Autonamen sind eine heikle Angelegenheit. Bestes Beispiel: Das Pajero-Desaster. Mitsubishi betitelte Anfang der Achtziger ein neues Geländewagenmodell mit einem Wort, das auf Spanisch "Feigling" und in Lateinamerika "Wichser" bedeutet. Ähnlich ungeschickt bei der Namenswahl war Audi mit dem E-tron. Der Elektrosportwagen macht sich in Frankreich als Kothaufen ("Étron") zum Gespött. Die Liste solcher Marketing-Pannen ließe sich beliebig fortsetzen. Manchmal sind die Besitzer einfach besser beraten, sich selbst einen Namen für ihr Gefährt auszudenken.
Genau das machen auch viele Autofahrer. Mögen ihre Fahrzeuge auch noch so gelungene Bezeichnungen tragen - sie taufen die Vehikel lieber "11friede", "Monty", "Frau Focus" oder geben ihnen liebevolle Kosenamen wie "Quarkbrot" oder "The Tank". In einer Bildergalerie stellen wir Ihnen einige dieser kreativen Besitzer und ihre vierrädrigen Lieblinge vor. Dabei wird auch verraten, welche Hintergründe die selbsterfundenen Namen haben.
Aber warum geben Menschen ihren Autos überhaupt Namen? "Viele Leute identifizieren sich sehr stark mit ihrem Fahrzeug", sagt Käte Meyer-Drawe. Sie ist Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Bochum und hat sich mit dem Thema in einer wissenschaftlichen Arbeit auseinandergesetzt. "Indem die Besitzer ihren Autos Namen verpassen, verstärken sie den persönlichen Bezug zu ihnen."
Gleichzeitig biete sich damit die einfache Möglichkeit, das eigene Fahrzeug aus der Masse hervorzuheben. "Mit einem selbstgewählten Namen lässt sich das Auto individualisieren, es wird zu etwas Besonderem", sagt Meyer-Drawe. Das Automobil sei eben eine Maschine, die viel Zuwendung bekomme. Anderen Gebrauchsgegenständen werde eine solche Ehre eher selten zuteil: "Ich habe noch nie jemanden getroffen, der seinem Staubsauger einen Namen gegeben hat."
"Ein Auto ist ja wie ein Mensch"
"Autos sind die einzigen Produkte, mit denen man spricht", sagt auch Manfred Gotta, "wenn es im Winter zum Beispiel nicht anspringen will, brüllt man es an". Autonamen sind sozusagen Gottas Beruf. Zu seiner Kundschaft zählen Unternehmen wie Opel, Daimler und Porsche. Für ihre Modelle hat der Werbetexter aus Baden-Baden unter anderem die Namen Twingo, Smart, Vectra und Cayenne erfunden. Bei Fahrzeugen falle ihm die Arbeit leicht. "Es handelt sich einfach um ein emotionales Produkt. Ein Auto ist ja wie ein Mensch - es hat Ohren, ein Gesicht und einen Hintern."
Dass auch von ihm betitelte Fahrzeuge von ihren Besitzern manchmal umgetauft werden, sieht er übrigens gelassen: "Wenn jemand seinen Twingo so liebt, dass er ihm einen eigenen Namen gibt, ist das doch schön. Ein Twingo bleibt er ja trotzdem."
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