Faszination Harley Davidson Der Urknall

Für viele Menschen sind die Motorräder von Harley Davidson ein Traum. Matthias Korte hat ihn sich gleich 29-mal erfüllt. Hier spricht der Harley-Sammler über seine Schätze, preistreibende Vorbesitzer - und erklärt, warum es kaum noch Glücksfunde gibt.

Maik Woell

Ein Interview von Peter Ilg


SPIEGEL ONLINE: Ihre Harley-Sammlung umfasst aktuell 29 Motorräder. Fahren Sie Ihre Maschinen eigentlich auch?

Korte: Es gibt zwei Kategorien von Sammlern: die einen stellen die Maschinen nur hin, die anderen wollen fahren. Ich will fahren, dafür werden Motorräder schließlich gebaut.

SPIEGEL ONLINE: Welches war Ihre erste Harley?

Korte: Meine erste Harley war eine Panhead. Die habe ich 1972 gekauft, gefahren, dann leider verkauft. Heute wäre sie ein schönes Objekt in meiner Sammlung, aber ich habe erst vor etwa 20 Jahren mit dem Sammeln angefangen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr wertvollster Schatz in der Sammlung?

Korte: Die 29JD von 1929, eine der seltensten Harleys überhaupt. Sie hat 29 PS und ist das erste Bike von Harley mit Vorderrad-Bremse. Von dieser Modellreihe wurden extrem wenig Exemplare gebaut - Harley schätzt die Anzahl auf 50 bis 70 Stück. Einzigartig macht dieses Motorrad zudem, dass es in Deutschland ausgeliefert wurde. Ich habe den Original Kfz-Brief. Es wurde 1928 als 1929er Modell nach Deutschland eingeführt, in Düsseldorf zugelassen, 1939 mit Hakenkreuz-Stempel abgemeldet und vom Besitzer eingemauert, damit es nicht im Krieg eingesetzt werden konnte.

ZUR PERSON
    Matthias Korte ist leidenschaftlicher Sammler von Harley-Davidson-Motorrädern. Er wurde als Jugendlicher durch den Film "Easy Rider" vom Chopper-Fieber gepackt. In seiner zwanzigjährigen Sammlerkarriere gingen rund 40 Harleys durch seine Hände. Er gilt in der Szene als Fachmann.
SPIEGEL ONLINE: Gibt es derartige Funde noch oft?

Korte: Die Zeit der Scheunenfunde ist vorbei. Ich besitze zwei. Die eine ist die Eingemauerte, entdeckt hatte sie ein Familienmitglied. Die zweite habe ich selbst aus einer Scheune geholt in der Nähe von Stuttgart. Heute findet man Sammlerstücke auf Motorradbörsen, im Internet und überwiegend im Herkunftsland Amerika. Doch auch dort wird das Angebot zunehmend spärlicher.

SPIEGEL ONLINE: Woher hatten Sie den Tipp mit der Maschine in der Nähe von Stuttgart?

Korte: Ich bin bekannt in der Szene. Leute wollen den maximalen Profit herausholen. Und der ist beim Experten wahrscheinlicher als beim Laien.

SPIEGEL ONLINE: Was fasziniert an der Marke Harley Davidson?

Korte: Eine Harley ist anders als andere Motorräder. Ihr Kult, das Design, der Motor, der Sound - das ist einzigartig. Wenn eine Harley an mir vorbeiblubbert, ist das für mich nicht Fortbewegung, sondern Ausdruck eines Lebensgefühls. Speziell die alten Maschinen haben extrem niedrige Leerlaufdrehzahlen. Wenn eine von denen auf dem Seitenständer steht und das Motorrad hin- und her vibriert, dann bekomme ich immer noch Gänsehaut. Das schafft kein anderes Motorrad.

SPIEGEL ONLINE: Für die Harley Davidson des Papstes wurde bei einer Auktion ein Sensationspreis erzielt, der sicherlich die Ausnahme in der Sammlerszene sein dürfte. Zu welchen Preisen werden welche Modelle gehandelt?

Korte: Das ist ganz unterschiedlich, der ideelle Wert ist aber ein entscheidender Faktor. Ich hab mir eine Captain America nachgebaut, das Bike, das Peter Fonda in "Easy Rider" fährt. Von den Originalen gab es zwei: Eine ist zerstört worden, die andere wurde gestohlen. Keiner weiß mehr, wo sie ist. Entsprechend gibt es heute nur noch Nachbauten, was bei diesem Modell aber nicht so ein Nachteil ist, durch den hohen Bekanntheitsgrad. Eine Repro-Captain-America im schlechten Zustand kostet um die 35.000 Euro, ein Spitzennachbau kann 50.000 Euro bringen. Meinen Nachbau hat Peter Fonda signiert, das hebt natürlich den Wert.

SPIEGEL ONLINE: Kann man diesen ideellen Wert beziffern?

Korte: Nein, nicht pauschal, nur von Fall zu Fall. Eine von Steve McQueen versteigerte WL erzielte einen Preis nahe des fünffachen Marktwertes. Steve McQueen, der Papst - oft zahlen die neuen Besitzer für den Namen des alten Besitzers mit.

SPIEGEL ONLINE: Und wie ist es bei Bikes ohne prominente Vorbesitzer?

Korte: Richtig wertbeständige Oldtimer sind Knuckleheads, insbesondere die frühen 1936er, die sehr selten sind. Die 1947er Knuckle ist auch eine gute Investition, obwohl sie in wesentlich größeren Stückzahlen gebaut wurde. Eine 36er liegt zwischen 60.000 und mehr als 100.000 Euro. Die 47er wird zwischen 40.000 und 70.000 Euro gehandelt. Ich habe beide Modelle, leider nicht im Originalzustand.

SPIEGEL ONLINE: Was unterscheidet ein Sammlermodell von einem anderen Bike: Muss es unverbastelt im Originalzustand sein? Sind bestimmte Dokumente oder Gutachten notwendig? Muss es ein bestimmtes Alter haben, eine ausgefallene Technik oder Optik oder Farbe?

Korte: Bei Harleys ist es schwierig, die Historie nachzuvollziehen. Viele Motorräder sind einfach stehen geblieben - nach dem Krieg, von GIs. Der Wert bestimmt sich in erster Linie nach der Originalität. Schutzbleche sind ganz wichtig, und es kommt darauf an, wie viele Schrauben original sind. Und wenn man Unterlagen und Dokumente hat, was bei Harleys nur selten der Fall ist, hebt das den Wert spürbar an. Ein originales Motorrad mit Originallack ist mehr wert als eine spitzenrestaurierte Maschine. Mein ältestes Fahrzeug ist ein Modell T, Baujahr 1918. Das Fahrzeug blieb nach dem ersten Weltkrieg an der Maginot-Linie in Frankreich in einem Militärsammellager stehen. Von dort wurde die Maschine zunächst nach Belgien, dann nach Österreich verkauft, bevor ich sie erworben habe. Sie ist die Einzige von allen meinen Stücken, die noch den Originallack trägt. Schon früher haben Harley-Besitzer ihre Maschinen nach ihrem Geschmack umlackiert und umgebaut. Deswegen sind Originalfahrzeuge höchst selten.

SPIEGEL ONLINE: Wie aufwendig ist deren Pflege?

Korte: Ja, natürlich mache ich das selbst. Da lass ich keinen anderen ran. Man muss die Motorräder abschmieren, Radnaben und Bremsanker zum Beispiel. Wenn die Maschine länger gestanden hat, aber vorher gefahren wurde, ist ein Ölwechsel fällig. Ansonsten sind Harleys recht wartungsarm, wenn man seine Arbeiten richtig macht. Dazu gehören regelmäßig Kontakte überprüfen und im Winter das Benzin ablassen, dann funktionieren die Dinger immer.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie sich drei Maschinen aussuchen dürften, um welche Modelle würden Sie Ihre Sammlung bereichern?

Korte: Mich interessieren vor allem zwei: die frühen Einzylinder, aus den Anfangsjahren von Harley. Und die Achtventiler-Sporttrack-Rennmaschinen mit Two-Cammer-Motor. Geschätzt gibt's davon weltweit noch fünf Stück. Die Fahrzeuge hatten weder Bremsen, noch Getriebe. Ihr Sammlerwert liegt bei 200.000 Euro.

SPIEGEL ONLINE: Welches ist Ihr liebstes Modell in der Sammlung?

Korte:: Das ändert sich eigentlich ständig. Im Moment ist es eine Panhead mit Springer-Gabel, die den Chopper-Style der frühen sechziger Jahre ausdrückt. Die fahre ich zurzeit am liebsten, weil sie leicht ist im Handling. Mit deren Restauration und Aufbau bin ich 2013 fertig geworden.

Das Interview führte Peter Ilg



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Flying Rain 05.05.2014
1. Das tolle
An den alten HD's ist vor allem der Sound was bei den alten Modellen welche noch keine DB-Begrenzung im Schein haben zur Geltung kommt, auch wenn sie sich jetzt nicht gerade bequem fahren wenn man sie Beispielsweise mit einer NSU Super Max vergleicht...
UffTaTa2 05.05.2014
2. Opi Mottorräder
Heutzutage fahren doch nur noch Opas Harley-Davidson. Nix peinlicher als Opi wie er mit Schmerbauch von seiner "gepflegten" Harley von der Stange runterklettert. Peinliche Gestalten, der Porsche für Menschen mit verspäteter Midlifecrisis.
prosec 05.05.2014
3. das Lebensgefühl
Harley - ein Lebensgefühl, das man kaufen kann. Wenn man protzen, auf andere herab sehen, Mitmenschen nerven und sich für nen harten Macker halten toll findet, dann muss man dafür wohl 20.000+ ausgeben, is klar! Ich bin heilfroh, dass ich meine verkauft habe. Der letzte Augenöffner waren die Idioten, die zum Ansehen kamen... "Harley ist mein Leben", " für Harley würde ich alles tun ", " das wird ein Familienmitglied " waren noch die harmlosen Sprüche der glatzköpfigen Plautzenträger. Nur mit dem Kleingeld für das Moped war es dann immer schwierig... naja, irgend einer von den Deppen hat dann nen Kredit für seinen Traum ausgegeben, um O-Ton "jetzt endlich in der Oberliga zu spielen" und das wars für mich. Werde nie mehr verstehen wieso ich das Ding jemals gekauft habe. Und wie sich andere so daran begeistern können. An Motorrädern, die so individuell sind, dass Experten sie anhand der Form der Zylinderköpfe unter unterscheiden...
Überfünfzig, 05.05.2014
4. Einmal eine Stunde...
....auf einer Harley gefahren und für den Rest des Motorradlebens kuriert. Entweder man liebt und verehrt sie oder man hasst diese Dampfer aus Übersee, die für mich nicht wirklich was mit Motorradfahren gemein haben, wie ich es kenne.
walter_e._kurtz 05.05.2014
5. Harley-Davidson
zweite-Weltkriegs-Technik zum Kurs von Übermorgen. O.K., immerhin verbauen sie mittlerweile Hydrostößel, ABS und LED-Rücklichter. Aber daß diese überteuerten Eisenhaufen wie geschnitten Brot gekauft werden, sagt viel über die Kundschaft aus. Richtig geil fand ich die Harley-Treiber, die zum Mopped-Treffen ihre "Schätzchen" auf dem Anhänger hinterm WoMo angekarrt haben! :-) Zugegeben, die historischen Harleys haben ihren Charme - das haben andere alte Moppeds aber auch.
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