Rod Stewarts Lamborghini Haarsprayfrisur auf Rädern

Für manche Autos muss man einfach mehr bieten: SPIEGEL ONLINE zeigt Fahrzeuge mit berühmten Vorbesitzern und Raritäten, die versteigert werden. Diesmal: Lamborghinis Aufbruch in die Neunzigerjahre.

Bonhams

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Unterm Hammer: Ein Lamborghini Diablo, Baujahr 1991.

Warum mitbieten? Nichts garantiert einen spektakulären Auftritt so sicher wie Scherentüren. Und genau die hat der Diablo. Zusammen mit dem großen Heckspoiler bringen sie sofort das Lebensgefühl der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre zurück, die Zeit der übergroßen Sweatshirts mit riesigen Designer-Logos, weißen Tennissocken in dunklen Loafers und Seidenhemden mit Schulterpolstern.

In diese Ära modischer Extreme fällt der Lamborghini Diablo. Im Januar 1990 präsentierte Lamborghini den Wagen in Monaco mit großem Tamtam, er sollte den legendären Countach ersetzen, der nach 17 Jahren Produktion eingestellt wurde. Der kantige Vorgänger hatte bei Lamborghini die Ära klassischer Sportwagen beendet und machte Lamborghini zu einem weltbekannten Hersteller radikal gezeichneter Supersportwagen.

    Die teuersten Autos der Welt sind oft keine Neuwagen, sondern gebrauchte: Oldtimer, die sich in Händen reicher Sammler befinden oder nach langer Vergessenheit plötzlich aus Scheunen wieder auftauchen. Für den gewöhnlichen Auto-Enthusiasten bleiben diese Fahrzeuge unerreichbar, nur mit ganz viel Glück bekommt man sie mal zu Gesicht. In seltenen Momenten ergibt sich aber die Gelegenheit, etwas über diese Traumwagen zu erfahren: Wenn sie versteigert werden.

    Bevor die Autos zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten wieder verschwinden, werden die alten Storys über sie neu erzählt oder sogar Geheimnisse gelüftet. Je schillernder die Geschichte eines Autos, desto höher sein Marktwert. Die glamourösesten Fahrzeuge stellen wir in einer Serie in loser Reihenfolge vor. Sie sind unsere Helden unterm Hammer - die Auction Heroes.

Der Diablo übertrug dieses Design in die Neunziger und begeisterte damit einen nicht minder auffälligen Prominenten: den britischen Rocker Rod Stewart. Kurz nachdem er die Arbeit an seinem neuen Studioalbum "Vagabond Heart" beendet hatte, kaufte sich der Reibeisenrocker 1991 genau diesen Wagen und wurde so zum ersten Besitzer eines rechtsgelenkten Diablo in Großbritannien.

Stewart gilt als Autonarr und kann sich, glaubt man seiner Autobiografie, zwar nicht mehr an alle Frauen erinnern, mit denen er geschlafen hat, dafür aber noch an alle Autos, die er jemals besessen hat. Die Liebe zu schnellen Sportwagen brachte ihn erst dazu, Musiker zu werden: "Ich wollte schlicht und ergreifend genug Geld verdienen, um ein Auto zu kaufen. Ich konnte nur zwei Dinge - singen und Fußball spielen, und ich war zu faul, um professionell Fußball zu spielen."

Zwar kaufte Rod Stewart auch bei Ferrari und fuhr unter anderem einen F40 sowie einen Enzo, auch heute besitzt er einen Ferrari 458. Doch mit Lamborghini verbindet ihn eine besondere Geschichte. Stewart besaß bereits in den Siebzigerjahren einen Miura, Lamborghinis ersten Mittelmotorsportwagen, und durfte sogar schon mit Lamborghinis Testfahrerlegende Valentino Balboni seine Runden drehen. Später fuhr er einen hellblauen Gallardo. Doch ein passenderes Auto als den Diablo gab es für Stewart scheinbar nicht - immerhin besaß er gleich zwei, 1999 kam ein gelber VT Roadster hinzu.

Bereits bei seiner Premiere war der Diablo mindestens so auffällig wie Rod Stewarts Haarsprayfrisur und strotzte vor Superlativen: Er war damals der schnellste, fortschrittlichste und natürlich teuerste Lamborghini der Markengeschichte. Doch anders als beim revolutionären Übergang vom rundlichen Miura zum kantigen Countach, die ebenfalls aus der Feder von Marcello Gandini stammten, fiel der Modellwechsel diesmal nicht ganz so brutal aus. Gandini übernahm für den Diablo viele Elemente des Countach und trimmte sie auf das neue Jahrzehnt.

Die Scherentüren und auch die seitlichen Lufteinlässe zeigten die Verwandtschaft mit dem Countach, technisch unterschied sich der Diablo jedoch deutlich von seinem Vorgänger. Der Wagen war länger und breiter. Karosserieteile aus kohlefaserverstärktem Kunststoff sollten das Gewicht niedrig halten, am Ende war der neue Lamborghini mit rund 1,6 Tonnen aber trotzdem 500 Kilo schwerer.

Dafür war er auch komfortabler und sicherer als der Vorgänger: Größere Scheiben verbesserten die Rundumsicht und, anders als beim Countach, gab es Knautschzonen vorne und hinten. Trotzdem ist der Diablo alles andere als gemütlich, so liegen die Pedale durch die riesigen vorderen Radkästen extrem nah beieinander und der Fahrer muss seine Beine seltsam schräg ins Wageninnere strecken.

Schuld daran war auch der benötigte Platz für künftige Innovationen, denn das überarbeitete Chassis war bereits für ein Modell mit Allradantrieb und einem aktiven Fahrwerk ausgelegt. Beides wurde jedoch erst in späteren Versionen realisiert.

Beim Motor setzte Lamborghini dagegen auf Altbewährtes. Der V12 aus dem Countach wurde auf 5,7 Liter Hubraum vergrößert und es gab erstmals eine Einspritzanlage für alle Modelle. Obendrauf spendierten die Ingenieure noch einen Katalysator, um die verschärften Umweltstandards zu erfüllen.

Mit 492 PS und einer verbesserten Aerodynamik war der Diablo seinem Vorgänger deutlich überlegen. Viel wichtiger war jedoch, dass ihr neues Werk mit über 320 km/h Spitze und rund 4,5 Sekunden von null auf 100 minimal schneller war als sein Konkurrent aus Maranello, der Ferrari F40.

Auch der Preis hatte Angeberpotenzial, in Großbritannien wurden damals 153.000 Pfund für den Wagen fällig, heute rund 372.000 Euro. Wer bei diesem stolzen Preis auf einen eleganten Innenraum hofft, wird enttäuscht. Das Interieur stammt nämlich von Chrysler in Detroit, Lamborghini war damals Teil des US-Konzerns.

Innenraum des Diablo
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Innenraum des Diablo

Dort hatte man wohl etwas andere Vorstellungen von Luxus. Statt schlichter Eleganz wie beim Ferrari F40 empfängt den Fahrer im Diablo ein vergleichsweise wuchtiges, billig wirkendes Lenkrad. Die Instrumente liegen direkt dahinter, lieblos verstreut in einem unförmigen Kasten. Damit die Coolness des Fahrers ja nicht auf den Beifahrer überspringt, trennt beide eine überbreite Mittelkonsole.

Dafür gab es allerlei Spielereien wie elektrische Fensterheber, eine Stereoanlage und - gegen Aufpreis - ein eigenes Kofferset, das an den nicht besonders reisetauglichen Kofferraum des Diablo angepasst war. Kostenpunkt: umgerechnet 4000 Euro.

Wer ganz sicher pünktlich am Ziel ankommen wollte, konnte sich auch noch eine Breguet-Uhr für die Mittelkonsole sichern - für schlanke 16.300 Euro. Auf diese Extras müssen potenzielle Käufer bei diesem Diablo allerdings verzichten, stattdessen gibt es die originale Garantiekarte, ausgestellt auf Rod Stewart.

Zuschlag! Bonhams versteigert Rod Stewarts Diablo am 18. März in Goodwood, erwartet wird ein Preis um die 150.000 Euro. Bei so einem Schnäppchen sollte die Dose Haarspray für die passende Frisur dann gerade noch drin sein.



insgesamt 7 Beiträge
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torsten_raab 17.03.2018
1. Fake-FactS?
"das Gewicht niedrig halten, am Ende war der neue Lamborghini mit rund 1,6 Tonnen aber trotzdem 500 Kilo schwerer." Also die englische Wikipedia ruft für den Countach ab 1982 (LP 500S, 5000 QV) 1480 Kilo auf. Für den Diablo mit Heckantrieb 1576 Kilo. Für 30 Zentimeter mehr Auto nicht wirklich viel... Das ist immerhin der Sprung vom Polo zum Golf. Ansonsten - geile Karre, nichts für Menschen mit Übergewicht oder Schüchternheit :-)
BeatDaddy 17.03.2018
2. Alle Lambos,
bis auf den Miura, sehen aus wie Origami-Unfälle. Ich fand diese Dinger noch niemals schön. Und die Technik mag zwar zu gewissen Zeitpunkten revolutionär gewesen sein, dennoch hat sie niemals den selben Glamour ausgeströmt und die selbe Qualität gehabt, wie die Technik und die schlichte Schönheit von Ferraris... Lambos sind für Leute, die meinen, sie wären etwas besonderes, bis sie feststellen, dass auch sie geblendet wurden (und das nicht nur, weil der Lambo auf Grund einer grandiosen Fehlkonstruktion abgebrannt ist...). Das diese Marke Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre so bekannt und geliebt wurde, lag wohl eher daran, dass es noch nicht so viele andere Marken mit Supersportwagen im Portfolio gab und diese Ära sowieso von Geschmacklosigkeiten aller Art nur so strotzte (siehe Vokuhila, Oliba, Schulterpolster, Dauerwelle, etc...). Heutzutage bauen sie solche Autos, wie den "Veneno", wo man sich wirklich fragen muss, wer diese Design-Ausfälle konstruiert und freigibt. Man könnte es durchaus "Mut zur Hässlichkeit", aber auch vollkommene Planlosigkeit nennen. Stellt man diesen Autos z. B. einen 812 Superfast (Ferrari) entgegen, sehen diese Lambos aus, als hätte sie "B. A. Barracus" vom A-Team zusammengeschweißt!
lobivia 17.03.2018
3. #2 @BeatDaddy
Gilt das etwa auch für den Espada?
murksdoc 17.03.2018
4. 90s
Weil es in den 90ern eine Promillegrenze von 3,0 für Fussgänger und von 5,0 für Popänger bei öffentlichen Auftritten gab, mussten Rod Stewart Konzerte regelmässig abgesagt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Onkel Rod die 0,8 Promille, die damals für den Betrieb eines PKWs galten, jemals erreicht hat. Und zwar von oben im Sinne von "unterschreiten".
tamna 17.03.2018
5. Wer jetzt einmal wieder
da ya think 'm sexy hört und sich rod in diesem auto vorstellt weiss: die gehören zusammen. echt, unverfälscht, ohne abs und irgendwelchen sicherheitss-unsinn-features...purer sex. ...sowss fehlt heute.
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