Neunelfer-Fan Magnus Walker Der Porsche-Outlaw

Lederklamotten, Rastazöpfe, Tattoos - passt das zu Porsche? Magnus Walker ist das egal. Der Mann aus Los Angeles zelebriert seine Liebe zu den 911ern - von denen er ein paar mehr hat als der übliche Porsche-Fan.

Jon White / Delius Klasing Verlag

Von Jürgen Pander


"Guten Tag, ich bin Herr Walker", sagt Magnus Walker, greift sich in die Rastazöpfe, klopft sich auf den Rauschebart und sagt: "Hair Walker, sounds good". Dann fragt er, ob alle Englisch verstehen - nicken im Saal des Prototyp-Museums in Hamburg - und legt los. Walker, 50, geboren in Sheffield und seit 30 Jahren wohnhaft in Los Angeles, ist hier, um für seine Autobiografie "Urban Outlaw" zu werben.

Auf dem Titel sieht man ihn und seine berühmteste Porsche-Kreation, den '71er 911 T mit der aufgemalten Startnummer 277. Das Buch erschien vor knapp einem Jahr in Großbritannien, jetzt gibt es auch eine deutsche Fassung (Delius Klasing Verlag, 22,90 Euro). "Ich bin in einer nachdenklichen Phase und wollte auf die ersten 50 Jahre meines Lebens zurückblicken", sagt Walker.

Ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnliches Leben. Hier der Schnelldurchlauf: Mit 15 Schulabbruch in Sheffield, mit 19 Neustart in den USA, Second-Hand-Klamottenverkauf am Strand von Venice Beach, erste eigene Kreationen verkaufen sich blendend, Walker gründet das Modelabel "Serious Clothing" und kleidet Rockstars und Hollywoodgrößen ein, der Firmensitz und sein Loft in Downtown Los Angeles werden als coole Location für Film-, Video- und Fernsehdrehs entdeckt, die Vermietung wird - und ist bis heute - sein Hauptgeschäft.

Seine Hauptleidenschaft ist Porsche. Als Zehnjähriger besuchte Walker mit seinem Vater die London Autoshow und sah auf dem Porsche-Stand einen weißen Martini Porsche. "Da hat es Klick gemacht", sagt Walker. Doch Porsche blieb zunächst ein Traum. Sein erstes eigenes Auto war ein Toyota Corolla, den er für 200 Dollar kaufte, dann kam ein Saab 900 Turbo, dann - da war Walker 25 und hatte sich gerade im Modegeschäft etabliert - kam der erste Porsche.

Klarer Auto-Favorit ist der Porsche 911

Bis heute sind ungefähr 40 bis 50 weitere Porsche-Modelle dazugekommen, fast ausschließlich 911er aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. "Ich habe auch andere Autos ausprobiert, zum Beispiel einen '67er Jaguar E-Type, zwei '69er Dodge Super Bees, einen '73er Lotus Europa oder einen '79er Ferrari 308 GTB", zählt Walker auf. Das seien schon auch gute Autos, doch kämen sie "in der Summe aller Eigenschaften nicht an einen Porsche heran".

Vor zehn Jahren ungefähr begann Walker, seine Porsche-Typen nicht nur technisch zu modifizieren, sondern ihnen auch einen speziellen Look zu verpassen. "Ich versuche, etwas von meiner Persönlichkeit in die Autos zu stecken", sagt er dazu. Das bedeutet zwangsläufig, dass ein 911 aus Walkers Werkstatt bei einem auf Originalität und tipptopp Zustand bedachten Porsche-Fan die Haare zu Berge stehen lässt. Dafür wurden Walker und seine Kreationen in Porsche-Zirkeln bekannt, die sich dem Anti-Establishment-Tuning verschrieben haben.

So wurde auch der kanadische Regisseur Tamir Moscovici auf ihn aufmerksam. Er dreht mit Magnus Walker 2012 den 32-minütigen Dokumentarfilm "Urban Outlaw", der beim "Raindance Film Festival" in London lief. "Danach", sagt Walker mit einem Grinsen, "geriet mein Hobby außer Kontrolle". Unter anderem, weil Porsche Kontakt zu ihm aufnahm. Die Zuffenhausener buchten noch im Herbst 2012 Walkers Loft für die Autoshow in Los Angeles, um dort ein neues Porsche-Modell vorzustellen. Auf gewisse Weise erfüllte sich damals der Traum eines Zehnjährigen aus Sheffield.

Walker nimmt in der Porsche-Diplomatie eine Sonderrolle ein

Es gibt Porsche-Repräsentanten wie Walter Röhrl und Marc Webber, und es gibt Porsche-Botschafter wie die Tennisspielerin Angelique Kerber oder den Schauspieler Richy Müller - Magnus Walker gehört nicht zu diesem Kreis. Es gebe eine "gute Kommunikation" mit ihm, "weil man sich um die treuesten Fans der Marke" natürlich kümmere, heißt es in Zuffenhausen; aber diese Verbindung sei nicht offizieller Natur.

Porsche, einer der profitabelsten Autohersteller der Welt, dessen billigstes Modell in Deutschland gut 52.000 Euro kostet, ist stets bemüht um eine tadellose Außendarstellung. Magnus Walker ist wie ein Kratzer im Hochglanzmarkenimage. Das gefällt nicht jedem. Als Porsche erstmals auf Walker zuging gab es - auch im Vorstand - Vorbehalte gegen den Individualisten aus Downtown Los Angeles. Inzwischen haben auch die Skeptiker erkannt, dass ein Mann wie Walker dem Unternehmen nützt. Aus Zuffenhausen heißt es, es mache ihn gerade interessant, dass er nicht dem Klischee eines Porsche-Fahrers entspreche. Der Mann macht die Marke nämlich auch für all jene erträglich, denen Porsche normalerweise viel zu protzig und abgehoben wäre.

Ein Typ, der Porsche nahbar macht

Das ließ sich auch während der siebentägigen Buchvorstellungstournee in Deutschland beobachten. In den Porsche-Zentren in Bielefeld und Düsseldorf, wo es Veranstaltungen samt Signierstunden gab, tummelten sich am Ende nicht nur die geladenen Gäste aus den höheren Gehaltsklassen, sondern auch etliche Magnus-Walker-Fans, die über Internetposts ihres Idols von den Terminen erfahren hatten. Da rücken dann auch Leute in Jeans und Lederjacken an, die sich Nummernschilder, Armaturenbrettverkleidungen oder gleich die Motorhaube von Walker signieren lassen.

In Hamburg machte Walker außer im Prototyp-Museum, wo sich rund 500 Walker- und Porsche-Fans versammelt hatten, auch auf der Digital-Messe "Online Marketing Rockstars" halt, um den Kurzvortrag "Being a Personal Brand and Urban Outlaw" zu halten. Im Programm des Veranstalters wurde Walker als "bekanntester Porsche-Influencer" angekündigt. Darauf angesprochen, lacht Walker und schüttelt den Kopf. "Ich will niemanden beeinflussen. Ich mache mein Ding und finde nunmal Porsche gut. Aber das mit dem Kontakt nach Zuffenhausen könnte auch morgen schon vorbei sein."

Das wird es kaum, denn die Symbiose zwischen dem makellosen offiziellen Porsche-Auftritt und dem angeschmuddelten Selfmade-Star funktioniert für beide Seiten prächtig. Zumal beide auf die nötige Distanz achten. Die siebentägige und 3000 Kilometer lange Buchtour kreuz und quer durch Deutschland absolvierte Magnus Walker natürlich in einem Porsche, und zwar im Luxusmodell Panamera. Der Wagen war jedoch nicht vom Hersteller zur Verfügung gestellt, sondern von Walkers deutschem Verlag bei einem Autovermieter gebucht worden.

Ein Outlaw im Panamera? Seine Reaktion ist nicht überliefert.

Magnus Walker: "Urban Outlaw. Dirt Don't Slow You Down", 237 Seiten, 112 Fotos, Delius Klasing Verlag, 22,90 Euro.



insgesamt 3 Beiträge
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hnf0506 29.03.2018
1. Cooler Typ
..... und identifiziert sich mit der Marke. Anders als viele andere Porschefahrer, die das Auto nur für Ihre Aussendarstellung brauchen.
jmaltzan 05.04.2018
2. Glücksfall für Porsche
Wohl wahr, der Rocker will so gar nicht zum geschliffenen Porsche-Markenauftritt passen. Dass der Laden nun von Walker profitiert, ist wohl ein ziemlicher Glücksfall. Mutterkonzern VW hatte es ja in der Vergangenheit mit Rockstar-Image versucht: Wer kennt noch die Golf-Sondermodelle Genesis, Rolling Stone, Pink Floyd...? Allerdings wirkt das sehr inszeniert und instrumentalisiert. Mal sehen wann das 911-Editionsmodell "Walker" kommt.
roberttimmel 06.05.2018
3. RWB Porsche
Mich würde ja mal interessieren was Prosche von den Rauh-Welt-Begriff Umbauten aus dem Japanischen Raum hält.
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