18-Tonner als Luxusresidenz Der Schwerreichentransporter

Campen war mal was für Hartgesottene, übernachten im Lkw eine Notlösung für Fernfahrer. Ein Ehepaar aus Franken kombiniert beides zum Luxuserlebnis. Besuch in ihrer Villa auf Rädern.

Magellano

Michael Ebner hat mit einer Medizinsoftware Millionen verdient. Der 43-Jährige aus Franken könnte sich in seiner Freizeit in Luxushotels einquartieren, doch stattdessen verreist er lieber in seinem Wohnmobil. Klingt eigentlich bescheiden. Ist es aber nicht.

Denn das Wohnmobil von Ebner ist ein umgebauter Mercedes Actros. Und in dem 18-Tonner haben der Unternehmer und seine Frau Stefanie ihren Architekturfantasien auf 30 Quadratmetern freien Lauf gelassen. Das Ergebnis ist ein Camper, gegen den so manche Hilton-Suite wie eine Abstellkammer wirkt. Magellano heißt die motorisierte Superbude, wie der portugiesische Entdecker.

In Hotels nächtigt Ebner oft genug, an 200 Tagen im Jahr ist er nach eigenen Angaben geschäftlich unterwegs. Privat schläft er deshalb am liebsten im eigenen Bett. "Im Urlaub erst recht". sagt Ebner. Damit meint er aber nicht nur das Bett zu Hause, sondern die Kingsize-Matratzen in seiner Villa auf Rädern.

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Luxus-Laster-Wohnmobil Magellano: Gemächliche Gemächer

Hausführung im Magellano. Ebner öffnet von innen eine Tür in der Mitte der rechten Fahrzeugseite und lässt auf Knopfdruck eine vierstufige Treppe zum Erdboden ausfahren. Bevor der Besucher einsteigt, muss er die Schuhe ausziehen.

An der linken Flanke des geparkten Lkw sind jetzt zwei breite Erker ausgefahren. Im "Hausanschlussraum", wie Ebner das riesige Staufach im Unterboden zwischen den Achsen nennt, surrt leise das Stromaggregat für Licht, Küche und Klimaanlage. In den Tanks daneben schwappt Frisch- und Brauchwasser für die nächsten drei Wochen. Stefanie Ebner hat noch schnell ein paar Kerzen im Schlafzimmer angezündet, die Sitzbank in den breiten Flur gestellt und im Wohnbereich den wuchtigen Esstisch gedeckt.

Ebner zeigt die Küche: Dank Kühl-Gefrier-Kombination, Backofen und Zwei-Flammen-Herd lassen sich hier Speisen zubereiten, die dem großzügigen Ambiente angemessen sind. Es muss nicht immer die auf dem Gaskocher erhitzte Raviolibüchse sein - die Arbeitsplatte in der Küchenzeile des Magellanos ist aus Marmor. Weiter geht's ins Schlafzimmer mit Doppelbett und elektrisch ausfahrbarem Fernseher, die Schränke sind handgezimmert. Das Bad: Wo im Caravan üblicherweise viel Plastik verbaut ist, sitzt man hier auf einer Keramikschüssel. Die Duschkabine ist von der Decke bis zum Boden komplett verglast, per Fernbedienung lässt sich der Raum in verschiedene Lichtfarben tauchen. Die Stromleitungen führen 220 Volt.

Tom Grünweg

"Wohnhausqualität", sagt Ebner und klopft auf die dick isolierten Fenster. Trotz der üppigen Ausstattung bleiben noch 1,5 Tonnen Nutzlast, sagt er: "So viel Koffer und Konservendosen kann man gar nicht mitnehmen."

Ebner ist ein erfahrener Camper, schon als Kind verreiste er mit seinen Eltern im Wohnmobil. Später fuhr er selbst kreuz und quer durch Europa, dank der gut laufenden Geschäfte konnte er sich Wohnwagen in Luxusausführungen leisten. Die teuren Gefährte waren ihm trotzdem zu eng und unkomfortabel.

Als er im Urlaub in Südtirol Lkw sieht, die zu mondänen Anwesen umgebaut sind, entwickelt er kurzerhand selbst die Lösung für sein Luxusproblem. Gemeinsam mit seiner Frau überlegte er sich, wie ihr rollendes Eigenheim aussehen soll, dann ließen sie die Entwürfe in einem Actros umsetzen. Vieles davon erledigten Handwerker aus ihrer Heimat.

Aus dem Traum vom Eigenheim auf Rädern ist ein Geschäftsmodell geworden

Manchmal nutzt Michael Ebner den Magellano sogar für Dienstreisen. Und mittlerweile hat er den Magellano selbst zu einem Geschäft entwickelt: "Das Interesse war so groß, dass wir in die Auftragsfertigung eingestiegen sind." Die Ebners haben dazu eine Firma gegründet, daheim in Saal an der Saale eine Produktionshalle aus dem Boden gestampft, Mitarbeiter angestellt und die lokalen Handwerker unter Vertrag genommen.

Bei einer Stückzahl von zwei Magellanos im Jahr seien die Kosten gedeckt, sagt Ebners Pressesprecher Jan Erren. Der erste Auftrag sei kürzlich unterschrieben worden, mit einigen Interessenten stünden die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss. Wer einen Bungalow mit Reihensechszylinder haben will, muss sechs bis acht Monate Bauzeit einkalkulieren - und je nach Ausstattung rund 680.000 Euro bezahlen.

"Wir bauen keine Standards, sondern stimmen von der Raumaufteilung bis zu den Farbwelten alles mit den Kunden ab." Wer am liebsten zu zweit reist, bekommt mehr Stau- und weniger Schlafraum, Fernfahrern bietet er mehr Tanks für Wasser und Diesel, und wer beim Wintercamping nicht in kalte Stiefel steigen will, dem baut er auch eine Skischuheizung in den Keller. Wo vier Motorräder unterkommen, ist schließlich auch Platz für eine Heizschlange.

Das passende Fahrzeug zum Glamping

Ebner ist überzeugt, mit dem weißen Riesen den Nerv der Zeit getroffen zu haben: "Luxus liegt im Trend auf dem Campingplatz", sagt er. Vorbei die Zeiten, als man sich im Nobel-Caravan zwischen den anderen Campern vorkam wie im Rolls-Royce am McDrive. Zwar stellt der knapp zwölf Meter lange und vier Meter hohe Wohnlaster die Nachbarschaft buchstäblich in den Schatten, weil neben ihm oft den ganzen Tag kein Sonnenschein hinfällt. "Aber mittlerweile sind viele Plätze auf solche Fahrzeuge vorbereitet", sagt Ebner.

Aktuelle Reisereports geben ihm recht: Das sogenannte Glamping, die glamouröse Version des Campings, ist angesagt - viele Outdoor-Urlauber schlafen lieber im Himmelbett als auf der Isomatte. Mehr als vier Fahrzeuge pro Jahr wolle er jedoch nicht bauen, sagt Ebner, schließlich möchte er noch seinen eigenen Magellano genießen.

Etwas Zeit muss man in der Tat einplanen, wenn man mit dem Laster verreist. 12,8 Liter Hubraum und 421 PS klingen zwar stattlich, aber schneller als 80 km/h darf und mehr als 110 km/h kann man damit nicht fahren. Und um beim Campen nicht auf einen Chauffeur angewiesen zu sein, muss man wie die Ebners natürlich den Lkw-Führerschein haben.

Für ihre Kunden bietet das geschäftstüchtige Ehepaar deshalb einen Extraservice: Weil Michael Ebners Onkel Fahrlehrer ist, gibt's die Fahrausbildung beim Magellano inklusive.

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
hegri 17.03.2017
1. Vergleich mit Cabriofahren
Campen war früher definitiv Komfortverzicht und kann es durchaus auch heute noch sein. Kann, muss aber nicht, wie das hier gezeigte Beispiel darlegt. Ob, das noch etwas mit dem "generellen Verständnis" von Campen zu tun hat, lasse ich mal lieber offen. Zum Cabrio: Es gibt die Hardcore-Piloten, die auch bei ungeeignetem Wetter ihre Cobra oder ihren Morgan über die Straße treiben. Das Pendant sind Fahrzeuge mit hochgedrehten Scheiben, Windschott, Sitzheizung und Nackengebläse. Der Manierismus hat keine Grenzen.
artifex-2 17.03.2017
2. Die
Frage ist eher wohl doch : Campen oder Klotz am Bein ähh auf der Straße . Und den Neid mal außen vor !
DieterKühne 17.03.2017
3. Beeindruckendes Fahrzeug - spricht mich aber überhaupt nicht an
Wir haben bei rund 45 Jahren Campingerfahrung schon so ziemlich alles denkbare gesehen, darunter auch viele "Glamper" mit Großmobilen. Meistens stehen die auf gut befestigtem Untergrund mit viel Platz, am besten gleich auf dem Parkplatz. Da kommt bei uns wirklich kein Neid auf, sondern eher Mitgefühl, denn wir bevorzugen lauschige, kuschelige Plätze nah an der Natur. Der Glamping-Trend passt zu überdimensionierten Stadtvillen, bei denen der Garten oft kaum oder gar nicht mehr vorhanden ist. Priorität haben scheinbar aller erdenklicher Komfort und viel Prestige. Wir dagegen freuen uns schon auf den Urlaub auf dem Campingplatz "Le Paradis", dort stehen gärtnerische Gestaltung und Naturnähe im Vordergrund. Mit dem Mountain-Bike direkt vom Wohnwagen in die Weinberge, ohne Komfort, sondern hautnah an Sonne, Wind und Meer. Abends müde und mit vielen Bildern und Gerüchen im Kopf, ganz ohne Großfernseher. Wow!
biensur 17.03.2017
4. Jedem Tierchen sein Pläsierchen.
Kann sehr gut nachvollziehen, dass man im Urlaub nicht auch noch im Hotel schlafen möchte. Genauso wenig, wie man Fliegen noch toll findet, wenn sich durch den Alltag wie Busfahren anfühlt. Und wenn es in der Form zu Erholung führt, prima. Ich fände es etwas eingeschränkt hinsichtlich der befahrbaren Straßen, aber ehrlicherweise muss man schon viel kleiner werden, um wirklich uneingeschränkt über schöne Wege in schöne Gegenden fahren zu können. Mit diesen vollintegrierten 8m Vollplastikteilen geht in Irland oder Italien z.B. auch nur wenig auf den schönen kleinen Straßen oder durch Dörfer abseits der Hauptstraße. Flexibel ist man maximal in der Sprintergröße. Dann nimmt man aber nicht seinen halben Hausstand mit - wobei für mich die Auszeit gerade auch darin besteht, mal was anderes zu machen, als nur woanders das gleiche wie daheim zu tun. Ist mir schon unklar, weshalb man im Urlaub einen Fernseher braucht. Ok, Internet ist natürlich ein Muss ;) Unter den großen Wohnmobilen finde ich persönlich spannend die autarken Containerlösungen von Blissmobil und anderen: Stabil, verschiffbar in das Zielland, dort besorgt man sich ein lokales Fahrgestell und lässt es nach Abschluss der Tour zurück. Damit werden die persönlichen Anreisezeiten auch annehmbarer und man hat nicht den Stress, im in der Hinsicht vermutlichen unterentwickelten Reiseland AdBlue oder dort exotische Ersatzteile auftreiben zu müssen, damit die Reise weitergeht. Lohnt aber auch nur für richtig lange Touren in solchen Ländern, ist also wohl eher was für den Ruhestand.
jasper366 17.03.2017
5.
Zitat von biensurKann sehr gut nachvollziehen, dass man im Urlaub nicht auch noch im Hotel schlafen möchte. Genauso wenig, wie man Fliegen noch toll findet, wenn sich durch den Alltag wie Busfahren anfühlt. Und wenn es in der Form zu Erholung führt, prima. Ich fände es etwas eingeschränkt hinsichtlich der befahrbaren Straßen, aber ehrlicherweise muss man schon viel kleiner werden, um wirklich uneingeschränkt über schöne Wege in schöne Gegenden fahren zu können. Mit diesen vollintegrierten 8m Vollplastikteilen geht in Irland oder Italien z.B. auch nur wenig auf den schönen kleinen Straßen oder durch Dörfer abseits der Hauptstraße. Flexibel ist man maximal in der Sprintergröße. Dann nimmt man aber nicht seinen halben Hausstand mit - wobei für mich die Auszeit gerade auch darin besteht, mal was anderes zu machen, als nur woanders das gleiche wie daheim zu tun. Ist mir schon unklar, weshalb man im Urlaub einen Fernseher braucht. Ok, Internet ist natürlich ein Muss ;) Unter den großen Wohnmobilen finde ich persönlich spannend die autarken Containerlösungen von Blissmobil und anderen: Stabil, verschiffbar in das Zielland, dort besorgt man sich ein lokales Fahrgestell und lässt es nach Abschluss der Tour zurück. Damit werden die persönlichen Anreisezeiten auch annehmbarer und man hat nicht den Stress, im in der Hinsicht vermutlichen unterentwickelten Reiseland AdBlue oder dort exotische Ersatzteile auftreiben zu müssen, damit die Reise weitergeht. Lohnt aber auch nur für richtig lange Touren in solchen Ländern, ist also wohl eher was für den Ruhestand.
Man benötigt kein Ad Blue damit dieser LKW läuft, sprich man kann sich für Länder ohen Ad Blue Versorgung das ganze aus dem Steuergerät herausprogrammieren lassen damit der Motor ohne Ad Blue Nachschub nicht in den Notlauf fällt. Wobei diese Art von Wohnmobile eh nie in solchen Gefilden unterwegs sein werden da kein Allrad, zu wenig Bodenfreiheit etc. Für solche Exkursionen gibt es dann entsprechende Fahrzeuge mit einem Allradfahrgestell. http://richtigteuer.de/wp-content/uploads/2007/07/desert_challenger.jpg http://i.auto-bild.de/ir_img/7/3/1/4/1/3/Mercedes-Zetros-Wohnmobil-729x486-ce9db0504920b37a.jpg
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