Lastenrad Bicicapace Justlong Ein Fahrrad zum Flirten

Bei Lastenrädern heißt es für Kinder meist: ab in die Kiste. Wie es eleganter geht, zeigt nun ein italienischer Hersteller.

Bicicapace

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Wer auf einem Bicicapace (sprich "Bidschikapadsche") sitzt, bleibt nicht lange alleine. Es ist das Fahrrad für den ersten Flirt des Lebens.

Bei unserem Sohn passierte es quasi im Vorbeifahren. Henry hockte auf der Rückbank des Bicicapace, als seine Kita-Bekannte Ida im klassischen Fahrradkindersitz zum Überholmanöver ansetzte. "Ida", rief der Zweijährige, Ida erwiderte "Henry", zeigte auf die Sitzbank, und schon war es geschehen: Die Zahl der Mitfahrer auf dem Bicicapace hatte sich verdoppelt. Parbiken statt parshippen, der Erfolg scheint garantiert.

Tatsächlich ist das Besondere am Bicicapace der verlängerte Gepäckträger von 80 Zentimetern Länge - gut gesehen, Ida. Dieser kann unterschiedlich ausgerüstet werden. Optional bietet der Hersteller aus Mailand beispielsweise Taschen an, die daran befestigt werden können. Auch Kindersitze oder eine Rückbank lassen sich an den Stahlstreben gegen Aufpreis montieren. Wer gerne bastelt, baut einfach selber Sitzpolster an - zum Beispiel aus einer zusammengerollten Wolldecke. Auf der hocken Henry und Ida.

Dank des variablen, verlängerten Gepäckträgers fällt das Bicicapace in die Kategorie der Lastenräder. Statt wie die meisten Anbieter aus den Niederlanden oder Dänemark transportiert es den Nachwuchs nicht vor dem Lenker in einer Kiste, sondern hinten. "Cool", finden das Ida und Henry und halten sich wie auf einem Jahrmarkt-Fahrgeschäft an der Reling fest.

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Lastenrad Bicicapace: Nicht schön, aber praktisch

Die Anziehungskraft des Bicicapace Justlong liegt in seiner Schrulligkeit. Es ist keine klassische Schönheit, sondern mit seinen Mini-20-Zoll-Rädern und der aufrechten Sitzposition für den Fahrer einem Faltrad aus den Siebzigern ähnich. Kinder lieben es, weil sie über die einklappbaren Fußbänke alleine auf- und absteigen können und nicht als Single im Windschatten eines Elternteils fahren müssen, sondern sogar zu dritt auf der Rückbank Platz finden - auch gegen die Fahrtrichtung.

Die Last liegt beim Bicicapace hinten

Lastenräder liegen im Trend, ihr Absatz konnte auch im vergangenen Jahr laut Zweirad-Industrie-Verband leicht zulegen. Die positive Entwicklung führt zu immer neuen Formen des Fahrradtransports. Auch, wenn Bikes wie das Bicicapace in Europa noch eher selten sind, in den USA fahren diese sogenannten Longtails in größeren Stückzahlen vor. Sie sind die Pick-ups unter den Fahrrädern - mit langer Ladefläche oder verlängerter Rückbank.

Während die Kinder auf der Hinterbank die Welt entdecken, muss vorne ordentlich in die Pedale getreten werden. Das Bicicapace wird überwiegend aus Stahl gefertigt, sein Gewicht liegt bei etwa 28 Kilo. Das solide Material und dessen großzügige Verwendung merkt man dem Rad an. Bei den alltäglichen Touren im Stadtteil stört das nicht, beim Pendeln wünscht man sich zur Unterstützung einen E-Motor. Die Basis-Version (ab 1299 Euro) kommt mit einer Drei-Gang-Nabenschaltung von Shimano, die für Touren im Hamburger Flachland völlig ausreicht. Optional gibt es auch eine 8-Gang-Schaltung. Doch auch mehr Wahlmöglichkeiten können keinen E-Motor ersetzen.

"Das Konzept ist einzigartig"

Noch gibt es keine elektrische Anschubhilfe ab Werk, doch René Reckschwardt, der sich mit seinem Fahrradladen Ahoi Velo in Hamburg auf Cargobikes spezialisiert hat, weiß, dass der Hersteller künftig auch eine Version mit Shimano-Steps-Mittelmotor anbieten wird. Wer sich jetzt für ein solches Lastenrad entscheidet, muss selber nachrüsten, beispielsweise mit einem Antrieb von Pendix.

"Das Konzept von Bicicapace ist einzigartig", sagt Reckschwardt. Das Besondere im Vergleich zu Konkurrenten wie Yuba, die ebenfalls sogenannte Longtail-Bikes herstellen, sieht er in den kleinen Rädern. Diese machen das Bicicapace zwar nicht schnell, aber wendig. Trotzdem fährt es sicher gerade aus. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, bei Cargobikes ist es aber keine.

Den Markennamen Bicicapace trägt das Rad zu Recht

Gerade bei dreirädrigen Modellen lastet oft zu viel Gewicht auf der Vorderachse, was die Räder entweder extrem träge oder nervös macht und so bei Bremsmanövern geradezu gefährlich. Nicht das Justlong. Dem Hersteller aus Mailand ist es gelungen, das Rad so zu konstruieren, dass es sich mit Kind und Kisten an Bord - oder auch ohne - fährt wie ein normales Fahrrad. Was sicher auch an seinen kompakten Radstand von zwei Metern liegt. Es passt sogar in die S-Bahn. Seinen Markennamen Bicicapace, übersetzt bici: Fahrrad; capace: fähig, trägt es zu Recht. Hierzulande würde man es vielleicht "Lastenesel" nennen - und das ist als großes Kompliment zu verstehen.

Seit es in unserem Familienfuhrpark steht, haben wir den Getränkelieferanten abbestellt. Nun kommen die Fruchtsäfte und Bierkästen nicht mehr im Mercedes Sprinter, sondern auf dem Gepäckträger des Lastenrads. Auf die Rückbank passen zwei bis drei Kisten, dann fährt der Nachwuchs entweder auf dem Frontsitz oder im Anhänger mit. Insgesamt darf das Justlong 150 Kilo zuladen.

Wer sich für ein Bicicapace entscheidet, kann sein Auto verkaufen. Allein eine für den Lenker erhältliche Tasche fasst 80 Liter und ersetzt fast einen kleinen Kofferraum. Fehlt nur noch die Sitzheizung für den Winter und ein Regenschutz für schlechte Tage - dann könnten die Pkw-Hersteller tatsächlich einpacken.



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
marbh 10.07.2017
1.
Man kann auch einfach vorne und hinten einen Kindersitz montieren. Auf dem Gebrauchtmarkt bereits ab ca. 20 € zu haben :-)
2cv 10.07.2017
2. nicht wirklich kinder-tauglich
Also das abgebildete Kind, das da gerade versucht, in das Lastenrad reinzuklettern: bei dem Ständer untendrunter ist es technisch-physikalisch unmöglich, reinzuklettern, ohne dass entweder ein Erwachsener das Rad festhält, oder man von einer Bank oder ähnlich höherem seitlich einsteigt, in der Hoffnung dass man nicht umkippt. Des Weiteren fehlt eine Rückholfeder für die Ausrichtung des Vorderrads möglichst immer geradeaus. Wer mal einen vollen Korb vorn befestigt hat, oder gar einen gefüllten Beutel wie den abgebildeten, und dann mal den Lenker losläßt, wird sehen, dass sich das Vorderrad ganz schnell zu einer seite wegdrehen wird, und dann das Gewicht, das dann aussenmittig hängt, gleich das Kind hinten mit umreisst und die ganze Chose umfällt. Kinder ohne Rückenstütze zu kutschieren ist alles andere als orthopädisch sinnvoll, fragen Sie mal den Kinderarzt ihres Vertauens. Sicherlich "Für Italiener Ausreichende Technik" - oder wie hiess der Spruch noch - aber in der Praxis benötigt man da noch einiges an Verbesserung.
kalle.s 10.07.2017
3. Kindermitnahme
Das Konzept mag erst mal ganz interessant aussehen, aber ob 20" in der Stadt am Lastenfahrrad ideal sind? Ich weiß nicht .... Das mag für ein Faltrad noch angehen, aber Schlaglöcher, Wurzelaufwerfungen, Bordsteine mit Last und kleinen Räder ist sicher nicht die ideale Kombination. Die Position des Scheinwerfers sorgt auf jeden Fall für ein eingeschränktes Leuchtfeld und vor allem für eine deutlich reduzierte Wahrnehmung durch andere Verkehrsteilnehmer, das ist einfach Mist. Die Frage, ob man die Kinder auf die Bank setzen möchte, stellt sich in Deutschland sowieso nicht. STVO §21 (3) "Auf Fahrrädern dürfen nur Kinder bis zum vollendeten siebten Lebensjahr von mindestens 16 Jahre alten Personen mitgenommen werden, wenn für die Kinder besondere Sitze vorhanden sind und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Vorrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können." Zumindest erwähnt werden sollte es in diesem Artikel. So wie auf den Bilder gezeigt darf es in Deutschland auf keinen Fall gefahren werden.
Felix E. 10.07.2017
4. Denkt keiner mit?
Das Hinterrad an dem die Kinder ihre Füße positionieren ist nicht ausreichend geschützt vor dem Eindringen der Kinderfüße. Da gehört ein Gitter hin, sonst können Kinderzehen in die Speichen gelangen. Da entwickeln diese Leute über Monate ein Produkt und ich als Laie entdecke auf den ersten Blick nach 5 Sekunden einen derart massiven Mangel...
Jens.Daniel 10.07.2017
5.
Zitat von 2cvAlso das abgebildete Kind, das da gerade versucht, in das Lastenrad reinzuklettern: bei dem Ständer untendrunter ist es technisch-physikalisch unmöglich, reinzuklettern, ohne dass entweder ein Erwachsener das Rad festhält, oder man von einer Bank oder ähnlich höherem seitlich einsteigt, in der Hoffnung dass man nicht umkippt. Des Weiteren fehlt eine Rückholfeder für die Ausrichtung des Vorderrads möglichst immer geradeaus. Wer mal einen vollen Korb vorn befestigt hat, oder gar einen gefüllten Beutel wie den abgebildeten, und dann mal den Lenker losläßt, wird sehen, dass sich das Vorderrad ganz schnell zu einer seite wegdrehen wird, und dann das Gewicht, das dann aussenmittig hängt, gleich das Kind hinten mit umreisst und die ganze Chose umfällt. Kinder ohne Rückenstütze zu kutschieren ist alles andere als orthopädisch sinnvoll, fragen Sie mal den Kinderarzt ihres Vertauens. Sicherlich "Für Italiener Ausreichende Technik" - oder wie hiess der Spruch noch - aber in der Praxis benötigt man da noch einiges an Verbesserung.
"Unmöglich einzusteigen": Mit der Logik müssten sie auch alle handelsüblichen Kindersitze verdammen. Jüngere Kinder können doch außerdem sowieso nichts alleine.. "Ohne Rückholfeder am Vorderrad fällt das Rad um": Millionen Menschen fuhren und fahren mit Körben oder Beuteln am Vorderrad, seit Jahrzehnten, und das sogar ohne Rückholfeder. Klar, die wackeln oft ein bißchen rum, aber Sie tun ja so, als würde ein Gepäckstück am Lenker unweigerlich zur Katastrophe führen. "Kinder ohne Rückenstütze zu kutschieren ist unergonomisch": Na da passen Sie aber auf, dass Ihre Kinder niemals ohne Rückenstütze auf dem Fußboden sitzen oder so. Die könnten schwerste bleibende Schäden davontragen und spätestens mit acht Jahren eine Körperhaltung haben wie ein Höhlentroll ... Meine Güte, man kann es auch übertreiben mit dem Sicherheitsgedanken. Lassen Sie mich raten: Fahrradhelm, Knieschoner, Bergstiefel und Auslandskrankenversicherung mit Zusatzreflektor auf der Police, wenn sie zum Bäcker Brötchen holen fahren?
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