Rollende Wurstbuden Autos zum Anbeißen

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei: Seit über neun Jahrzehnten verkauft die deutsche Auswandererfamilie von Oscar Mayer in den USA Hot Dogs. Unters Volk gebracht werden sie von Würsten auf Rädern.

Oscar Mayer

Von Roland Löwisch


Das Auto ist 52 Hot Dogs lang, fährt schneller als warmer Ketchup fließt und riecht nach Brötchen mit Wursteinlage. Am Steuer sitzt ein "Hotdogger". Der Student wird sowohl fürs Fahren als auch fürs Grinsen bezahlt und hofft, innerhalb eines Jahres wenigstens eine Mini-Celebrity zu werden. Und aus der Soundanlage schallt der Ohrwurm aller Fast-Food-Fans, geschrieben im Jahr 1963: "Oh, I Wish I Were an Oscar Mayer Wiener".

Den Jingle gibt's in mindestens 21 Versionen. Die Amerikaner lieben noch heute die geniale Werbeidee der deutschen Auswandererfamilie Mayer: Laut Patron Oskar Mayer, der im Juni 2009 starb, existieren die Wienermobile - monströse Autos in Hot-Dog-Form - einzig, um "Spaß und Gelächter" hervorzurufen. Hungrige Ami-Kids nennen die modernen Fiberglas-Wurstwagen "Lamborwienies" oder "Wienibagos", in Wirklichkeit heißen die sechs Autos "Yummy", "Big Bun", "Our Dog", "Hot Dog", "Weenr" und "Oscar", wie es auch ihre Nummernschilder ausweisen.

So reisen die "Hotdogger" jährlich zu mehr als 500 Veranstaltungen übers Land und beglücken die Landsleute beim Boston Marathon, der Indy 500 oder auf College- und Universitätsveranstaltungen mit den Werbebotschaften des deutschen Emigranten Oskar Ferdinand Mayer aus Kösingen, Baden-Württemberg, dessen Familie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zum größten Wurstfabrikanten der Welt aufstieg.

Das erste Wienermobil wurde 1936 in Illinois aufgelegt

In Chicago begründeten Mayer und zwei seiner Brüder ihr Imperium, wo sie mit Pferdewagen um 1900 ihre Weiß-, Bock- und Leberwurst auslieferten. 1904 hieß die Marke noch "Edelweiss", erst 1926 etablierte sich in Madison, Wisconsin, "Oskar Mayer" - die beiden Enden der Wurst hatten plötzlich einen Namen. Da war bereits der gleichnamige Sohn der Ober-(Ver-)Wurster.

Neffe Carl Mayer ist die Idee zu verdanken, Firmenfahrzeuge in Hot-Dog-Verkleidung zu stecken. Das erste Wienermobil wurde 1936 in Illinois aufgelegt: Eine vier Meter lange Cabrio-Stahlwurst auf senffarbenem Fahrgestell, gebaut von der General Body Company auf der Basis eines Duesenberg. Kosten: 5000 Dollar. In der Mitte der Fahrer, hintendrauf ein Kleinwüchsiger, der mit dem Publikum reden sollte - Spitzname "Little Oscar". So bestückt rollte die "German Wurst" eine zeitlang wild bejubelt durch Chicago, bis die kriegsbedingte Benzinrationierung die Delikatesse zur Stationärwurst verdonnerte und die Amerikaner von den Krauts nichts mehr hören, geschweige denn essen wollten.

Doch nach dem Weltkrieg meldete sich der Hunger auf die fleischige Spezialität der Deutschen wieder. 1958 wurden wegen der großen Nachfrage neue Wienermobile aufgelegt, diesmal in Wooster, Ohio. Designer war Brooks Stevens (der sich Jahre spätere auch eine weitere Monstrosität auf Rädern einfallen ließ: den Mercedes-Retro-Klassiker Excalibur). Die Wurstmaße: sieben Meter lang, aber diesmal mit Dach, damit kein Regen den mobilen heißen Hund verwässern möge.

Basis der aktuellen Wurstmodelle ist ein GMC-Truck

Erst 1964 ließ sich Mayer sein (Werbe)-Rezept patentieren, der Mayer-Song wurde schnell Teil der US-Popkultur. Fünf Jahre später bauten die Mayer-Mechaniker eigenhändig weitere Wienermobile. Die Basis bildeten Chevrolet-Wohnmobile mit V6-Motor. 1986 belebte Mayer sogar alte Wienermobile aus dem Ford-Museum wieder für eine Fünfziger-Jahre Wienermobil-Nostalgie-Tour - Amerika tobte. Brooks Stevens half 1988 erneut, die Flotte zu vergrößern.

Inzwischen waren die schnellen Pellen längst aus Fiberglas, sieben Meter lang, drei Meter hoch und zweieinhalb Meter breit. Innen gab es sechs Sitzplätze. Gewürzt mit einem Mikrowellenherd, Kühlschrank und einem Dampferzeuger, der den Geruch von Hot Dogs in die Luft pustete, war das Gebilde satte 580.000 Hot Dogs schwer (2630 Kilo). Eines davon rollte als erstes Wienermobil ins Ausland, und zwar nach Spanien.

1995 schuf Designer Harry Bradley die Wienermobile, wie sie heute noch durch Amerika touren - fetter denn je: 8,22 Meter lang und 3,35 Meter hoch. Sie wurden mit CAD-Hilfe erstellt und von der Carlin Manufacturing in Fresno, Kalifornien, gebaut. Basis ist diesmal ein GMC-Truck, ein 5,7-Liter-Vortec-V8 lässt die ersten aerodynamisch geformten Hot Dogs der Welt vehement losstürmen. Die Sitze sind appetitlich in Saucenfarben gehalten, das Armaturenbrett wie ein Hot Dog geformt.

Nur den Zwerg am Heck schafften die Mayer-Verantwortlichen schon vor vielen Jahrzehnten ab. Das wurde ihnen dann wohl doch zu geschmacklos.



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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
karlsiegfried 18.03.2014
1. Tolle Fahrzeuge
Würde ich im 'Heimatland', sprich Deutschland, auch gerne mal sehen. Wahrscheinlich bekämen diese Mobile keine Zulassung vom TÜV.
reihensechser 18.03.2014
2. Alles Wurst
Mit so einem Ding würde ich gerne mal zum deutschen TÜV fahren...
spon-facebook-10000049172 18.03.2014
3. Nicht wirklich verblüffend,...
...wie der SPON uns die Land der unbegrenzten Möglichkeiten schmackhaft machen möchte. Dieser neue Springer-Mann im Haus gibt da wohl die Richtung vor....-:)
graf.koks 18.03.2014
4. Wo ist das Problem?
Zitat von reihensechserMit so einem Ding würde ich gerne mal zum deutschen TÜV fahren...
Sie würden eine Ausnahmegenehmigung für Werbezwecke erhalten. Auf welcher Grundlage dürfen denn die Kölner Karnevals-Vehikel auf den öffentlichen Straßen (und in dichten Menschenmengen!) herumgurken?
graf.koks 18.03.2014
5. Tja...
Zitat von spon-facebook-10000049172...wie der SPON uns die Land der unbegrenzten Möglichkeiten schmackhaft machen möchte. Dieser neue Springer-Mann im Haus gibt da wohl die Richtung vor....-:)
...so liest sich denn die Ansicht eines Würstchens, das nie eine Wurst werden durfte.
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