Hanomag A-L 28: Auf Achse mit dem Eisbrecher

Den Sprung ins Abenteuer wagten die SPIEGEL-ONLINE-Leser Patrick Fuchs und Verena Renneberg vor gut einem Jahr: Seitdem fahren sie in ihrem Hanomag A-L 28 von Berlin Richtung Kapstadt. Der robuste Allradler ist nicht schnell, aber er bringt sie überall in Kontakt mit den Einheimischen.

Hanomag AL 28, Baujahr 1968: Rollen und Chillen Fotos
Verena Renneberg / Patrick Fuchs

Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichten Patrick Fuchs und Verena Renneberg über das Leben mit ihrem Hanomag A-L 28, Baujahr 1968 .

Offiziell "geboren" wurde unser Hanomag A-L 28 am 24.01.1968. Bis 1992 leistete er seinen Dienst beim Technischen Hilfswerk Köln. Dem hat er auch seine schöne blaue Farbe zu verdanken. Anschließend ging er an einen Privatbesitzer, der ihn zum Wohnmobil umfunktionierte. Der Hanomag ist mit 4600 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht ein wahres Schwergewicht, sein Dieselmotor mit einem Hubraum von 2,8 Liter leistet 70 PS.

Während der Planung für unser Afrika-Abenteuer, das uns von unserer Wahlheimat Berlin nach Südafrika führen sollte, stöberten wir den Hanomag im Internet auf. Sofort griffen wir zu, denn so ein Allrad-LKW ist selten geworden. In den Siebziger Jahren galt er noch als das Expeditionsmobil schlechthin, mittlerweile ist er den meisten Globetrottern zu langsam.

Wir hatten schon länger mit dem Kauf eines Hanomags geliebäugelt, denn er kostet für einen Allradler relativ wenig. Außerdem ist das Fahrzeug sehr robust und ohne technischen Schnickschnack, so dass man die meisten Defekte mit etwas Geschick selbst reparieren kann.

Viel Zeit für Land und Leute

Mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h passt der LKW perfekt zu unserem Reisemotto: Wir wollen uns die Zeit nehmen, uns auf das jeweilige Land und seine Menschen einzulassen. Deswegen ist unsere Reise auch eine Open-End-Unternehmung. Da der vorhandene Ausbau unseren Anforderungen für eine Afrikareise nicht genügte, haben wir ihn eigenhändig umgestaltet. Jetzt verfügen wir noch über Küche, Dusche, Toilette und Doppelbett. Den Strom liefert ein Solarmodul auf dem Dach. Als besonders praktisch für Safaris entpuppte sich die ehemalige Schießluke im Führerhaus; sie eignet sich prima als Ausguck für Fotos.

Ende August 2010 haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht, unsere Wohnungen aufgegeben, fast alle unsere Sachen verkauft und sind ins Abenteuer Afrika gestartet. Leider verlief der Reiseauftakt dann doch nicht so reibungslos wie erhofft. Bereits in Ungarn strandeten wir mit Motorproblemen. Erst war der Kühler kaputt, und nach dessen Austausch fanden wir Wasser im Öl. Es stellte sich heraus, dass der gusseiserne Zylinderkopf mehrere Risse hatte. Dennoch ließen wir uns nicht entmutigen. Da es viele Hanomag-Liebhaber gibt, konnten wir über ein Forum schnell einen neuen Zylinderkopf auftreiben.

Nun sind wir schon ein Jahr auf Achse, haben zwölf Länder bereist und über 19.000 Kilometer hinter uns gebracht. Seit Ungarn schlägt sich der Hanomag durch Flüsse, Matsch und Sand, und es gab nur drei kleine technische Probleme, die im Handumdrehen gelöst werden konnten.

Definitiv das richtige Gefährt

Wir sind inzwischen sicher, dass wir mit unserem Expeditionsmobil die richtige Wahl getroffen haben. In den Bergen braucht man wirklich Geduld, vor allem im äthiopischen Hochland hatten wir richtig Muße, die Landschaft zu genießen - bei 7 km/h.

Und der Hanomag hat noch eine unerwartete positive Seite: Auf sozialer Ebene fungiert er wie ein Eisbrecher. Viele Menschen auf unserer Tour hätten wir ohne ihn nicht kennengelernt. So kamen wir im Sudan mit Lkw-Fahrern ins Gespräch, die nicht glauben wollten, dass Deutsche mit einem älteren Fahrzeug als sie selbst unterwegs sind. Einer der LKW-Beifahrer konnte ein paar Worte englisch, mit den anderen haben wir uns mit Gesten verständigt.

Prompt luden sie uns zu einem echt sudanesischen Abendessen ein. Es gab einen Fleischeintopf (mit Kartoffeln und Tomaten). Interessant ist, dass nicht mit Messern und Gabeln gegessen wird. Stattdessen dient Fladenbrot als eine Art Löffel. Davon reisst jeder immer ein Stück ab und tunkt es in die gemeinsame Schüssel mit dem Eintopf. Das war sehr lecker, und so etwas haben wir auch in keinem Restaurant bekommen.

Nach dem Essen wurde für alle Chai (arabischer Schwarztee mit Milch) gereicht. Insgesamt wurde viel gelacht. Zum Abschied haben wir ein Foto gemacht, es gleich ausgedruckt und allen eins geschenkt. Da haben sie sich sehr gefreut. Als wir ihnen von unserer Website erzählten, holte einer gleich sein Handy hervor und schaute sie sich an.

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1.
Layer_8 20.11.2011
Zitat von sysopDen Sprung ins Abenteuer wagten die SPIEGEL-ONLINE-Leser Patrick Fuchs und Verena Renneberg vor gut einem Jahr: Seitdem fahren sie in ihrem Hanomag A-L 28 von Berlin Richtung Kapstadt. Der robuste Allradler*ist nicht schnell, aber er bringt sie überall in Kontakt mit den Einheimischen. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,793067,00.html
Es kann auch noch bescheidener gehen. Vor vielen Jahren, es war einmal, bin ich zusammen mit meiner damaligen Lebensgefährtin in einem Citroen 2CV aka 'Ente' nach Indien gefahren. Das iranische Transitvisum dafür haben wir wohl nur deswegen bekommen, weil wir deutsche Staatsbürger waren, keine Amis oder Engländer * oh schöne Studentenzeit, sie kommt nie wieder * seufz
2. Hanomag
stevowitsch 20.11.2011
Ja ja, der Hanomag... Tour nach dem Abi 1985 zu viert, Ziel Algerien. Wir sind nur bis Sevilla gekommen, dann ging wegen kaputter Kupplung nichts mehr. Gemütlichkeit des Reisens, und ein Dutzend Anhalter, die sich mit Edding auf der Hülle verewigten. Poesiealbum mit Allrad. Alles immer noch ungeheuer präsent, und ein "Eisbrecher" war das Urviech weisgott. Ja ja.... Und Kapstadt ist immer eine Reise wert. Aber über Ungarn? Wie war denn die Route?
3. Das Gute und Alte bewahren und Langsamkeit inkaufnehmen
sukowsky 20.11.2011
Das Gute und Alte bewahren und Langsamkeit inkaufnehmen. Herzliche Glückwunsch und weiterhin gute Reise!
4. :)
glücklicher südtiroler 20.11.2011
Zitat von sysopDen Sprung ins Abenteuer wagten die SPIEGEL-ONLINE-Leser Patrick Fuchs und Verena Renneberg vor gut einem Jahr: Seitdem fahren sie in ihrem Hanomag A-L 28 von Berlin Richtung Kapstadt. Der robuste Allradler*ist nicht schnell, aber er bringt sie überall in Kontakt mit den Einheimischen. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,793067,00.html
Danke für den sehr schönen Artikel. In Südtirol war der Hanomag ob seiner Geländegängigkeit und Robustheit ein sehr geschätztes Gefährt. Damals als Zeit noch eine geringere Rolle spielte. Heute wäre das Gerät leider zu langsam. ;( Es gibt aber viele Liebhaber und man findet genug Teile... Viele Grüße...
5. kein Titel
Sebb_81 20.11.2011
Mal so ein altes Gefährt benutzen, besser gesagt beherrschen lernen, tut in der heutigen Zeit wirklich gut. Es entschleunigt wunderbar, wenn man damit ohne Zeitdruck und Hetze von A nach B fahren kann. Ich mache das mit meinem Oldtimer mehrmals im Jahr, dafür aber nicht so weit :) Dem Langstrecken Hanomag wünsche ich das er bis ans Ende durchhält und auch wieder mit zurück kommt.
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Markus Gölzer
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