Honda NSX: Ferrari aus Fernost

Von Tom Grünweg

Supersportwagen aus Japan? Die lassen sich an einer Hand abzählen. Einer der spektakulärsten war der Honda NSX, der vor 20 Jahren debütierte. Die Produktion des Modells wurde 2005 eingestellt, doch nun gibt es Comeback-Gerüchte. SPIEGEL ONLINE ist das Auto nochmals gefahren.

Honda NSX: Keil ohne Fortüne Fotos
Tom Grünweg

Gern wurde der Wagen in knallrot bestellt. In diesem Fall sah das keilförmige Coupé, dessen Motor nicht zu überhören war, beinahe aus wie ein Ferrari. Erst beim zweiten Hingucken wurde klar: Es handelt sich um einen Honda NSX. Das hierzulande höchst seltene Modell war einer der wenigen Sportwagen aus Japan, die in der Liga von Lamborghini, Porsche und Ferrari mitmischten. Damals blieben die Verkaufszahlen weit hinter den Erwartungen zurück. Doch jetzt, 20 Jahre nach dem Debüt, ist immer mal wieder die Rede von einem "neuen NSX". SPIEGEL ONLINE war deshalb noch einmal mit einem der Klappscheinwerfer-Klassiker aus dem Baujahr 1990 unterwegs.

Die Geschichte des "New Sportscar eXperimental" (daher das Kürzel NSX) begann bereits in der Mitte der achtziger Jahre. Honda gierte damals nach einem sportlichen Image und wollte seine von Langweiler-Autos wie Civic und Accord geprägte Marke unbedingt aufpeppen. Im Formel-1-Zirkus gelang das dem Unternehmen im Verbund mit dem Rennstall McLaren; auf der Straße war zum Zwecke des Imagewandels ein Supersportwagen vorgesehen.

Das Projekt wurde gründlich angegangen. Mehr als 400 Patente meldeten die Honda-Ingenieure für den NSX an, Renntechnik wurde serientauglich gemacht und der damalige Formel-1-Star Ayrton Senna prügelte das Auto nach der Messepremiere 1989 auf der Motorshow in Chicago über die Nordschleife des Nürburgrings. "Schnell ist der Wagen, sehr, sehr schnell", urteilte der Profi, der damals für McLaren-Honda tätig war und 1988 erstmals Weltmeister geworden war (zwei weitere Titel folgten 1990 und 1991). Der Satz war die ideale Werbebotschaft.

Die Amerikaner mochten ihn, den Deutschen war er schnurz

Als das Auto 1990 in den Handel kam, gingen aus den USA prompt mehr als 3000 Bestellungen ein. Hierzulande war das Interesse Fürsprache eher gering. Obwohl mit einem Preis von 140.000 Mark damals billiger als die meisten Konkurrenzfabrikate, wurden in Deutschland weniger als 300 Autos verkauft - und zwar über die gesamte Laufzeit. Schon damals also war der NSX ein Exot. 20 Jahre nach dem Debüt ist er es umso mehr - inzwischen ist die rasende Rarität deshalb recht begehrt. In Internet-Gebrauchtwagenbörsen werden gut erhaltene Typen für bis zu 80.000 Euro gehandelt.

Wer hinter das Steuer des 4,40 Meter langen und nur 1,16 Meter hohen Zweisitzers gelangt, der weiß warum: Denn auch heute muss der Wagen den Beschleunigungsvergleich mit der Konkurrenz nicht scheuen. Obwohl der unmittelbar hinter den Sitzen platzierte V6-Motor anfangs nur auf drei Liter Hubraum kam und mit 274 PS und 284 Nm aus heutiger Sicht eher moderat war, ist der Schub enorm.

Beim beherzten Tritt aufs Gaspedal jagt der Drehzahlmesser rasant über die Skala und wischt erst bei bei 8000 Touren in den roten Bereich; in weniger als sechs Sekunden ist Tempo 100 erreicht, maximal möglich sind 274 km/h. Derartige Exzesse macht der NSX auch heute noch mit. "Kaum ein Sportwagen aus dieser Zeit ist so pflegeleicht", sagt Sven Matthäi vom Autohaus Fugel in Chemnitz, der den Wagen aus der Sammlung seines Chefs betreut. "Laufleistungen von 200.000 Kilometern sind kein Problem."

Ein Leichtbau-Sportwagen, dessen Ausstattung zu Übergewicht führt

Dabei betrat Honda mit dem NSX auf vielen Gebieten Neuland. Er war das erste Auto mit elektronischem Gaspedal, es besaß Pleuelstangen aus Titan, Zündkerzen aus Platin sowie ein Fahrwerk und eine Karosserie, die weitgehend aus Aluminium gefertigt waren. Dass der NSX trotzdem 1,4 Tonnen auf die Waage bringt, liegt vor allem an der Ausstattung: Klimaautomatik, Lederpolster, Airbags, CD-Anlage oder elektrische Fensterheber - Honda verband bei diesem Auto Rasanz mit Komfort.

Bei der potenziellen Kundschaft allerdings verfing diese Mischung nicht. Obwohl Honda dem Modell lang die Treue hielt und den Wagen immer wieder überarbeitete - es wurde einfach kein Erfolgstyp. Erst recht nicht, als einer Renovierung im Jahr 2001 auch noch die Klappscheinwerfer zum Opfer fielen. 2005 dann wurde die Produktion des NSX eingestellt, nach insgesamt 15 Jahren Bauzeit, in denen knapp 18.000 Exemplare gefertigt wurden.

Hickhack um das Nachfolgemodell - kommt es demnächst?

Dennoch wurde die Entwicklung eines Nachfolgemodells in Angriff genommen. schon allein deshalb, weil Wettbewerber wie Nissan mit dem GTR und Lexus mit dem LFA in der Supersportwagenklasse aktiv sind. Bei Honda wurde an einem Renner samt neuem Zehnzylindermotor gearbeitet, doch kurz bevor das Auto startklar war, setzte die Wirtschaftskrise ein und der Wagen blieb unter Verschluss - gefragt waren nun vielmehr günstige Modelle für den Massenmarkt.

Wiederum ein Jahr später wurde auf japanischen Rennstrecken plötzlich ein Sportwagen gesichtet, der verdächtig an die eingemotteten Honda-Prototypen erinnerte. Allerdings war der Motor inzwischen auf acht Zylinder geschrumpft, leistete jedoch deutlich mehr als 500 PS. Kaum hatte der mattschwarze Honda HSV-10 GT einige Bestzeiten eingefahren, spekulierten Autoblogger schon über eine Serienfertigung. Womöglich also bekommt der Honda NSX irgendwann also doch noch einen Nachfolger.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Kein faszinierendes Styling!
MJM1605 06.08.2010
Zitat von sysopSupersportwagen aus Japan? Die lassen sich an einer Hand abzählen. Einer der spektakulärsten war der Honda NSX, der vor 20 Jahren debütierte. Die Produktion des Modells wurde 2005 eingestellt, doch nun gibt es Comeback-Gerüchte. SPIEGEL ONLINE ist das Auto nochmals gefahren. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,709739,00.html
Bis auf das Styling ein super Auto. Die Japaner schaffen es leider aus jedem Stylingelement etwas langweiliges und nichtssagendes zu formen. Liegt wohl an ihrer negation des Individuums oder mit anderen Worten; zuviele (mittelmässige)Köche verderben den Brei.
2.
Thraex 06.08.2010
Ich finde den Wagen Saugeil, vor allen das Design finde ich sehr cool, schon ein Traumwagen, ich fahre den kleinen "Bruder" vom NSX, jedenfalls sehe ich den Prelude so :-) Aber auch der ist in Deutschland ein Exot, zwar nicht so selten wie der NSX, aber mittlerweile gibt es nur noch ca. 1800 Stück in ganz Deutschland. Ich würde mir derzeit keinen (neuen) Japaner Kaufen, ich finde die Qualität hat sehr stark nach gelassen, außerdem habe ich sehr! schlechte Erfahrung mit Honda machen müssen.
3. Verklärte Vergangenheit
einszweidrei 06.08.2010
Der NSX hatte 1990/91 einen schweren Start, das wird nachträglich gerne verklärt. In einem Vergleichstest der Zeitschrift sport auto musste sich der NSX einem Porsche 911 Carrera 2 (Typ 964) bei der Beschleunigung geschlagen geben. Der 250 PS starke 911 beschleunigte im direkten Vergleich sowohl von 0 auf 100 als auch von 0 auf 200 schneller. Diese Prestigewerte sind Sportwagenkäufern sehr wichtig, obwohl in der Praxis eher irrelevant. Dass der NSX ansonsten ein sehr guter Sportwagen war, verblasste dagegen. Er war z.B. der erste Seriensportler, der mit Serienreifen eine Querbeschleunigung von über einem g erlaubte. Zudem fiel sein Bremsweg mit 36 Metern aus 100 km/h zum Stillstand sensationell kurz aus. Auch auf der Nürburgring Nordschleife konnte der NSX mit einer guten Rundenzeit beeindrucken (knapp 8.38 min). Doch das half alles nichts. Seine Kritiker warfen dem NSX vor, dass er von einem "profanen" V6 angetrieben wurde und dass der Wagen langsamer beschleunigte als ein normaler Porsche 911. Dafür war der NSX zu teuer, da kauften die meisten potentiellen Kunden lieber den gleich teuren 911. Dazu gab es mit Corvette ZR-1 und Porsche 928 GT/S zwei Konkurrenten, die zwar etwas teuer waren, dafür aber über mehr Prestige und durchzugsstarke V8-Motoren verfügten. Der Verkauf wäre vielleicht etwas besser gelaufen, wenn Honda dem Wagen gleich bei seiner Präsentation eine Leistung von vollen 300 PS spendiert hätte. Zu großer Popularität gelangte der NSX erst Mitte der 1990er Jahre durch seine Auftritte im Playstation-Spiel "Gran Turismo", in dessen Erstauflage er zu den schnellsten spielbaren Modellen gehörte.
4. Des Deutschen liebstes Kind
Hirnsturm 07.08.2010
Von 1986 - 1992 verbrachte ich meine Teenagerzeit in Japan und hatte das große Glück, Zeuge der "Bubble Economy" zu sein. Gleichzeitig war ich großer Auto-Fan und seinerzeit peinlich berührt, mit was für veralteten Kisten in Deutschland herumgefahren wurde. Peinlich, dass Mercedes auf das Spitzenmodell des 190er noch 16v schreiben musste, während 4-Ventil-Technik in den späten 80gern in jedem Japaner zu finden war. Zu dieser Zeit fuhren deutsche Autos noch mit 3 Gang- Automatik, während in Japan so langsam der 5. Gang Einzug hielt. Vierradsteuerung (besonders Honda und Nissan), variable Ventilsteuerung (Honda). Auch den Mut von Mazda den Wankelmotor weiterzuentwickeln, sollte man erwähnen. Designmäßig gelang den deutschen Herstellern Anfang der 80ger der letzte große Wurf, dann war 10 Jahre Schluß. Das konkave Heck, was dann auch bei Audi und BMW Einzug hielt, war ein Stil von Honda. Was für Traumwagen gab es: 200SX, 300ZX, Supra, Celica, MR-2, RX-7, Skyline GT-R und natürlich NSX. Und in Deutschland? Corrado, Calibra und ein langgezogener Käfer 911. Das war's. Mit dieser Ansicht konnte man in Deutschland nicht missionieren. "Reißschüssel, Plastikkarre, Proletenkarre". Meine Freunde in Deutschland waren alle einer Meinung: So lange man sich keinen Porsche leisten kann, fährt man Golf. So individuell war die deutsche Bevölkerung in den Tagen. Gut natürlich für deutsche Hersteller. Das eigene Kind ist einem am liebsten, selbst, wenn es doof und hässlich ist.
5. keine Klassiker...
MJM1605 08.08.2010
Also es ist doch sehr selten dass ein japanisches Auto zu einem Klassiker oder gar zu einem Liebhaberfahrzeug wird. Eine kleine Aussnahme ist vieleicht der Datsun 240 zx und der wurde von Graf Görtz gezeichnet. Es liegt einfach an dem unpersöhnlichen Design, welches jede Faszination italienischer oder englischer Klassiker vermissen lässt. Schade denn die Qualität ist meisst besser.
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Klassiker-Info

Honda NSX

Bauzeit: 1990 - 2005

Produktion: ca. 18.000

Motor: V6-Benziner

Hubraum: 2977 ccm

Leistung: 274 PS

V-max: 274 km/h

Preis: 140.000 Mark



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