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Lichtkunst in Unterführungen: Da musst du durch

Lichtinstallation in Bahnunterführung: Leuchtendes Beispiel Fotos
Jannes Linders

Unterführungen sind in der Regel beklemmende Orte, dunkel und trist. Das muss aber nicht so sein, wie ein Beispiel aus den Niederlanden zeigt: Dort wirkt das Abtauchen in den Untergrund bewusstseinserweiternd.

Es gibt zwei Sorten von Unterführungen: Die besseren gleichen Höhlen. Die schlechteren Höllen. Eines will man dort jedenfalls garantiert nicht - stehenbleiben. Zu dunkel ist es in den Betonhüllen unter Straßen und Gleisen meist, und vor allem beinahe ausweglos. In eine Unterführung geht man also nur aus einem Grund rein: Um am anderen Ende möglichst schnell wieder raus zu kommen.

In Zutphen ist das ein bisschen anders. Zutphen ist eine 50.000-Einwohner-Gemeinde in den Niederlanden, deren Stadtbild von mehreren mittelalterlichen Türmen geprägt wird. Seit einigen Tagen ist die Liste an Sehenswürdigkeiten jedoch um zwei Bauwerke reicher. Es handelt sich dabei um zwei Unterführungen.

Sie verlaufen unter Bahngleisen direkt nebeneinander; eine Straße für Fahrzeuge und ein Weg für Fahrradfahrer und Spaziergänger. Eigentlich sind es herkömmliche Bauwerke aus Beton, die einen neu errichteten Stadtteil von Zutphen mit dem historischen Kern der Kommune verbinden. Doch das Besondere an ihnen ist ihre Beleuchtung.

Herman Kuijers Installation bei Tageslicht Zur Großansicht
Jannes Linders

Herman Kuijers Installation bei Tageslicht

Denn die Unterführungen sind in regenbogenfarbene Lichter getaucht, in ein buntes Hell, das durch ständige Fließbewegungen an die wogenden Fluten des Flusses Ijssel erinnern soll, der sich durch Zutphen windet.

Man muss sich das Durchqueren dieser Unterführung also als spirituelle Erfahrung vorstellen. Beim Betrachten der Bilder will man jedenfalls sofort aufs Rad steigen und unter den Gleisen vom neuen ins alte Zutphen rollen, um mal von dem städtebaulichen Halluzinogen zu naschen.

Holland versteht was von glamouröser Infrastruktur

Unterführungen auf LSD - klar, dass es das gerade in den Niederlanden zu entdecken gibt. Und das ist keineswegs als Lachflashanspielung auf die liberale Drogenpolitik in unserem Nachbarland gemeint: Vielmehr hat liebevoll illuminierte Infrastruktur in Holland bereits Tradition. Leuchtendes Beispiel ist der funkelnde Radweg von Nuen.

Die befahrbaren Lavalampen von Zutphen hat der Lichtkünstler Herman Kuijer erschaffen. Wer jetzt denkt, eine Unterführung bunt zu erleuchten geht so simpel, wie es in der Dorfdisco mal eben rot und grün blinken zu lassen, der irrt. Kuijer hat nach eigenen Angaben fünf Jahre an dem Lichtdesign gearbeitet. Schließlich sollte der Weg durch den Untergrund nicht nur schön sein, sondern auch sicher.

Am eindrucksvollsten kommt das Werk des Künstlers natürlich nachts zur Geltung. Aber in Zutphen wird gerade der größte Nachteil der Betonhöllen zu einem Vorteil: Weil es in Unterführungen naturgemäß immer düster ist, bleibt das Licht auch tagsüber an.

cst

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insgesamt 19 Beiträge
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1. psychedelisch
kein_freiburger 03.12.2015
ob der gute Mann auf LSD war, als er sich das ausgedacht hat ..
2. Sieht gut aus
metalslug 03.12.2015
Schon schön. Aber 5 Jahre Tüftelei? Meine Fresse, hat er sich im Baumarkt verlaufen wie der eine Typ in der Werbung?
3.
t.theodor 03.12.2015
Bei uns in D wird das mit "Sicherheit" nichts: Zuerst werden die üblichen Bedenkenträger uns haarklein sagen, warum so etwas nicht zulässig ist und dann wird es zu den Akten gelegt.
4.
sawn1979 03.12.2015
Für Fußgänger ist das wunderbar, aber wie ist es für unvorbereitete Autofahrer? Wenn diese Lichter sich auch noch verändern, könnte es durchaus eine Ablenkung sein, wenn man nicht daran gewöhnt ist.
5.
wosch79 03.12.2015
Zitat von t.theodorBei uns in D wird das mit "Sicherheit" nichts: Zuerst werden die üblichen Bedenkenträger uns haarklein sagen, warum so etwas nicht zulässig ist und dann wird es zu den Akten gelegt.
Der Mainzer Goethetunnel wurde schon 2012 durch eine vergleichbare Installation verschönert. Es geht auch bei uns... http://fc-foto.de/28966692
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