basismodell hin oder her: "Die Sportmodelle machen einen natürlich schwach", sagt Reiners.

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Günstige Oldtimer - Renault 5: Cinq You

Verfügbarkeit: Dank der millionenfachen Fertigung ist das Angebot noch immer groß, vor allem bei den Basismodellen. Das erste Modell des R 5 wird sogar bis heute fast unverändert gebaut - in Iran, als Lizenzbau der Firma Saipa.

Schwieriger wird es bei der Suche nach den Sportvarianten. Alpine, GT Turbo oder GTE sind meist fest in Liebhaberhand. Wenn doch mal ein schneller R 5 für kleines Geld auf dem Markt auftaucht, handelt es sich meist um ein verschandeltes Tuning-Opfer. Wenn dann noch Wartungs- und Reparaturstau dazukommt, kann die Restauration eines Renault 5 teurer werden als die einer Mercedes S-Klasse.

Ersatzteilversorgung: Für die Basismodelle gibt es Ersatz in Hülle und Fülle. Vor allem gängige Verschleißteile bekommt man ohne große Probleme, auch Karosserie-Komponenten sind noch neu oder aus dem Zubehörhandel lieferbar. Schwieriger wird es bei den Sportmodellen. Insbesondere sportspezifische Teile wie Turbolader, Vergaser oder Auspuffkrümmer sind schwer zu bekommen. Das Gleiche gilt für spezielle Karosserieteile wie etwa verbreiterte Kotflügel oder Seitenteile. Hier hilft oft nur eine Recherche bei Klubs und in Foren.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsscheiben vorne: Basismodell ca. 45 Euro, GT Turbo ca. 120 Euro
  • Satz Bremsbeläge vorne: Basismodell ca. 20 Euro, GT Turbo ca. 50 Euro
  • Lichtmaschine: ca. 100 Euro
  • Kotflügel vorne: gebraucht ca. 50 Euro

Schwachstellen: Bei der ersten Generation des Renault 5 ist Rost ein großes Problem. Vor allem die Hinterachsaufnahmen sind dafür anfällig - wenn sie durchgefault sind, ist das wegen des immensen Reparaturaufwands praktisch schon ein K.-o.-Kriterium bei der Fahrzeugbesichtigung. Um solche Mängel zu erkennen, braucht man aber eine Hebebühne. Auch Schweller, Radläufe und der Rahmen im Motorraum (unbedingt das Blech unter der Batterie begutachten) gammeln leider gerne.

Bei der zweiten Generation ab 1985 ist die braune Pest nicht so verbreitet. Es gibt R 5 aus dieser Zeit, die trotz jahrelangen Betriebs - auch im Winter - bis heute ungeschweißt dastehen.

Preis: Es gibt wohl keinen anderen Klassiker, bei dem die Preisspanne so gewaltig auseinanderklafft wie beim Renault 5. Basismodelle in ordentlichem Zustand bekommt man mitunter schon für läppische 500 Euro, gültige HU-Plakette inklusive.

Die Sportmodelle sind dagegen deutlich teurer. Beim R 5 Turbo mit Mittelmotor gehen die Marktpreise ab etwa 40.000 Euro los, beim Turbo 1 der ersten Serie liegen sie bei stolzen 70.000 Euro. Da ist ein Turbo GT von 1985 mit 8000 Euro schon fast ein Schnäppchen. Aber auch hier ziehen die Preise langsam an.

Anlaufstellen im Internet:

Renault 5 Forum Renault 5 Turbo Forum Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
Sibylle1969 13.05.2017
1. In den 80ern
1985 war ich zum ersten Mal als Austauschschülerin in einer französischen Gastfamilie. Die hatte als Familienauto genau diesen R5. In Deutschland fuhr man zu dieser Zeit im Schnitt größere und teurere Autos, ein Renault 5 wäre da niemals ein Familienauto gewesen, sondern vielleicht ein Zweitwagen. Aber die Franzosen waren da weniger autobesessen als die Deutschen und gaben ihr Geld lieber für andere Dinge aus. Das fand ich schon in den 80er Jahren sympathisch.
hadwerker 13.05.2017
2. Tolles Auto
In unserer Familie gab es einige 5er. 1400ccm , 58 Ps und 780 kg. Da konntr man auch stärkere ein wenig ärgern. Und mit der Familie in Urlaub war kein Problem. Heutzutage wird rumgeheult, wenn man nich mindestens eine Riesenkiste vor der Tür stehn hat. Der R 5 hatte eigentlich alles, was nötig war um mobile zu sein.
MatthiasPetersbach 13.05.2017
3. nun ja...
"unzeitgemäße Krückstockschaltung"? Ich hab da jetzt nicht alle Attribute im Kopf - aber die Krückstockschaltung mit versetztem H war (beim R4) m.A. nach eines dieser technischen Dinge, die sich gegen das Schlechtere nicht durchsetzen konnten und uns zu Unrecht verlassen haben. 2. und 3. Gang genau gegenüber - mit einer Bewegung zu schalten. Und OBENLIEGEND - d.h. völlig freier Fußraum. In Zeiten, in denen "dank" der Mittelkonsole der Fußraum so eng ist wie in nem Kleinstflugzeug, kaum mehr vorstellbar.
realistico 13.05.2017
4. Cabrioversion
Schade, dass weder im Text noch bei den Bildern zumindest mal am Rande die Cabrio-Version erwähnt/gezeigt wird. Diese waren nämlich für die damaligen Verhältnisse Mitte/Ende der 80er optisch sehr ansprechend und vor allem bei der "typischen Zahnarztgattin" sehr beliebt.
Max Dralle 13.05.2017
5.
Ein R5 der ersten Generation gehörte in der Tat mit zu den ersten Objekten, die für mich in Frage kämen, wenn ich in mein bislang nur theoretisch gepflegtes Hobby praktisch einsteigen wollte. Außen für seine Zeit überaus modern und in manchen Punkten sicherlich auch wegweisend, unterm Blech aber noch die zum Teil recht eigenwillige Technik der 60er-Jahre-Renault, wie sie sich z.B. im "Frontmittelmotor" und dem je nach Wagenseite unterschiedlichen Radstand zeigt. Insgesamt eine sehr interessante Mischung.
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