Mercedes 150 Sport-Roadster Der letzte seiner Art

Je seltener ein Wagen ist, desto wertvoller ist er meist. Ein besonders rarer Typ ist der 150 Sport-Roadster. Gebaut wurden weniger als ein Dutzend Autos, und überlebt hat nur ein einziges. Nach 40 Jahren fährt die rote Rarität jetzt wieder - SPIEGEL ONLINE saß am Steuer.

Daimler/Dieter Rebmann

Als Mercedes den 150 Sport-Roadster im Frühjahr 1935 auf der Internationalen Auto- und Motorrad-Ausstellung in Berlin präsentierten, war der offene Zweisitzer ein Star. Erstmals stellten die Schwaben ihrem berühmt-berüchtigten Kompressorwagen für die Haute-Vollée einen Flitzer für das breitere Publikum zur Seite. Das zumindest war der Auftrag, den der damalige Vorsandschef Wilhelm Kissel im Herbst 1934 seinen Entwicklern gab, die einen "kleinen schnittigen Sportwagen" auf die Räder stellen sollten.

Doch das zunächst begeistert gefeierte Auto wurde ein Flop. Obwohl Mercedes dem Zweisitzer nachsagte, er vereine "die Vorzüge eines Gebrauchswagens mit den Annehmlichkeiten eines reinrassigen Sportwagen in idealer Weise", wurden vom Sport-Roadster nicht einmal ein Dutzend Exemplare gebaut. Nach kaum zwei Jahren wurde die Produktion mangels Nachfrage eingestellt.

Überlebt hat aus dieser Zeit offenbar nur ein einziges Auto, das Mercedes Anfang der fünfziger Jahre aus zweiter Hand mit einer Laufleistung von 44.500 Kilometern zurück kaufte. Das Fahrzeug stand seitdem im Werksmuseum und wurde mehr als 40 Jahre nicht mehr bewegt. Erst zum 75. Geburtstag des Modells machten die Schwaben die rote Rarität im Mercedes-Classic-Center im kalifornischen Irvine wieder flott.

Auf einer Ausfahrt durchs wohlhabende Orange County macht man mit dem Auto mehr Eindruck als mit jedem anderen Sportwagen, von denen es hier so viele gibt. Klein und fast so niedlich wie ein Spielzeugauto sieht der Oldie aus, schlank und lang ist die Karosserie, und von vorn sieht sie fast ein bisschen so aus wie Donald Ducks legendärer Flitzer 313 - wenn man mal von den drei Scheinwerfern absieht. Von der Seite betrachtet jedoch wirkt der 150er so, als hätte jemand beim Bau die Fahrtrichtung verwechselt. Das liegt an der damals revolutionären Konstruktion mit dem 1,5-Liter-Vierzylindermotor hinter den Sitzen. So wurde die Idee vom Mittelmotor-Sportwagen geboren.

Vor 75 Jahren mag der Mercedes 150 den Beinamen Sport zu recht getragen haben. Heute gilt das nicht mehr. Lediglich 55 PS leistet der Motor, der laut hinter der schwarzen Lederbank knattert. Und nur wer zügig den Weg durch die verschachtelte Kulisse des Dreigang-Getriebes findet und es danach - ohne Kupplung - auch noch in den so genannten Schnellgang auf Position vier schafft, kommt annähernd auf Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h.

Ein zierliches Auto für zierliche Fahrer

Aber so schnell will man mit dem 4,20 Meter langen und nur 1,60 Meter breiten Oldie gar nicht fahren. Viel zu groß ist der Respekt vor dem Alter und viel zu mühsam die Bedienung. Der Fußraum ist so eng, dass man mit dem Schuh eigentlich immer auf allen drei Pedalen zugleich steht, das Lenkrad ist so groß, dass es kaum vor die Brust passt und die Frontscheibe so klein, dass man jenseits von 1,60 Metern Größe voll im Fahrtwind sitzt.

Das Armaturenbrett ist üppig bestückt. Wo andere Autos zu dieser Zeit lackiertes Blech zeigten, gab es hier schon Tacho, Tourenzähler, Öldruckmesser, Zeituhr, Zündlichtschalter, Winkerschalter, Drehknopf für die Leerlauf-Gasregulierung, einen Knopf für die automatische Starthilfe am Vergaser sowie einen elektrischer Zigarrenanzünder. Außerdem wurde der kleine Sportwagen mit gleich zwei beleuchteten Nummernschildern am spitz zulaufenden Heck und mit abschließbaren Türen ausgerüstet, die gegen die Fahrtrichtung öffnen.

Aus der Limousine wurde kurzerhand der Sport-Roadster

Skurril wie das Auto ist seine Entstehungsgeschichte. "Die Basis für den Roadster bildete die Sport-Limousine 150, die Mercedes ein Jahr zuvor eigens für die Konkurrenzfahrt '2000 Kilometer durch Deutschland' gebaut hatte", berichtet Mercedes-Klassik-Sprecher Josef Ernst. Bei dem Härtest wollten die Schwaben die Tauglichkeit des Heckmotor-Konzeptes beweisen. Das gelang, denn obwohl zwei Autos ausschieden, erhielten die anderen vier eine Goldmedaille, weil sie die Strecke in vorgegebenen Zeit absolvierten. Danach wurden die Autos, offenbar weil es Vorstandschef Kissel eilig hatte mit einem schnittigen Sportwagen, ihrer Karosserien beraubt teilweise als Roadster neu gestaltet. Ernst: "Bei einem Preis von 6600 Reichsmark waren die Absatzchancen jedoch gleich null."

"Heute ist der Wagen ein Vielfaches wert", sagt Nate Lander aus dem Mercedes Classic-Center im kalifornischen Irvine, der die Restaurierung geleitet und den Roadster wieder flott gemacht hat. Ungeklärt ist nach wie vor, welche Farbe das Originalauto hatte. Dabei musste Lander allein am Winker sieben Schichten alten Lacks abtragen, damit die kleinen Flügel überhaupt wieder ausklappen konnten. Jetzt ist die Rarität in rot lackiert. Und das passt, weil es eher untypisch ist für Mercedes, sehr gut. Denn das ganze Auto ist ja eigentlich ein sehr ziemlich kapitales, wenn auch überaus hübsch geratenes Missverständnis.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Emil Peisker 23.07.2010
1. Ob der Ferdinand da nicht abgekupfert hat?
Zitat von sysopJe seltener ein Wagen ist, desto wertvoller ist er meist. Ein besonders rarer Typ ist der 150 Sport-Roadster. Gebaut wurden weniger als ein Dutzend Autos, und überlebt hat nur ein einziges. Nach 40 Jahren fährt die rote Rarität jetzt wieder - SPIEGEL ONLINE saß am Steuer. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,704377,00.html
Das Original von 1934 sieht dem späteren Käfer sehr ähnlich. Zudem hat der Mercedes den Motor auch schon im Heck. Ob der Ferdinand da nicht abgekupfert hat?:-)
Emil Peisker 23.07.2010
2. Ob der Ferdinand da nicht abgekupfert hat?
Zitat von Emil PeiskerDas Original von 1934 sieht dem späteren Käfer sehr ähnlich. Zudem hat der Mercedes den Motor auch schon im Heck. Ob der Ferdinand da nicht abgekupfert hat?:-)
http://www.spiegel.de/images/image-105069-galleryV9-sghd.jpg
William Foster 23.07.2010
3. Käfer vs. 150er
Na, dann finden Sie mal heraus, wann der erste Entwurf des 150ers fertig war und lesen Sie das http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A9la_Bar%C3%A9nyi. Leider fand ich keine Abbildungen seines Entwurfes aus den 20ern, die sollen aber praktisch ein Käfer bzw. KdF-Wagen sein. Interessantes Thema. Gruß, Bill
gsm900, 23.07.2010
4. Da gab es schon vorher Heckschleudern
Zitat von Emil PeiskerDas Original von 1934 sieht dem späteren Käfer sehr ähnlich. Zudem hat der Mercedes den Motor auch schon im Heck. Ob der Ferdinand da nicht abgekupfert hat?:-)
Wenn dann eher hier: http://de.wikipedia.org/wiki/VW_K%C3%A4fer#Urheberrechte http://de.wikipedia.org/wiki/VW_K%C3%A4fer#Prototypen_von_Z.C3.BCndapp_und_NSU 1932: Zündapp http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Porsche_Typ12_Model_Nuremberg.jpg&filetimestamp=20071207231054
Emil Peisker 23.07.2010
5. die Konstruktion des Käfers
Zitat von Emil PeiskerDas Original von 1934 sieht dem späteren Käfer sehr ähnlich. Zudem hat der Mercedes den Motor auch schon im Heck. Ob der Ferdinand da nicht abgekupfert hat?:-)
Ab April 1923 arbeitete er in Stuttgart als Leiter des Konstruktionsbüros und Vorstandsmitglied der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) Bei Daimler widmete er sich der Weiterentwicklung der Kompressormotoren. Mit diesen Grundlagen entstanden unter seiner Leitung die bekannten Sportwagen der Mercedestypen S, SS und SSK. In Anerkennung für die Konstruktion der bei der Targa Florio siegreichen Zweiliter-Kompressor-Mercedes verlieh 1924 die Technische Hochschule Stuttgart Porsche die Würde eines Dr.-Ing. ehrenhalber. Seine 1,3-l- und 1,6-l-Modelle erwiesen sich dagegen als herstellungsaufwändig und störanfällig. Ab 1934 konstruierte Porsche mit seinem Büro im Auftrag des Reichsverbandes der Automobilindustrie den deutschen Volkswagen, später auch KdF-Wagen beziehungsweise VW Käfer genannt. Teilweise greift die Konstruktion des Käfers auf Entwürfe des in Österreich geborenen Autokonstrukteurs Béla Barényi zurück, dem später mehrere Patente zugesprochen wurden http://www.spiegel.de/images/image-105069-galleryV9-sghd.jpg
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