Land Rover Defender Der Legendewagen

Der Land Rover Defender wird nicht mehr produziert und doch ewig weiterleben. Dank Menschen wie Dennis Pfisterer und Niko Caspers, die den Wagen abgöttisch lieben - aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Von Kai Kolwitz

Robert Rieger

Der Wagen ist ein Feindbild auf Rädern: Bullig, schwarz, die Karosse höher gelegt, Gitter vor den Scheinwerfern. Dazu Sportsitze, Sportlenkrad und mächtige Reifen auf ebenfalls schwarzen, breiten Felgen. Für den passenden Austritt der Abgase sorgen Sidepipes. Wer so etwas fährt, der hat nicht vor, im Verkehr zu verschwinden. Und wer so etwas in der Berliner Innenstadt fährt, der kann Reaktionen fest einplanen: "Klar, ab und zu ruft mir jemand ,Arschloch' hinterher", sagt Dennis Pfisterer und lächelt. Er ist Besitzer des Wagens, eines Land Rover Defenders, und von Beruf Werber. Das macht das Klischee komplett.

Es ist nicht so, dass sich Pfisterer der Außenwirkung nicht bewusst war, als er sich für den Kauf eines getunten Defenders entschieden hat. Provozieren wollte er allerdings auch nicht. "Ich bin Ästhet, mir hat die Form gefallen", erklärt er. "Mehr nicht."

Der 37-Jährige tritt deutlich leiser auf als das Auto, das er fährt. Und er kann sich fast kindlich über die vielen Details an dem Wagen freuen, den der Offroad-Tuner Daurperformance aufgebaut hat: Über das Lochblech an den Seiten. Den massiv getunten Turbo-Dieselmotor. Und das monströse Schalterpanel in der Mittelkonsole, mit dem sich Dinge wie Fensterheber, Außenbeleuchtung, Starktonhorn oder die Kompressoren in Betrieb setzen lassen, die bei Bedarf den Luftdruck der Reifen erhöhen. Es sind so viele Funktionen, dass Pfisterer vom Vorbesitzer einen Merkzettel mitbekommen hat.

Die Schaltzentrale: Custom-Panel im Landy von Dennis Pfisterer
Robert Rieger

Die Schaltzentrale: Custom-Panel im Landy von Dennis Pfisterer

Warum diesen Wagen? Warum den Defender, der sich auf Asphalt fährt wie ein kleiner Lkw fährt, in einer Stadt, in der sich in vielen Ecken selbst Kleinwagenfahrer schwertun, einen Parkplatz zu finden? Pfisterer lächelt wieder: "Ich hatte schon immer bekloppte Autos", sagt er, "einen getunten Käfer mit 40er Weber-Vergasern. Oder einen Ford P7b aus den Sechzigern, der hinten mit Druckluftstoßdämpfern höher gelegt war. Da haben auch immer alle geguckt."

Ein Landy als ultimatives Accessoire

Niko Caspers kennt das. Er ist Defender-Spezialist und kümmert sich in dieser Funktion auch um das Auto von Pfisterer. Nur ein Teil seiner Kunden fährt das Auto gemäß seiner Offroad-Bestimmung, für den Rest ist der Wagen ein Fashion-Statement, ein Accessoire, das die Persönlichkeit reflektieren soll. "Fast jeder Land-Rover-Fahrer will einen individuellen Wagen", sagt er. "Da reicht es manchmal schon, wenn man nur ein bisschen Riffelblech an die Karosserie montiert."

In Berlin gibt es vermutlich wenig Menschen, die mehr "Landys" in ihrem Leben gesehen haben als Caspers. Seinen ersten eigenen hat er ein halbes Jahr nach der Fahrprüfung gekauft. Inzwischen hat der Maschinenbau-Ingenieur als "Landydoc" sein Hobby zum Beruf gemacht. Im Hof seiner Werkstatt in Berlin-Schöneberg stehen dicht an dicht die Autos seiner Kunden.

Neu vs. alt: Generationentreffen beim Landy-Doc
Robert Rieger

Neu vs. alt: Generationentreffen beim Landy-Doc

Und natürlich seine eigenen, von denen einige ebenfalls meilenweit vom Originalzustand entfernt sind. Allerdings verfolgt Caspers damit ein anderes Ziel als sein Kunde Pfisterer: Caspers baut sich Arbeitsmaschinen, für Fahrten vom Nordkap bis nach Afrika, für Touren durch schweres Gelände. Caspers ist Offroad-Fan. Regelmäßig fährt er sogenannte Trials, Hinderniswettbewerbe für Offroadfahrzeuge.

Ab ins Gelände

Auf seiner Website www.landydoc.com sieht man den Land Rover surreal anmutende Böschungen hochkraxeln, über Skelette alter Eisenbahnbrücken rumpeln und mit der Seilwinde gesichert an Schrägen entlangfahren, bei denen man Zehntelsekunden später einen Überschlag erwarten würde.

"Das hat sich über die Zeit entwickelt", erinnert er sich. "Zuerst habe ich Ausfahrten abseits befestigter Pisten mit dem Serienfahrwerk gewagt und gelernt, was geht und was nicht. Dann habe ich begonnen, Dinge zu modifizieren und mich an immer schwerere Übungen gewagt."

Caspers' Wagen hat inzwischen Achsen, die sich einzeln sperren lassen, was mehr Traktion auf rutschigem Untergrund erzeugt. Mit einer Winde kann er sich zur Not selbst aus Schlammlöchern befreien. Ein beleuchtetes Messinstrument zeigt den Neigungswinkel an. "Ich will ja wissen, wann ich umzukippen drohe", sagt er. Außerdem ist der Wagen auf die Automatik eines Rover Discovery umgebaut: "Damit kann man viel feinfühliger fahren. Man hat immer Kraftschluss und muss nicht kuppeln und die Gänge wechseln. So kann man sich an einer Steigung nicht so leicht festwühlen."

Über den Tisch gezogen - von einem Pfarrer

Gut 560.000 Kilometer hat der Gelände-Landy des Schraubers inzwischen auf der Uhr, mit dem ersten, ebenfalls leistungsgesteigerten Motor. Und Caspers hat nicht das Gefühl, dass die Beziehung bald enden wird: "An den Autos kannst du alles auseinanderbauen, das ist wie Lego für Erwachsene", sagt er. "Du kannst alles reparieren. So ein Wagen stirbt nie."

Pfisterer war mit seinem schwarzen Rover noch nie im Gelände. Aber durch seinen Kontakt zu Caspers ist er zumindest neugierig geworden. Priorität haben vorher aber noch andere Dinge: Die unbequemen Schalensitze müssen raus aus dem Wagen. Und der Heckausbau mit Holzschrank auch, damit auch die Kinder des Landy-Fans mitfahren können. Außerdem wäre eine bessere Musikanlage sicherlich kein Fehler.

Ein älterer Landy ist immer ein Projekt, Pfisterer weiß das. Bereut hat er den Kauf trotzdem noch keine Sekunde: "Ich habe mein Einjähriges mit dem Auto hinter mir, und langsam wird alles gut." Anfangs, direkt nach dem Kauf, habe ihm der Wagen schon ab und zu Ärger bereitet. "Vermutlich habe ich mich ein bisschen über den Tisch ziehen lassen, es war so einiges kaputt." Dabei hatte er sich weniger vom robusten Image des Defenders blenden lassen als vom Beruf des Verkäufers: "Der Wagen gehörte davor einem Pfarrer."

Ein Porträt von Dennis Pfisterer ist ebenfalls bei "Freunde von Freunden" erschienen. Den Text finden Sie hier.

Freunde von Autos
  • Luke Abiol
    SPIEGEL ONLINE stellt Männer und Frauen mit ganz besonderen "Beziehungskisten" vor - Menschen, die mit ihrem Auto ein größeres Ziel im Blick haben als nur den Weg von A nach B. Sie sind "Freunde von Autos". In Kooperation mit dem internationalen Interviewmagazin "Freunde von Freunden" zeigen wir Porträts zeitgenössischer Autokultur.

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
Bobby Shaftoe 04.02.2016
1.
Wenn man sich den Teile- und Zubehörmarkt für den Landy ansieht, kann man nur schlussfolgern: Der Landy ist das iPhone unter den Autos. Und ihre Besitzer lassen sich genauso leicht abrippen.
Martl 04.02.2016
2. Fehlkonstruktion
Das Auto sieht auf seine Art richtig gut aus. Ist aber nur für max. mittelgroße Menschen konstruiert. Alles was die 1,80m an Körpergröße übersteigt, hadert mit dem zu nah an die Tür positionierten Sitz. Hab selbst mal ausprobiert und mir ordentlich das Knie gequetscht beim Schließen der Tür.
Becks 04.02.2016
3. Ruhe sanft...
Gut, dass der endlich eingestellt wird. Ich konnte am Ende nicht mehr mit ansehen, wie das letzte ehrliche Nutzfahrzeug und eine Ikone britischen Understatements immer mehr zur geschmacklosen Lifestylekutsche für Großstadtjuppies degenerierte. Von einem frustrierten Monteur in Solihull hörte ich mal über die Ford Marketingleute: "It’s a tool thing - they don't understand it..."
Arnos_Weltbild 04.02.2016
4.
Nen Landi kann man ja auch nicht mit den Kriterien eines "Autos" messen. Das geht auch nicht bei einem Motorrad oder nem Segelboot. Solch ein Ungetüm ist ein Hobby, es aufs Fahren zu beschränken ist, als würde man alle Speisen rein nach ihrem Kalorieninhalt bewerten wollen....
thomas.d. 04.02.2016
5.
In erster Linie ist ein Landrover eine fahrende Opferanode! Stichwort "Kontaktkorrosion" Alu/ Stahlrahmen. Da fließen nette Ströme:-)
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