Kleinstwagen-Museum: Der Zwergenaufstand

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Kleinstwagen-Museum: Parkplatz der Miniaturen Fotos
Tom Grünweg

In einer Halle im Saarland steht eine seltsame Sammlung winziger Autochen: Kleinstwagen von Goggo, Messerschmidt oder Zündapp. In den Wirtschaftwunderjahren machten sie Deutschland mobil, dann starben sie einen schnellen Tod. Ein Fan hat ihnen deswegen ein Denkmal gesetzt.

Ein Museum für Kleinstwagen aufzubauen, hat einen Riesenvorteil: "Sie benötigen viel weniger Lagerraum als große Autos", sagt Stefan Voit und zeigt stolz auf den Vorraum seiner Museumshalle im Saarland. Dort stehen, fein säuberlich übereinandergestapelt, lauter kleine Autos in einem Hochregal. Alle Fahrzeuge, die noch nicht restauriert oder zumindest poliert sind, lagern dort und warten auf ihren Auftritt in seiner Ausstellung.

Voit liebt es bescheiden, das war schon immer so. Sein erster Urlaub sah so aus: "Mit Campinggepäck und Verpflegung für mehr als eine Woche ging es damals in den Schwarzwald. In einem NSU Prinz", sagt der heute 68-Jährige. Diese Vorliebe für das kleine Glück des Lebens hat den Ingenieur bis heute geprägt. Dass er keine Luxuskarossen oder Sportwagen sammelt, überrascht also nicht. Er hat sich Kleinstwagen verschrieben und bereits mehr als 50 Exemplare zusammengetragen.

Das erste Stück seiner Sammlung kaufte er vor 20 Jahren; es war ein Messerschmitt Kabinenroller, und danach fügte sich eins zum anderen. "Ich habe mich immer mehr ins Thema eingelesen, immer mehr Leute kennengelernt, und dann ergaben sich plötzlich überall Gelegenheiten", skizziert Voit seinen Zutritt in die Kleinstwagenkreise. Unterdessen wuchs der Fuhrpark von Monat zu Monat.

Pionierleistung im Kleinstformat

Denn ein weiterer Vorteil einer Kleinwagen-Sammlung sind die meist ebenfalls kleinen Preise der Autos. Abgesehen von weithin bekannten Schmalspurtypen wie BMW Isetta oder Messerschmitt Kabinenroller seien Kleinstwagen für ausgesprochen bürgerliche Preise zu erstehen, sagt Voit. "Für die Summe, die ich für ein komplettes Auto bezahle, bekommt ein Porsche- oder Mercedes-Sammler nicht mal einen Satz Kotflügel."

Interessiert haben Voit anfangs ausschließlich deutsche Fahrzeuge bis 1965, doch bald schon erweiterte er sein Suchspektrum. "Wer als erstes eigenes Auto einen Renault 4CV fährt, darf die französischen Marken doch nicht aussperren." Obwohl eigentlich eine Nummer zu groß im Vergleich zu allen anderen Stücken, steht also in einer Ecke seines Museums auch ein Cremeschnittchen, wie der 4CV damals genannt wurde. Bald kamen aus vielen anderen Ländern Kleinwagen dazu. Aus England zum Beispiel ein Bond, aus Italien einige Fiat-Modelle, aus Holland ein DAF, aus Österreich ein Meister und - erst kürzlich - ein Alvis aus den USA, der übrigens schon damals mit Elektroantrieb ausgestattet war.

Was Voit an den Kleinstwagen bewundert, ist vor allem der vielen Autos innewohnende Erfindergeist. Der Spatz etwa verfügte über eine Kunststoffkarosserie, die aus nur zwei großen Plastikteilen bestand - ein bisschen erinnert das Konstruktionsprinzip an den Smart. Und die erste Vollaluminium-Karosserie unter den Kleinwagen trug nicht etwa der Audi A2, sondern ein Mini-Roadster von Kleinschnittger. Auch der einzig echte Mittelmotorwagen der Welt stamme aus den fünfziger Jahren, sagt Voit mit Blick auf seinen Zündapp Janus. Der sieht nicht nur von vorn genauso aus wie von hinten, sondern der 14 PS starke Einzylindermotor steckt tatsächlich exakt in der Mitte des Autos zwischen den Lehnen der Rücken an Rücken platzierten Front- und Rücksitzbank.

Ein Auto aus dem Otto-Katalog

Auch Beispiele für damals neuartige Vertriebskonzepte finden sich in Voits Sammlung. Zum Beispiel das erste und bislang einzige Auto, das hierzulande im Versandkatalog verkauft wurde. "Den Fiat Gamine Vignale auf Basis des 500er konnte man bei Otto bestellen", sagt der Sammler. Allerdings war diese Idee nicht sonderlich erfolgreich. "Nach kaum mehr als einem Dutzend Exemplaren wurde der Versuch wieder gestoppt." Auch das Weinsberg Coupé ist ein Exot, der einer frühen Marketingidee entsprang. Weil Fiat mit dem 500er in Deutschland nie so recht punkten konnte, ließen die Italiener auf dessen Basis in Neckarsulm einen deutschen Ableger entwickeln. Man könnte das als frühe Form des Plattformkonzepts beschreiben.

"Aus dem Nichts der Nachkriegszeit entstand damals eine neue Industrie," sagt Voit. Ob die Kabinenroller von Heinkel oder Messerschmitt, die Modelle Kleinschnittger oder Spatz - derartige Mobile seien technisch herausragende Leistungen von Individualisten gewesen, die ihrem Traum vom Auto mit Leidenschaft verfolgten. Erst diese Männer und ihre Modelle hätten das Wirtschaftswunder in Fahrt gebracht. "Getrieben von dem Wunsch, endlich mal mit weißem Hemd und sauberen Hosen im Büro anzukommen, verdrängten diese Wägelchen das Motorrad und leiteten den Siegeszug des Autos ein", sagt Voit. Als das Geschäft mit den großen Wagen dann aufblühte, gingen die Kleinstwagen ein wie Primeln ohne Wasser.

Das Museum ist deswegen auch eine Art Friedhof der Automarken. Denn Autohersteller wie Goggo, Meyra, Kleinschnittger, Gutbrod, Maico, Lloyd oder Fuldamobil existieren längst nicht mehr. Die Idee vom minimalen Auto jedoch erlebt gerade wieder eine Renaissance. Auf der IAA im September in Frankfurt jedenfalls waren diverse Kleinstfahrzeuge zu sehen, die konzeptionell in der Tradition von Kabinenroller & Co. stehen: VW Nils, Opel RAK-e oder Audi Urban Concept heißen die Modelle - vorläufig allerdings sind das allesamt noch Studien.

Wer Vorbilder in der Voit-Sammlung sehen möchte, kann sich über die Website für einen Besuch anmelden.

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