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Kultauto DeLorean: Und ewig blinkt der Flux-Kompensator

Aus Hem berichtet

Er gilt als der Apple Macintosh der Autowelt: Anfang der Achtziger kreierte John DeLorean einen Gegenentwurf zu den Einheitskarossen aus Detroit. Seine Firma floppte, doch der Edelstahlflitzer DMC-12 wurde zur Ikone. Noch heute ist der Kultwagen quicklebendig.

Flux-Kompensator? Zeitreise per Plutonium-Antrieb? Von wegen! Ed Udings erster DeLorean war sogar für die Gegenwart zu klapperig: Der Wagen gab bereits nach wenigen Tagen den Geist auf. "Das Getriebe war hinüber. Da war nichts mehr zu machen", sagt der Holländer, während hinter ihm eines der silberfarbenen Autos auf einer Hebebühne nach oben schwebt. Wegen der geöffneten Flügeltüren sieht es aus, als ob der Wagen gleich abhebt.

Mehr als ein Dutzend DeLoreans stehen in Udings Werkstatt, einer Fertighalle im westfriesischen Drechterland. Bei einigen funkelt die blankpolierte Edelstahlkarosserie, andere sehen arg mitgenommen aus. "In Europa gibt es noch ungefähr 700 Stück, die Hälfte ist fahrtüchtig", sagt der kleine, kräftig gebaute Mann und zeigt auf eine Weltkarte. Dort sind die Standorte seiner Kunden mit gelben Reißnadeln verzeichnet. Es sind ziemlich viele.

Der DeLorean wird seit 27 Jahren nicht mehr gebaut - doch der Kult um den vom ehemaligen General-Motors-Manager John Z. DeLorean auf die Straße gebrachten Flitzer ist nicht totzukriegen. Das Auto ist eine Ikone der Achtziger, eine Art Zauberwürfel auf Rädern. Das liegt am Auftritt in den drei Teilen des Filmes "Zurück in die Zukunft" - aber auch am ungewöhnlichen Design des Fahrzeugs.

Flügellahmer Flitzer im Giugaro-Design

Anfang der achtziger Jahre waren bei GM, Ford und Chrysler aufregende Formen passé, Detroit waren die Ideen ausgegangen, die Big Three produzierten langweilige Allerweltskarossen. Delorean wollte einen schnittigen, aber bezahlbaren Sportwagen dagegensetzen. Skizziert wurde das Auto von Golf-Designer Giorgetto Giugaro, die britische Sportwagenschmiede Lotus kümmerte sich um die technische Umsetzung.

Uding zeigt auf einen V6-Motor, der auf dem Boden der Werkstatt steht. "Den haben viele Leute kritisiert", sagt er, "zu schwach, zu wenig PS". Tatsächlich ist der DeLorean mit seinen 170 PS für einen Sportwagen ein wenig schmalbrüstig. Aber der ehemalige Motorsportprofi aus Holland hilft gerne nach, wenn der Kunde es wünscht. "Man kann mit Turbo auch 200 PS rausholen, oder 300." Aber eigentlich sei das nicht wichtig. "Die Maschine ist von Peugeot-Renault-Volvo, hat ein ordentliches Drehmoment und läuft locker eine halbe Million Kilometer."

Dass der DMC-12 immer noch derart viele Fans hat, liegt aber vermutlich nicht am Motor. Was den Wagen einzigartig macht, ist die Story des Firmengründers, die untrennbar mit dem Edelstahlflitzer verbunden ist. John DeLorean gerierte sich gerne als Rebell; als einer, der gebrochen hatte mit Detroits Art und Weise, Autos zu bauen; als Alternative zu GM und Ford. Er propagierte ein "Think different" - in gewisser Weise war er ein Steve Jobs der Autoindustrie.

Unter dem Edelstahlkorpus: Standardware

Dabei ist der DeLorean letztlich ein stinknormales Auto - zumal eines, das hastig zusammengeklöppelt wurde: Sechs Jahre dauert die Entwicklung eines Fahrzeugs üblicherweise, der DMC-12 entstand in zwei. "Wenn man das bedenkt, ist das Ergebnis ziemlich beachtlich", findet Uding. Wegen des Zeitdrucks konnte das Unternehmen viele geplante technische Finessen nicht umsetzen - und griff stattdessen auf Standardteile zurück

Der Werbeslogan für das von Januar 1981 bis Dezember 1982 produzierte Auto lautete "Live the dream". Tatsächlich gelang es John DeLorean, seinen futuristischen Flitzer zum Medienthema zu machen. Zu sagen, dass der gebürtige Detroiter über Charisma verfügte, trifft es kaum. Das wäre in etwa so, als ob man Stephen Hawking eine gewisse Intelligenz bescheinigte.

Delorean war ein unglaublicher Charmebolzen. Zu seinem rasch wechselnden Freundinnen gehörten Raquel Welch und Ursula Andress. Die Medien lagen ihm zu Füßen. Es gelang ihm sogar, der britischen Regierung mehr als 120 Millionen Dollar für den Bau eines DMC-Autowerks im nordirischen Dunmurry abzuschwatzen - damals praktisch Kriegsgebiet.

Auch vier Jahre nach dem Tod des Autovisionärs scheint sein Charme nicht erloschen zu sein. Vergangenes Jahr erschien ein Popalbum, das DeLoreans Leben besingt. Auch in Udings Werkstatt ist der "Traumhändler aus Detroit" ("People") allgegenwärtig. In Schlaghose und Blazer lächelt er von einem Werbeposter, in einer Vitrine steht Deloreans Schmähkritik "On A Clear Day You Can See General Motors".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
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1. Das war keine Kuh...
hanky 22.04.2009
...sondern ein ausgewachsener Bulle! (Im Video bei 2:42) Typisch Großstädter oder doch eher 80mph statt 80km/h gefahren? Besten Gruß, Hank
2. Geld
DJ Doena 22.04.2009
Och, wenn ich das Geld hätte, würden so einige Serienautos meine Garage zitieren. Der DeLorean wäre natürlich dabei. Aber auch ein orangener Dodge Charger, mit zugeschweißten Türen und Südstaatenflagge. Oder ein schwarzer (modifizierter) Pontiac Firebird Trans Am, wie er hier zu sehen ist: http://www.mykitt.de/ Oder einen GMC Sierra Grande mit Fall Guy-Emblem vorne drauf.
3. extrem selten, aber unheimlich attraktiv
reflexxion 22.04.2009
ich habe in meinem ganzen Leben nur einmal in freier Wildbahn einen DeLorean gesehen. Er stand damals vor dem Eingang zu einem Holiday Inn in Scottsdale, Arizona. Die klar lackierte Edelstahloberfläche blitzte nur so in der gleissenden Sonne. Dagegen war mein Dodge Dynasty Mietwagen aus einem anderen Jahrtausend übrig geblieben. Technisch sollen sie ja nicht so gut gewesen sein, weil der verkorkste französische V6-Einheitsmotor eben einfach nicht gut war. Privat kaufen würde ich ihn trotzdem nicht, da kämen einfach zuviele andere Modelle vorher dran. In einem KITT habe ich schon gesessen (Universal Studios), das ist nicht mein Ding. Dann schon eher ein alter 300 SL, gern auch als Roadster ohne die Flügeltüren (auch da hab ich schon drin gesessen). Porsche muss nicht sein, das ist nicht meine Welt. Auch ganz andere Modelle kämen in Frage, z.B. Land Rover Defender oder Unimog 406 oder ein VW Bus Typ 3 (der kantige mit Heckmotor). Auch bei den echten Sportlern würde ich fündig, aber ein Ferrari 348 würde es auch tun, sogar mit Motorschaden - Hauptsache man kann noch drin sitzen. Zum Fahren wäre er mir sowieso zu schade.
4. Was ist schon ein Flux-Kompensator
Schobel Grott 22.04.2009
gegen den Veeblefetzer und Glüstok 13 U?
5. Ob ZeitDossier oder Zeichentrick
LoxodonMage 22.04.2009
Zitat von sysopEr gilt als der Apple Macintosh der Autowelt: Anfang der Achtziger kreierte John Delorean einen Gegenentwurf zu den Einheitskarossen aus Detroit. Seine Firma floppte, doch der Edelstahlflitzer DMC-12 wurde zur Ikone. Noch heute ist der Kultwagen quicklebendig. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,620441,00.html
Schön zu sehen, dass man bei SPON Seth MacFarlanes "American Dad" schaut. Am Sonntag lief auf Fox eine Folge in der es hauptsächlich um den Delorian ging, natürlich höchst unterhaltsam, so wie bereits die ganze vierte Staffel. Schade, dass die diesen Quell der Inspiration bei ihrem Infotainment/Galileo/WissenverAcht Beitrag nicht erwähnen. American Dad - Delorean Story-An (4AJN09)
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