Europatreffen der Jeep-Wrangler-Fahrer Matsch fun!

Einmal im Jahr kommen Hunderte Jeep-Fahrer in Europa zusammen, um sich mit ihren Autos im Gelände auszutoben. Der Hersteller nutzte das jüngste "Camp Jeep", um den neuen Wrangler vorzustellen - nicht alle waren begeistert.

Jepp

Von Michael Specht


Es gibt Jeep-Wrangler-Fahrer, die würden am liebsten jeden Tag den Weg querfeldein zum Büro nehmen. Gehören ihre Geländewagen doch zu den besten 4x4-Gefährten überhaupt. Ihr Lebensmotto: Dreck muss fliegen, Matsch muss spritzen - das Ende der Straße ist der Anfang aller Möglichkeiten.

Aber nicht nur Deutschland verhängt empfindliche Strafen für all jene, die es wagen, sich abseits des Asphalts fortzubewegen. "Es gibt fast keine Ecke mehr in Europa, wo das noch möglich ist", beklagt Robert Brummer, 2. Vorstand im Jeep Club Deutschland, die vertrackte Offroad-Situation. Deshalb dürfen die Anhänger des automobilen Querfeldeins ihren Offroad-Wunsch meist nur in speziell dafür errichteten Parks ausleben oder bei genehmigten Veranstaltungen. Zu den bekanntesten für Fahrer der Marke Jeep gehört das alljährliche "Camp Jeep". Dieses Mal konnte sich die Hardcore-Fraktion im österreichischen Gaal, unweit der Red-Bull-Rennstrecke in Zeltweg, austoben.

Das bergige Gelände mit tief zerfurchten Waldwegen und üblen Geröll-Passagen, die man kaum zu Fuß erklimmen kann, bildet das perfekte Terrain für die mehr als 700 Jeep-Besitzer. Sie waren alle dem Aufruf der amerikanischen Traditionsmarke ins Camp aus ganz Europa gefolgt. Mehrheitlich zählen sie zu den rund zehn Prozent der Jeep-Kunden, die mit weichgespülten Boulevard-SUVs nichts anfangen können. "Ich möchte nie mehr ohne Jeep sein", sagt Peter Müller aus Speyer und lobt die Fangemeinde: "Das ist meine zweite Familie. Jeder hilft hier jedem, wenn es mal Probleme gibt." Manche tragen Camouflage-Klamotten, andere Cowboyhut und Lederweste mit dem US-Symbol des Weißkopfseeadlers auf dem Rücken. An einigen Jeep-Modellen weht stolz die amerikanische Flagge oder es prangt ein Geweih am Kühlergrill. Es läuft Hardrock-Musik und auf dem Grill brutzelt Wurst.

Zugelassen sind ausnahmslos Wrangler Rubicon

Frauen sind in der Wrangler-Szene selten. Zu ihnen gehört die Mailänderin Valeria Mereghetti, gerademal 28 Jahre alt. Aber Valeria ist vorbelastet, ihr Vater ist langjähriger und bekennender "Jeepster", wie man sich in der Jeep-Szene nennt, und sie war von Kindheit an mit ihm auf unzähligen Gelände-Touren.

Valeria (r.) und ihre Schwägerin beim Camp Jeep
Michael Specht

Valeria (r.) und ihre Schwägerin beim Camp Jeep

Im "Camp Jeep 2018" hat man gleich drei davon abgesteckt. Eine normale, aber durchaus anspruchsvolle Tour mit tiefen Kuhlen, dicken Steinen und heftigen Steigungen. Der Regen in der Vorwoche hat den Untergrund teils aufgeweicht, was die Sache nicht unbedingt leichter macht. Nummer zwei ist durch "Rubicon"-Schilder markiert, benannt nach dem berühmten wie berüchtigten Offroad-Pfad am Lake Tahoe zwischen Kalifornien und Nevada. Dieser gilt unter den Freaks als die härteste Geländeprüfung überhaupt.

Manch einem mag die österreichische Variante ebenso vorkommen. Zugelassen sind ausnahmslos Wrangler Rubicon, weil nur deren Allradantrieb dafür ausgelegt ist. Einige Streckenabschnitte sind selbst mit allen drei aktivierten Sperren und entkoppeltem Stabilisator kaum zu schaffen. Doch genau diese Herausforderung lieben die Jeep-Fahrer. Matsch fun.

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Europatreffen der Jeep-Wrangler-Fahrer: Von mild bis wild

Die Besitzer schätzen Kontinuität beim Design

Aber es geht immer noch eine Klasse gemeiner. Der dritte Pfad, den die Organisatoren ausgewählt haben, nennt sich "Schwarze Piste", analog zur Kategorisierung von Skipisten. Serienautos haben hier keine Chance. Bezwingen lässt sich dieser Untergrund nur von Wranglern, die zuvor ein spezielles Tuning durchlaufen haben, heißt: verändertes Fahrwerk, größere Reifen, längere Dämpfer, mehr Bodenfreiheit, teils auch andere Differenzial-Sperren. Und: Es verlangt außergewöhnliches Können hinter dem Lenkrad.

Der Jeep Wrangler gilt als Ikone in der Offroad-Szene, ähnlich wie der Land Rover Defender oder die Mercedes G-Klasse. Allen dreien gemeinsam ist, man kann sie auf einen halben Kilometer Entfernung erkennen. Die Besitzer schätzen diese Kontinuität, wollen möglichst wenige Änderungen am Fahrzeug, vor allem am Design. So war die Enttäuschung groß, als Jeep 1987 mit dem YJ die CJ-Serie ablöste und dem Wrangler eckige Scheinwerfer verabreichte. Ein absoluter Stilbruch. Schon in der darauffolgenden Generation (TJ) gab es wieder runde Lampen.

Der neue Wrangler im Einsatz
Jepp

Der neue Wrangler im Einsatz

Auch jetzt steht ein Generationswechsel beim Wrangler an. JL heißt der Neue - und hat seinen ursprünglichen Charakter und sein typisches Design behalten. Auf weniger Wohlwollen stößt dagegen die Motorisierung. Viele bedauern das Verschwinden des 3,6 Liter großen Sechszylinder-Benziners. An seine Stelle tritt - dem Downsizing-Trend der Branche folgend, um den Schadstoffausstoß zu verbessern - ein Zweiliter-Vierzylinder-Turbo. "Der V6 passte optimal, ein sehr souveränes Aggregat", sagt Mirek Tereszou aus Dijon. Den neuen Wrangler würde er sich nicht kaufen. Der Franzose hat sich extra ein Exemplar aus dem letzten Baujahr der letzten Serie (JK) besorgt.

Eine Pfütze war leider 1,50 Meter tief

"Dafür hat der Wrangler einen Riesensprung im Fahrverhalten gemacht, kein Vergleich zum Vorgänger", so Clubvorsitzender Robert Brummer. Bei Themen wie Konnektivität, Digitalisierung und elektronische Assistenzsysteme rümpft er jedoch die Nase. Auch solche Dinge haben Einzug in die Wrangler-JL-Generation gehalten. "Brauchen wir nicht wirklich", sagt Brummer, "aber wir verstehen Jeep. Die wollen ja auch neue Kunden gewinnen, die mit ihrem Wrangler so gut wie nie ins Gelände gehen und den Wagen komplett als Alltagsauto nutzten. Wir sind da eine kleine Minderheit." Dieses Mal ist Brummer mit einem seiner drei Grand Cherokee zum Camp Jeep 2018 gekommen. Eine Ausnahmesituation. Der Wrangler wird gerade wieder hergerichtet. Brummer: "Bei der letzten Offroad-Veranstaltung war eine Pfütze leider 1,5 Meter tief."

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
chrismuc2011 18.07.2018
1.
In der Aufzählung der besten Geländewagen ( ohne Exoten wie Steyr Puch) hat man leider den Toyota Land Cruiser J4 und J5 vergessen.
le.toubib 18.07.2018
2. Was wäre in Ihren Augen denn ein SANTANA ANIBAL?
Zitat von chrismuc2011In der Aufzählung der besten Geländewagen ( ohne Exoten wie Steyr Puch) hat man leider den Toyota Land Cruiser J4 und J5 vergessen.
Aka PS-10, ein Landrover-Klon, kein Aluminium, sondern Stahl, keine Blindnieten, sondern verschweisst? Mein Frau hatte einen aus dem Überschuss der spanischen Armee gekauft, Softtop mit kurzem Radstand, es waren über 1000 Santanas zuviel geordert worden und Santana hatte versucht, diese mit keinem oder zumindest geringem Verlust an privat zu verkaufen. Sollte leider nicht klappen, kurz darauf würde Santana doch von Iveco aufgekauft werden. Weiss Gott kein schlechter Geländewagen, er konnte mit absoluter Sicherheit weitaus mehr, als ich mir zutraute, aber leider kein Wrangler! Btw., wo ich wohne, darf man überall fahren, wo Fahren nicht *ausdrücklich* verboten ist. Ungewöhnlich, aber praktisch. Ich kenne lediglich einen einzigen Waldweg, den man nicht befahren darf! Bei einem anderen darf man zwar nicht runterfahren - er ist *wirklich* steil -, aber das Hochfahren ist erlaubt, was allerdings nur mit Untersetzung und allen Differentialsperren klappt, auch zu lang darf der 4X4 nicht sein, manche Kurve ist *sehr* eng ...
dont_think 18.07.2018
3.
echte Geländewagen fahren selbstverständlich auf Ketten und nicht auf Rädern. damit ist auch ein vereister rubicon kein Problem.
fd53 18.07.2018
4. über Stock und Stein
Eigentlich wollte ich damals auf Fuerteventura einen Suzuki mieten. Aber die Autovermietung im Hotel meinte "die taugen nicht" und schwatzte mit einen nagelneun JW auf. Der hatte nicht mal 80 km auf dem Tacho drauf. Genauso erging es meinem Bruder. Und so rollten wir dann am nächsten Tag von La Pared erst an das Nahe Ende der Insel und dann über Stück, Stein und Sand auf die andere Inselseite zum berühmten legendären Haus eines Deutschen Ing. mit seinen Gerüchten aus dem 2. Weltkrieg. Auf dem Weg haben wir dann auch den Allrad eingeschaltet. Und so haben wir uns damals mit dem JW angefreundet. Zumal unser Fahrstil trotz dem viel PS-Motor und dem Turbolader für nur unglaubliche 7,4 Liter Benzin auf 100 km sorgte. Auch später haben wir den JW weltweit immer nur im leichten Gelände und auf Nebenstraßen, selten auf Hauptstraßen benutzt und nie auf der Autobahn. Und natürlich immer offen und bei bestem Wetter. Deshalb waren wir mit dem Auto immer sehr zufrieden. Und da uns die Vermieter immer sehr neue Fahrzeuge übergeben, hatten wir auch niemals Störungen.
nofreemen 18.07.2018
5. Paradies für Off Roader
Abseits der Strassen in anspruchsvollem Gelände? Ab nach Bulgarien bevor EU Werte das Land erreichen.
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