Honda GB 500 Clubman: Kleiner Exot mit großer Fangemeinde

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Nicht nur alte Autos, sondern auch klassisch designte Motorräder haben zahlreiche Anhänger. Ein besonders schicken Retro-Vertreter stellte Honda bereits 1988 vor. Die GB 500 Clubman ist ein Café Racer und zitiert Design-Elemente aus den sechziger Jahren - und ist ein begehrtes Sammlerstück.

Honda GB 500 Clubman: Handlicher Flitzer Fotos
Veit Hengst

"Schickes Moped - für eine Honda" - solche Sprüche bekommt man als Fahrer der Honda GB 500 Clubman recht häufig zu hören. In der Tat fällt dieses Motorrad unter den Sportlern, Supermotos und Cruisern besonders auf. Optisch orientiert sich das Naked Bike an britischen Vorbildern wie etwa der Velocette Venom Thruxton und dem AJS 350 Boy Racer. Mit der Clubman wagte sich der japanische Hersteller an die Tradition der so genannten Café Racer der sechziger Jahre an.

Damals trafen sich die Motorrad-Gangs in den Cafés der Vororte der britischer Großstädte, etwa dem legendären Ace Cafe in London. Von dort aus unternahmen die Rocker ihre Motorradtouren auf umgebauten Maschinen - eben den Café Racern. Merkmale dieser Gattung sind zum Beispiel Stummellenker, Sitzhöcker und zurückgelegte Fußrasten. Diese Stilelement zitiert auch die Clubman.

Chrom als Magnet

Mit ihr hat es Honda Ende der achtziger Jahre geschafft, ein kleines Juwel auf die Straße zu schicken. Es kommt durchaus vor, dass einen Autofahrer oder andere Biker auf das Motorrad ansprechen. Ein Clubman-Besitzer berichtete von einem Erlebnis im Juli 2009 in einem Stau. Eine ehemalige GB-500-Fahrerin stürmte auf ihn zu und fragte, ob er jemanden kenne, der ein solches Modell verkaufen wolle. Sie habe das Naked Bike Anfang der neunziger Jahre selber gefahren, jedoch schnell wieder verkauft - jetzt bereue sie ihre Entscheidung und sehne sich wieder nach der Clubman.

Dass die Honda die Blicke auf sich zieht, könnte an dem vielen glänzenden Chrom und der Lackierung liegen. "Black green metallic" nannten die Japaner diese Farbe. Klingt geheimnisvoll und ist es auch ein bisschen. Denn je nach Einfall des Sonnenlichts und Betrachtungswinkel changiert der Lack zwischen den beiden namensgebenden Tönen. Im Zusammenspiel mit den verchromten Krümmern, dem funkelnden Auspuffendrohr und den Speichenfelgen entsteht ein positiver Eindruck bei Betrachter. Die Clubman wirkt nicht aggressiv, sondern vermittelt elegante und selbstbewusste Zurückhaltung.

Leiser Motor mit Wumms

Deutlich dezenter als das Aussehen ist der Motor. Aus 500 Kubikzentimetern schöpft der handliche Eintopf 38 PS und ein maximales Drehmoment von ebenfalls 38 Nm. Das ist nicht viel, aber bei einem Trockengewicht von rund 160 Kilogramm ausreichend für eine vom Hersteller angegebene Höchstgeschwindigkeit von rund 170 km/h. Der Motor ist außerdem angenehm leise, was zumindest die Bewohner in der Nachbarschaft freuen dürfte. Für manche Krad-Freunde könnte die Akustik sicher etwas knackiger sein, doch für die gibt es manchmal ein Extra. Denn die Clubman neigt beim Herunterschalten zu infernalischen Fehlzündungen - die einen Neuling und Passanten gehörig erschrecken können.

Erschreckend waren auch die Verkaufszahlen - zumindest für Honda. Denn die für den amerikanischen und japanischen Markt konzipierte Maschine floppte gänzlich. Die rund 6300 Exemplare, die Ende der achtziger Jahre bei den Händlern in den USA standen, waren totale Ladehüter. In Deutschland war die GB 500 ab 1992 erhältlich; bei den rund 1000 importierten Motorrädern handelte es sich um Restbestände aus Übersee. Deshalb liegen zum Teil bis zu drei Jahre zwischen der Produktion und dem Zeitpunkt der Erstzulassung in Deutschland. Trotz des Alters verkaufte Honda den Bock für recht happige 7760 Mark.

Schicker Abkömmling

Dafür bekam man ein Motorrad mit bewährter Technik, denn die Honda GB 500 Clubman ist ein technischer Zwilling der XBR 500, die auch in Deutschland erhältlich war. Von ihr erbte sie den Rahmen, Fahrwerk und den Motor. Um den Abgasbestimmung in den USA zu erfüllen, rüsteten die Japaner die Clubman mit einem System zur Reinigung der Emissionen aus.

Wer auf dem Höcker Platz nimmt, hat zwei Möglichkeiten die Maschine zu starten - entweder klassisch mit dem Kickstarter oder mittels E-Zündung. Die allerdings gilt als recht anfällig. Sollte man die Clubman mit Muskelkraft anwerfen müssen, funktioniert das meist bereits mit dem ersten Tritt. Einmal in Fahrt, bereitet die GB 500 reichlich Freude. Das Fahrwerk ist gut abgestimmt und der Hasardeur hat ein gutes Gefühl für die Beschaffenheit des Fahrbahnbelages. Muss er wegen eines Defekts an der Maschine schrauben, ist das kaum ein Problem. Weil Honda bei der Clubman - wie bei Motorrädern aus der Zeit meist üblich - recht simple Technik verbaut hat, sind einfache Reparatur rasch erledigt.

Eine Clubman auf dem Markt zu finden ist weniger leicht. Vor allem ist ein Kauf nicht gerade günstig. In einem Forum berichtete ein stolzer Besitzer, er habe sich das Teil im Frühjahr 2009 für 3000 Euro gekauft; mit einer Laufleistung von rund 8000 Meilen - und das bei einem Alter von mehr als 20 Jahren. Es ist davon auszugehen, dass die Preise für die Honda GB 500 Clubman weiter steigen könnten, denn sie ist ein kleiner Exot mit einer recht großen Fangemeinde.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
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1. kann einer SR 500 nicht das Wasser reichen!
kalauvo123 14.06.2010
mit dem Titel ist dann auch alles gesagt ....
2. Kommt drauf an, was man mag...
MacManiac 14.06.2010
Zitat von kalauvo123mit dem Titel ist dann auch alles gesagt ....
kann einer SR 500 nicht das Wasser reichen! Wer auf eine schlechtere Verarbeitung bei weniger Leistung steht, ist mit der SR500 ganz klar besser bedient. Wer nur ein weniger klassisches Aussehen wollte, nahm die SRX 600. Die war dafür schön teuer. Irgendwie waren Einzylinder für die Strasse damals nicht gefragt, deshalb floppten alle mehr oder weniger. Mein Wunsch wäre ein leichtes Alltags Strassenmotorrad einem schönen KTM Motor gewesen. Gab's aber nicht. Seit dem fahre ich BMW. Nicht leicht, aber OK.
3. Schicker als eine SR 500
Clintchenestelwoods 14.06.2010
Zitat von kalauvo123mit dem Titel ist dann auch alles gesagt ....
Sicher, die SR 500 ist auch ein Klassiker. Allerdings finde ich die Clubman schon schicker und vor allem exklusiver.
4. kein tittel
Gebetsmühle 14.06.2010
Zitat von sysopNicht nur alte Autos, sondern auch klassisch designte Motorräder haben zahlreiche Anhänger. Ein besonders schicken Retro-Vertreter stellte Honda bereits 1988 vor. Die GB 500 Clubman ist ein Café Racer und zitiert Design-Elemente aus den sechziger Jahren - und ist ein begehrtes Sammlerstück. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,641045,00.html
honda hat grad ein tor geschossen gegen kammerun
5. Cb1100
Wolf_68 14.06.2010
Zitat von sysopNicht nur alte Autos, sondern auch klassisch designte Motorräder haben zahlreiche Anhänger. Ein besonders schicken Retro-Vertreter stellte Honda bereits 1988 vor. Die GB 500 Clubman ist ein Café Racer und zitiert Design-Elemente aus den sechziger Jahren - und ist ein begehrtes Sammlerstück. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,641045,00.html
Eigentlich ein Grund mehr für Honda, die neue CB1100 zügig auch in Deutschland offiziell anzubieten.
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Klassiker-Info

Honda GB 500 Clubman

Bauzeit: 1988
Stückzahl: 6310
Motor: 499 ccm Einzylinder
Leistung: 38 PS
Spitze: 171 km/h
Preis: 7760 Mark

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