Studie Isuzu Zen Reine Leere

Ein Van mit Reisstrohmatten und Bambusfurnier: Die Automobilgeschichte ist voll von irren Studien, die erst begeisterten und dann verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die gewagtesten - wie den Isuzu Zen.

ISUZU

Von Jürgen Pander


"Wenn unser Geist die Ruhe findet, verschwindet er von selbst." Vermutlich hat dieser Satz von Zen-Meister Sengcan die Designer der Studie Isuzu Zen inspiriert. Denn wenn das Auto völlig zur Ruhe gekommen ist, verschwinden Sitze, Lenkrad und Schaltknüppel, und es bleibt ein heller, leerer Raum. Ein Ort der Konzentration und Kontemplation. Und einer zum Teetrinken, denn der ebene Bambusboden des Isuzu Zen lässt sich mit vier aus Reisstroh gefertigten Tatami-Matten genauso auslegen wie ein traditioneller japanischer Teeraum.

Als das Auto entstand, im Jahr 2001, war General Motors an dem japanischen Hersteller beteiligt. Isuzu produzierte zu dieser Zeit ausschließlich Geländewagen, Lkw und Busse und unterhielt in den britischen Midlands ein Entwicklungszentrum. Dort schufen Atsuhiko Yamada, Geoffrey Gardiner und Ian Nisbett das Konzeptauto Zen. Japanische Tradition traf auf britische Exzentrik. Die Idee, auch im Auto Tee trinken zu können, verband die beiden unterschiedlichen Kulturkreise geradezu ideal.

Sieht man die Karosserie, hätte Isuzu Karate besser gepasst

Schaut man sich den Wagen zunächst von außen an, wundert man sich über den Namen Zen. Karate hätte viel besser gepasst. Die eckig-martialische Karosserie mit dem Knick zwischen Vorderwagen und Heck sieht aus, als hätte sie einen ordentlichen Handkantenschlag aufs Dach bekommen. Ein raffiniertes Detail ist die Grafik der Seitenfenster, die an die Segmente eines japanischen Fächers erinnern sollen, und die sich, wenn sie geöffnet werden, tatsächlich auch wie ein Fächer übereinander schieben.

Drinnen ändert sich die Atmosphäre schlagartig. Helle Holzoberflächen aus Bambus- und Ahornfurnier schmeicheln dem Auge. Die großzügige Verglasung lässt viel Licht ins Auto, die Armaturentafel ist maximal minimalistisch gestaltet. Mit ein paar Handgriffen lassen sich die vier Einzelsitze so einklappen, dass ein durchgehender, glatter Boden entsteht. Aus Autofahrersicht macht das den Wagen herrlich variabel, denn der Laderaum lässt sich dadurch in mehreren Stufen vergrößern.

Durch die Klappfunktion, die neben den Sitzen auch das Lenkrad und den Wählhebel der Viergang-Automatik verschwinden lässt, entsteht in dem Auto eine neue Art von Raum. Teetrinken, Yoga, Lotussitz oder - die Welt hat sich seit 2001 ja rasant weitergedreht - auch im Internet surfen, chatten oder arbeiten wären nun in einer ebenso freundlichen wie minimalistischen Umgebung möglich.

Konzentrierte Atmosphäre unter hohem Dachhimmel

Und zwar in orthopädisch zuträglicher Haltung, denn der Isuzu Zen ist zwar lediglich 4,48 Meter lang, aber 1,98 Meter hoch. Da bleibt auch bei flach gelegtem Gestühl noch Luft nach oben.

Was die Technik betrifft, bediente sich der Isuzu Zen aus den damals vorrätigen Teilen. Unter der vorderen Haube sitzt also ein 3-Liter-V6-Turbodiesel, der über das Automatikgetriebe alle vier Räder mit Drehmoment versorgt. Auf der Tokio Motor Show im Herbst 2001 wurde das Konzeptauto erstmals vorgestellt. Es erregte kurz Aufsehen, der wandelbare Innenraum wurde gepriesen - und auch bald schon wieder vergessen. Im Grunde bis heute.

Isuzu Zen bei YouTube

Bei Wikipedia gibt es keinen Eintrag zu dem Auto, ein Video auf YouTube, das einige Fotos des Isuzu Zen aneinanderreiht, verzeichnete bis Mitte Januar 2018 lediglich 109 Zugriffe. Es gibt zweifellos hässlichere Autos, uninspiriertere, langweiligere; aber es gibt nur wenig unbekanntere.



insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nebenbei_bemerkt 27.01.2018
1. tolles Konzept
ein Auto das man gebrauchen könnte. Moderat motorisiert, E-, Hybrid- oder Brennstoffzellennantrieb und autonomes Fahrkonzept. Super variabel. Würde ich kaufen.
eco-s 27.01.2018
2. Da gab es schon viel schlimmeres...
...wie den multipla zb. Einfach 'n e-motor rein, batterien dazu und los geht's. Ich würde ihn fahren ....weil minimalistisch!
shardan 27.01.2018
3. Schade....
.. dass der nie in Serie gegangen ist.... das wäre eher ein Auto für mich gewesen als die heutigen Kisten mit dem ganzen Elektronik-Blingbling, dass man heute für unabdingbar hält. Ein Hingucker ist es allemal.
Andreas-Schindler 27.01.2018
4. 20 Jahre zu Früh
In Zeiten von Car-Sharing und Autonome Fahrzeuge ist dieses Fahrzeugkonzept genau was dazu gefragt ist. Ein Fahrzeug ohne Knöpfe und Wegklappbares Lenkrad. Innenraum leicht zu Reinigen. Stühle die sich bestimmt Leicht Ausbauen lassen und deren Sitzpolzter leicht sich Reparieren lassen. Dazu ein kleiner Laderaum um mal paar Möbel-Pakete von Ikea Abzuholen. Dadurch das die Räder so weit Außen liegen hat man Bestimmt ein großen Innenraum.
quark2@mailinator.com 27.01.2018
5.
Tolles Grundkonzept. Für mich müßte er nun nicht japanisch aussehen, aber die Raumaufteilung und Hochbeinigkeit ... tolle Grundlage für Urlaub, Garten, Wald, etc. Und die Heckscheibe taugt zur Rücksicht. Wirklich schade, wäre meine Niesche gewesen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.