Spektakuläre Oldtimer-Auktion Die 500 Schätzchen des Herrn Lambrecht

60 Jahre alte Autos, viele davon so gut wie neu: In den USA hat ein Ex-Chevy-Händler eine beispiellose Oldtimer-Sammlung aufgelöst. Der heute 95-jährige Ray Lambrecht hatte über Jahrzehnte Neu- und Gebrauchtwagen gehortet. Der Verkauf der rund 500 Exemplare nahm den alten Herrn offenbar sehr mit.

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"Ein Neuwagen, nur eine Meile auf dem Zähler!", ruft die Auktionatorin in die Menge. Der Neuwagen ist ein Auto aus dem Jahr 1958. Das jungfräuliche Stück Automobilgeschichte, ein türkisfarbener Chevrolet Cameo, wurde nie gefahren. Im Sekundentakt rattert Yvette Vanderbrink bei der Versteigerung dafür die neuesten Gebote herunter, für 140.000 Dollar wird der Pick-up schließlich verkauft. Eine Summe, mit der die Chefin des Auktionshauses selbst nicht gerechnet hätte.

Im US-Bundesstaat Nebraska hat sich eine Schatzkammer für Oldtimer-Sammler geöffnet. Auf einem Acker in der Nähe der Kleinstadt Pierce wurde der gesamte Restbestand des ehemaligen Chevrolet-Händlers Ray Lambrecht versteigert. Die Veranstaltung musste unter freiem Himmel stattfinden - keine Halle im Umkreis der Gemeinde hätte genug Platz für die mehr als 500 Autos geboten.

Dass um die Lambrecht Auction schon seit Wochen große Aufregung herrschte, lag jedoch nicht bloß an der schieren Masse der Fahrzeuge. Ganz im Gegenteil: Es waren vor allem die ganz kleinen Zahlen, die den sagenhaften Ruf der am Wochenende versteigerten Sammlung begründeten. Denn obwohl einige der Chevys aus den fünfziger oder sechziger Jahren stammen, ist der Meilenstand auf ihren Tachos einstellig.

Überleben treibt den Preis

"Survivors" nennen die Amerikaner Oldtimer im Originalzustand. "Überlebende", die nie neu lackiert oder mit Ersatzteilen bestückt wurden. Die Lambrecht-Auktion besteht fast nur aus solchen Survivors, manche haben sogar noch die Schutzbezüge aus Plastik über den Sitzen, mit denen sie einst ausgeliefert wurden.

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Spektakuläre Oldtimer-Sammlung: Die schönsten Chevys aus Nebraska
Bei Oldtimer-Treffen und in Onlineforen hatten Autofans schon lange über die Sammlung Lambrecht spekuliert. Der ehemalige Chevrolet-Händler war dafür bekannt, Autos, die im ersten Jahr nach Markteinführung keinen Käufer fanden, in sein Lager zu stellen. Ähnlich behandelte er Gebrauchtwagen, die er vorher in Zahlung genommen hatte. "Er wollte, dass seine Kunden immer den neuesten und besten Chevrolet kaufen", erklärt Auktionatorin Vanderbrink.

In Pierce haben sich viele über die schrullige Angewohnheit Lambrechts amüsiert. Denn nur ein Bruchteil der Fahrzeuge lagerte überdacht. Die meisten Autos rosteten Jahrzehnte lang im Freien. Doch spätestens jetzt zahlt sich das Sammeln aus - auch wenn viele der Autos höchstens als Bastlerstücke mit sehr viel Restaurierungsbedarf durchgehen.

Baum aus der Motorhaube

Aus der Motorhaube eines Pick-up etwa wächst ein zwei Meter hoher Baum. Bei mehr als hundert Fahrzeugen haben Kupferdiebe die Kühler gestohlen. Bei anderen Autos sind die Scheiben kaputt oder das Dach weggerostet. Doch für viele Bieter geht es offenbar nicht um einen möglichst guterhaltenen Oldtimer. Vielmehr scheint allein der Name Lambrecht zu ziehen - 9.000 Bieter wurden insgesamt gezählt.

Sogar zwei Deutsche sind für den Oldtimer-Schatz bis nach Nebraska gereist. Sven Liedtke vermittelt mit seiner Firma Moviecars Fahrzeuge für Filmproduktionen. Gemeinsam mit einem befreundeten Automechaniker reist er drei Wochen lang quer durch die USA. Er ist auf der Suche nach Wagen, bei denen es sich lohnt, zusätzlich zum Kaufpreis den Transport nach Europa zu bezahlen.

Doch der Hype um die Sammlung treibt die Preise in die Höhe. Bei einem verrosteten türkis-grünlichen Chevrolet aus dem Jahr 1957 hebt Liedtke kurz die Hand mit der Bieternummer. Ein Gebrauchtwagen, die Deckenverkleidung hängt nur noch in Fetzen herunter. Eine der Hintertüren steht weit offen, sie klemmt und geht nicht mehr zu. In Sekunden schnellt der Preis in die Höhe. Sven Liedtke schüttelt den Kopf - sein Budget ist um mehrere tausend Dollar überschritten. Der Wagen geht für 9.500 Dollar an einen Onlinebieter, der den Chevy nie gesehen hat.

Rost im Wert von Millionen

Die Familie Lambrecht dürfte das freuen, insgesamt spielt die Auktion Millionen ein. Der ehemalige Besitzer, Ray Lambrecht, ist inzwischen 95 Jahre alt und pflegebedürftig. Unklar ist, ob er je geplant hatte, die Sammlung aufzulösen. Seine Tochter hat nun die Versteigerung initiiert. Die Familie teilt nur so viel mit: Der Verkauf seiner Lieblinge habe Ray Lambrecht sehr mitgenommen.

Abseits des Auktions-Hypes wird Sven Liedtke dann am Sonntag doch noch fündig. An diesem Wochenende haben sich auch die Vorgärten rund um die Kleinstadt Pierce in einen Oldtimer-Markt verwandelt. Eine 82-jährige Dame verkauft ihren heißgeliebten Cadillac, Baujahr 1968. Der Innenraum blitzblank, der Lack bestens gepflegt und er ist fahrtüchtig. Im Gegensatz zum Autohändler Lambrecht hat sie ihr Schmuckstück immer in der Garage stehen gehabt.

insgesamt 21 Beiträge
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Alimentator 01.10.2013
1. Verschenkt Chevrolet Autos an Händler?
Ich verstehe nicht, wie der Händler an die Autos kam. Hat Chevrolet ihm die Autos geschenkt? Oder hat er mit den Verkäufen der aktuellen Modelle solche Unsummen verdient, dass er es sich leisten konnte die Vorjahresmodelle einfach auf den Schrottplatz zu stellen?
rechtschreibreformreform 01.10.2013
2. ... mindestens 2x 4km-Tachostand
... ja, neee, is klar.
Antares42 01.10.2013
3. 95 Jahre alt...
...hätte die liebe Familie den guten Herrn nicht erst noch entschlafen lassen können ehe sie sein Erbe verscherbeln?
spon-facebook-602850554 01.10.2013
4. Ford GT-40 in
...Ganz im Gegenteil - In dem Film "Le Mans" war das GT40 offenbar abwesend. Steve McQueen fuhr ein Porsche 917... "Die glamouröse Vergangenheit dürfte große Anteil daran gehabt haben, dass für den Wagen (GT40) 11.000.000 Dollar gezahlt wurden." - Whoops
immernachdenklicher 01.10.2013
5. Bitte
Der Mann hat Autos gesammelt und nicht gehortet. Horten hört sich so nach Messi an.
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