Hot-Rod-Fotograf Behlau "Die machen einfach ihr Ding"

Tätowierte Bräute, umgebaute US-Oldtimer, Beschleunigungsrennen - die kleine, aber kunterbunte Hot-Rod-Szene fasziniert den Fotografen Dirk "Pixeleye" Behlau seit Jahren. SPIEGEL ONLINE sprach mit dem Künstler, der als Chronist der Bewegung gilt.

Behlau/Pixeleye

SPIEGEL ONLINE: Herr Behlau, umgebaute alte US-Autos, so genannte Hot Rods, haben es Ihnen angetan - sie gelten als das Auge dieser Szene. Wie kam es dazu?

Behlau: Hot Rods sind ein wichtiger Teil meiner Arbeit, ja. Vor ungefähr fünf Jahren war ich für ein Lifestyle-Magazin beim Dragster-Rennen Nitrolympx am Hockenheimring. Da hat es mich gepackt - die Leute, die Autos, die Party.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das Besondere an der Hot-Rod-Szene?

Behlau: Für mich sind vor allem die Menschen etwas Besonderes. Klar gehören die alten, zurechtgemachten Autos dazu, aber sie sind nur ein Teil eines großen Ganzen. Dazu kommen noch die Mode der fünfziger und sechziger Jahre, die Tätowierungen, die lässige 'Fuck-the-world'-Attitüde, die selbstbewusste Art der Hot-Rod-Frauen. Und das alles zusammen ist eine faszinierende Mischung. Diese Leute machen einfach ihr Ding, ohne sich dabei wer weiß wie toll vorzukommen.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie mehr Teil der Szene oder mehr Beobachter?

Behlau: Ein bisschen von beidem. Ich besitze selbst keinen Hot Rod, obwohl ich gerne mal einen Oldtimer fahren würde. Aber mir fehlt die Zeit, die Geduld - und es gibt da ein handwerkliches Problem. Ich bin überhaupt kein Schrauber. Also fahre ich einen Chevrolet HHR - aber immerhin einen im Old-Shool-Custom-Look mit herausragenden Pinstripes - also mit handgemalten Verzierungen.

SPIEGEL ONLINE: Was ist an dem Thema für einen Fotografen so interessant?

Behlau: Es gibt sicher technisch bessere Leute als mich. Aber bei den Hot Rods geht um die richtige Bildkomposition, die richtige Perspektive, den richtigen Moment. Dafür habe ich, glaube ich, ein ganz gutes Gefühl. Es geht um warme Farben, um eine leichte Sepia-Tönung der Bilder. Das passt zum Lifestyle dieser Szene, der sich um Romantik und Sentimentalität dreht.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt fast ein wenig altbacken und gar nicht nach wildem Rock 'n' Roll.

Behlau: Ich halte nichts von der These, dass früher alles besser war. Ich bin zum Beispiel heilfroh, dass es das Internet gibt, denn sonst gäbe es meine Arbeit in dieser Form nicht. Aber es stimmt, dass es in der Hot-Rod-Szene auch um eine Art Rückbesinnung geht. Um Werte wie Freundschaft zum Beispiel. Ich beobachte, dass die Leute etwas Bleibendes wollen und danach auch suchen. Eine Betty-Page-Frisur kann dafür eine Ausdrucksmöglichkeit sein.

SPIEGEL ONLINE: Auf vielen Fotos sind Frauen in Pin-Up-Posen zu sehen. Ist das nicht ein schreckliches Klischee?

Behlau: Dieses typische 'Tuning und nackte Haut'-Ding kann ich auch nicht ausstehen, aber die Kombination aus amerikanischen Auto und starken Frauen finde ich klasse. Wichtig ist, das die Mädels das sind, was sie vorgeben; ich fotografiere am liebsten stark tätowierte Frauen, und zwar durchaus mit mehr Klamotten am Leib als sonst bei solchen Shootings üblich ist.

SPIEGEL ONLINE: Wo kriegt man in Deutschland den besten Einblick in die Hot-Rod-Szene?

Behlau: Meiner Ansicht nach bei der Bottrop Kustom Kulture, die immer im Sommer stattfindet. Bei der Veranstaltung sind rund 200 Hot Rods auf dem Gelände, es gibt 1/8-Meile-Rennen mit klassischem Flaggenstart, und die Creme der Kustom-Künstler ist vor Ort.

SPIEGEL ONLINE: Hot Rodder stylen nicht nur ihr Auto, sondern auch ihren Körper. Wie ist das bei Ihnen?

Behlau: Wir reden von Tattoos, richtig? Also meine Arme sind fast zu, auf der Wade habe ich ein flammendes Herz mit dem Namen meiner Tochter und auf meiner Brust steht 'For whom the bell tolls', der Titel meines Lieblingssongs von Metallica.

SPIEGEL ONLINE: A propos Musik. Was hören Sie beim Autofahren?

Behlau: Meistens Punkrock, Metal und anderes Zeug das ordentlich scheppert. Auf jeden Fall nie irgendwelche nervigen Radiosender.

Das Gespräch führte Jürgen Pander

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.