Fahrbericht Lada 4x4 Urban Niva er luxuriöser

Der Lada Niva wird modernisiert. Im Klartext: Er bekommt elektrische Fensterheber. Wer sich den skurrilsten Geländewagen südlich Sibiriens als Neuwagen sichern will, muss sich allerdings beeilen.

Von Michael Specht

Specht

Kaum ein Autohersteller verweigert sich dem Fortschritt so konsequent wie Lada. Bestes Beispiel dafür ist das Modell Niva: Seit der Markteinführung des Geländewagens im Bauklötzchendesign vor fast 40 Jahren beschränkte sich die Entwicklung im Wesentlichen auf einen Namenswechsel - das Auto heißt seit einiger Zeit Taiga. Mehr hat sich seit 1977 eigentlich nicht geändert.

Insofern ist es durchaus angebracht, beim jetzt vorgestellten Lada 4x4 Urban von einer Revolution im Lada-Universum zu sprechen. Um Missverständnisse von vornherein auszuschließen: Beim Urban handelt es sich um ein Facelift des Taiga, der früher mal Niva hieß. Die Namensgebung ist damit viel komplexer, als es die Technik wohl je sein wird.

Trotzdem: Im Urban 4x4 bietet sich jetzt der Luxus von beheizbaren Sitzen, elektrisch verstellbaren Außenspiegeln sowie elektrischen Fensterhebern. Und das ist längst nicht alles - sogar Cupholder befinden sich jetzt zwischen den Vordersitzen, außerdem kann man den Wagen in zwei verschiedenen Metallic-Lackierungen bestellen.

Nostalgie im Neuwagen

Na, zu viel versprochen? Die Liste an Neuerungen ist ja beinahe lang genug, um Lada-Puristen zu verschrecken. Aber für sie gibt es Entwarnung: Auch unter der Bezeichnung 4x4 Urban erlebt man im Niva immer noch eine Zeitreise in die Geländewagenwelt der späten Siebziger. Der Motor heult, das Getriebe jault, das Fahrwerk rumpelt, die Schaltung hakelt und schon bei Tempo 120 wechselt man für die Unterhaltung mit dem Beifahrer besser auf Zeichensprache.

Im Cockpit dominiert Schwarzplastik, die Heizung wird per Schieberegler justiert, das Gebläse mittels Kippschalter angeworfen. Das Lenkrad ist nicht verstellbar, was einer bequemen Sitzposition nicht unbedingt förderlich ist. Die Rücksitzlehne lässt sich nur als Ganzes nach vorne klappen und beim Schließen der Heckklappe muss man aufpassen, nicht von selbiger erschlagen zu werden.

Extrem übersichtlich: Das Cockpit im Urban 4x4. Das Radio kostet extra.
Specht

Extrem übersichtlich: Das Cockpit im Urban 4x4. Das Radio kostet extra.

Angetrieben wird die Ikone von einem betagten, wenngleich etwas modernisierten Vierzylinder-Benziner mit 1,7 Liter Hubraum und 83 PS. Von 0 auf Tempo 100 braucht der Urban 19 Sekunden. Klingt lange, hat aber den Vorteil, dass man es sich als Fahrer gut überlegen kann, weiter aufs Gas zu drücken: Denn bis 100 km/h fühlt man sich halbwegs wohl, doch darüber wird's ungemütlich, zumal das schwammige Fahrwerk und die hohe Sitzposition schnellere Kurvenfahrten zur Mutprobe machen. Ein Verbrauch von unter zehn Litern ist drin, erfordert aber äußerste Zurückhaltung.

Die, sagen wir mal "robusten", Fahreigenschaften sind nicht weiter schlimm, sondern gehören zur Lada-Folklore. Und davon lebt der Ruf des Niva ja eigentlich. Er ist dem Land Rover Defender damit ein kleiner Bruder im Geiste: Genau wie die britische Offroad-Legende findet sich der Niva häufig in zwei völlig gegensätzlichen Biotopen - meistens parkt er entweder vor Landsitzen fernab der Zivilisation oder aber vor überteuerten Wohnungen gentrifizierter Großstadtviertel.

Der neue Lada richtet sich vor allem an letztere Zielgruppe, daran lässt die Bezeichnung Urban keinen Zweifel. Die Stammkundschaft - dazu gehören vor allem Jäger, Förster sowie Kommunal- und Landwirtschaftsbetriebe - werden sich über wärmere Sitze und automatische Fensterheber aber sicher auch freuen. Und nach wie vor ist der russische Geländewagen ein echter Wühler: dank kurzem Radstand, permanenten Allradantrieb und den zwei Hebeln zwischen den Vordersitzen - einer dient der Geländeuntersetzung, der andere ist für die Sperrung des Mittendifferenzials.

Nachsicht beim Crashtest

Das alles gibt es zum Preis von 11.990 Euro. Ja, ein Schnäppchen, andererseits aber auch angemessen niedrig. Wer sich einen Niva neueren Datums sichern möchte, sollte beim Urban 4x4 aber zuschlagen, schließlich ist der Wagen ständig vom Produktionsstopp bedroht. Nicht, weil es zu wenig Käufer gibt - in Russland sieht man ihn an jeder Straßenecke und hierzulande werden jährlich immerhin tausend Exemplare verkauft. Aber irgendwann werden Vorschriften zur Unfallsicherheit dem kleinen Kantigen den Garaus machen.

Den Land Rover Defender hat dieses Schicksal bereits ereilt, er wird Anfang 2016 eingestellt. Die Weiterfahrt des Niva ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass die Lada Automobile GmbH in Buxtehude als Kleinstserienhersteller gilt und damit weniger Auflagen hat. Mit ein Grund dafür, warum es auch im Urban immer noch keine Airbags gibt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 63 Beiträge
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zap62 22.12.2015
1. 40 Jahre!? Das soll mal einer nachmachen...
Schönheit liegt im Auge des Betrachters! Dieses Auto aber kann man selbst reparieren. Versucht dies nicht mit einem Auto westlicher Herkunft, da kann man nur Teile für teures Geld austauschen! Wir sollten diese Art von Überheblichkeit einfach lassen.....
zap62 22.12.2015
2. Nachtrag
Wer behauptet denn westliche Autos verbrauchen weniger Kraftstoff und verschmutzen weniger Umwelt?
josefinebutzenmacher 22.12.2015
3. Author, heul nicht rum.
Mein erster Wagen hatte auch keine Sitzheizung, keine elektr. FH, kein verstellbares Lenkrad,keine Airbags. 1600ccm mit 72 PS. Rückbank gar nicht umlegbar, Kofferraumzugang ein Schiltz. Und trotzdem das geilste Fhzg. das ich mir vorstellen konnte.
rotweisser 22.12.2015
4. Fahrbericht
Der Artikel ist weniger Fahrbericht (wie in den ersten Zeilen angekündigt) sondern mehr "Lada-Bashing". Leider völlig unbegründet, denn für die Zielgruppe vom Niva / Taiga gibt's kaum ein besseres bzw. günstigeres Auto.
fatherted98 22.12.2015
5. Ganz nett...
...aber die Qualität ist wirklich nicht gut. Kenne einen Niva Fan....das Ding ist auch als Forstfahrzeug nicht unbedingt geeignet...weil sehr oft defekt.
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