Die Fernweh-Feuerwehr

Lkw-Blog Lebe wohl, roter Riese

Von

Gerrit Sievert

Der alte Feuerwehrlaster, der zum Reisemobil umgebaut wird, alles klappt wie am Schnürchen, und los geht die Reise - wie einfach erscheinen Pläne, wenn man sie unbedingt umsetzen will. Aber manchmal kommt eben alles ganz anders.

Ich hatte ja über meine Schwierigkeiten berichtet, den passenden Wohnkoffer für den Magirus-Deutz zu finden. Je länger ich suchte, desto klarer wurde mir auch die Schwierigkeit des ganzen Unterfangens - zumindest, wenn man, wie ich, nicht selbst ein begabter Schrauber ist.

Ich wäre ja wirklich gerne gesegnet mit zwei geschickten Händen und fähig dazu, sämtliche Probleme aus dem Weg zu hämmern. Vielleicht habe ich ja sogar Talent, wer weiß - an Wissen mangelt es mir aber deutlich, und man kann sich in Foren und Büchern auch nicht alles mal eben anlesen. Ein LKkw ist zudem massiv und schwer. Man steht davor, sieht die riesigen Schrauben und fragt sich als Laie, wie man da jemals überhaupt etwas bewegen will.

Dazu kommt die Koffer-Problematik, das Erhalten der Oldtimer-Zulassung, vom Innenausbau zum Wohnmobil ganz zu schweigen. Das sind alles keine unlösbaren Probleme - wenn man eine Werkstatt hat und wenn man weiß, was man tut.

Im Klartext: Ich musste einsehen, dass der Umbau des Feuerwehrwagens zu einem Reisemobil eine Nummer zu groß für mich ist.

Der Magirus ist in guten Händen

Es hilft alles nichts, ich muss die Reißlinie ziehen, bevor es zu spät ist. Noch ist das Auto ganz, die schöne Feuerwehr wurde noch nicht verunstaltet, und ich habe mich noch nicht zu tief in die Aufgabe gestürzt.

Ich hatte natürlich auch überlegt, die Sache einfach durchzuboxen. Unter Umständen wäre ich dann aber mit einem halbfertigen Lkw und unüberschaubaren Kosten dagestanden. Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, aber ich musste einfach auf meinen Bauch hören.

Der Magirus-Deutz hat bereits einen neuen Besitzer: Ein Mitglied des Allrad-Forums hat ihn mir abgekauft. Es ist nicht sein erster, er hat eine Werkstatt, und so bleibt der Laster als Oldtimer erhalten.

Die Reise geht weiter

Ich bin um eine Erfahrung reicher und bin trotz allem froh, es probiert zu haben. Ich werde die Fahrt ins Berliner Umland niemals vergessen, die Feuerwehr vollgepackt mit meinen Freunden: Die Leute stehen am Straßenrand und winken, Linienbusfahrer strecken lichthupend den Daumen raus, und staunende Kinder sichern den Feuerwehrmann-Nachwuchs. In so einem Moment meint man, alles richtig gemacht zu haben, und der Diesel grummelt ruhig vor sich hin.

Und mein Traum vom Reisen in der Wüste und von fernen Ländern? Das Virus sitzt weiterhin in mir, und es gibt ja reichlich zum Reisemobil umgebaute Lkw, vielleicht sogar eine alte Feuerwehr - ich muss sie nur finden. So eine Suche dauert, aber ist allemal überschaubarer, als einen kompletten Umbau zu stemmen.

Ich nehme jetzt einfach eine andere Route. Aber mein Ziel bleibt das Gleiche.

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39 Leserkommentare
Mertrager 30.08.2014
Okello 30.08.2014
faraway 30.08.2014
DerNachfrager 30.08.2014
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subcomandante_m 30.08.2014
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der_seher59 31.08.2014
subcomandante_m 31.08.2014
chilipalmer1911 31.08.2014
luzide 31.08.2014
subcomandante_m 31.08.2014
subcomandante_m 31.08.2014
Karl_Lauer 31.08.2014
omnium_consensu 31.08.2014
tabularaser 31.08.2014
fuvello 31.08.2014
Hamberliner 31.08.2014
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philip8 02.09.2014
meckerziege24 04.09.2014

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