Mercedes 280 SLC, Bj. 1978 Die Jagd nach dem seltenen Juwel

Nach langer Suche darf sich SPIEGEL-ONLINE-Leser Georg Thomys so privilegiert wähnen wie Jonathan Hart aus der Krimiserie "Hart, aber herzlich". Er fährt das gleiche seltene Mercedes-Coupé wie der TV-Detektiv. Dass sein Flitzer weder Regen noch Waschstraße verträgt, ist ihm egal.


Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Georg Thomys über das Leben mit seinem Mercedes Benz 280 SLC, Baujahr 1978.

Irgendwann Anfang der Achtziger muss sie mich erwischt haben, meine Liebe zur Baureihe 107 von Mercedes-Benz. Schuld daran war das Vorabend-Fernsehprogramm. Jedes Mal, wenn ich den deutschen Nobelschlitten von Jennifer und Jonathan Hart in der Krimi-Serie "Hart, aber herzlich" sah, schwor ich mir: So einen fährst Du später auch!

Etwa 20 Jahre später, Studium beendet, das erste richtige selbstverdiente Geld in der Tasche, mussten die Ausgaben für Einbauküche und Altersvorsorge erst einmal zurückstehen – jetzt wollte der Autotraum gelebt werden. In greifbare Nähe rückte er, als der örtliche Mercedes-Händler einen karamellbraunen 280 SL ins Fenster stellte. Ich fuhr Probe: Er war ein wenig überteuert, aber recht gut in Schuss. Ich taufte ihn Brauner Bär, weil seine Farbe dem gleichnamigen Eis ähnelte. Ein halbes Jahr rang ich mit mir. Sollte ich wirklich mein gesamtes Budget in ein Auto investieren?

Als ich endlich zusagen wollte, war der Wagen weg. Ich war todtraurig, aber angefixt. Richard Gere in seinem SL in "Ein Mann für gewisse Stunden" bestärkte mich in meinem Vorhaben. Die Baureihe 107 war im Vergleich zu ihrem Vorgänger, dem berühmten Flügeltürer 300 SL, in großer Stückzahl auf den Markt geworfen worden. Dennoch entwickelte sich meine Suche nach einem gut erhaltenen wie erschwinglichen Fahrzeug zu einer ziemlichen Odyssee.

Ludenkoffer mit Lamellen

Neben dem Zweisitzer, dem Cabrio SL, gibt es das zu Unrecht als Ludenkoffer verschrieene fünfsitzige Coupé SLC. Es ist nur halb so teuer wie ein gleich gut erhaltener SL. Dabei ist es viel seltener, bietet etwa 35 cm mehr Länge und besitzt mit den filigranen Lamellen in der Seitenverglasung ein recht eigenwilliges Erkennungsmerkmal. Außerdem ist der SLC eines der wenigen Coupés ohne B-Säule; die versenkbaren Seitenscheiben sind rahmenlos. Leider sind sie undicht, aber ehrlich: So ein Prachtstück wird nur bei Sonnenschein ausgefahren und nie der Hochdruckdusche in der Waschstraße ausgesetzt. Autopflege von Hand ist ein klares Muss.

Die Motorisierung zwischen 2,8 Litern und 5,6 Litern Hubraum erfüllt sehr verschiedene Wünsche bezüglich Fahrverhalten und Geldbeutelbelastung. Die Preisspanne für einen fahrtüchtigen 107er bewegt sich grob zwischen 3.000 und 30.000 Euro. Ich hatte das kleinste Coupé im Visier, am liebsten ein 280 SLC mit Stahlschiebedach und Automatikgetriebe, und ich suchte schier endlos.

Ein bananengelber SLC im Ruhrpott war zwar top erhalten, sein Preis aber leicht überzogen. Begründung des Besitzers: Seine noch originale Farbe sei schon damals extrem selten gewesen. Gott sei Dank! Ein 350er SLC in silbermetallic im Münsterland sah der Lack verdächtig gut aus. Auf der Hebebühne wurde rasch deutlich, dass es nur die Farbschicht war, die alles zusammenhielt.

Eine Halle voller Schönheiten

Ein Oldtimerhändler im Westfälischen hortete in einer Lagerhalle etwa 50 (!) Exemplare der Baureihe 107. Als er das Tor öffnete, konnte ich meine Freudentränen kaum zurückhalten, so viele Schönheiten auf einen Schlag! Beim Rundgang wurden daraus echte Tränen, denn kaum ein Fahrzeug war fahrtüchtig, die wenigen intakten hingegen unerschwinglich. Hinzu gesellte sich ein weiteres halbes Dutzend übelst verspoilerter oder überteuerter Fehlversuche...

Nach fast einem Jahr fand ich in einem lokalen Anzeigenblättchen ein Inserat für einen 280 SLC. Der wunderschöne rote Wagen war gut in Schuss, der Preis klang moderat, und als ich sah, dass das Fahrzeug an meinem Geburtstag zugelassen worden war, war klar: Dieser 107er ist meiner!

Seit sechs Jahren ist er mein treuer Begleiter am Wochenende. Größere Reparaturen waren trotz seines stolzen Alters nie notwendig, eben echte Wertarbeit! Es gibt kein Fahrzeug, das sich mit solcher Erhabenheit durch den Straßenverkehr lenken lässt. Der SLC wirkt trügerisch zierlich, aber am Steuer merkt man, dass sich ein Großteil seiner 4,75 m Länge wohl vor dem Fahrer befinden muss.

Die gewölbte Motorhaube findet kein Ende. Ein Sportwagen ist der 280 SLC trotz seiner knapp 180 PS sicher nicht. Das weiche Fahrwerk ist eher zum gemütlichen Cruisen geeignet. Aber wenn ich doch einmal den tiefen Tritt auf das Gaspedal wage, schiebt sich der 1,5-Tonner auch am Berg zügig auf 200 km/h, was bei seinen 30 Jahren ein echtes Erlebnis ist.



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
reflexxion 04.02.2009
1. falsch, er fuhr Ferrari
Wer hat das denn recherchiert? Seine Frau fuhr einen goldenen SL der Baureihe R107; aber sicher keinen 280er denn dieser Motor wurde in den USA nie angeboten. Jonathan fuhr, wenn ich das Bild richtig deute, einen Farrari 246 GTS. Der 280 SLC war ein im Radstand verlängertes Modell des R107, der ein festes Dach hatte. Das Dach hatte nicht die typische Pagodenform der Roadster-Baureihe, sondern eine normale Wölbung wie sie an Limousinen üblich ist. Der Wagen wurde zwar auch in den USA angeboten, denn es gab einen Ford Mustang, der seine Optik immitierte. In TV-Serien kam dieses Modell aber kaum zum Einsatz, weil man da eigentlich immer die offenen Modelle bevorzugte. So auch in Dallas (Bobby Ewing) und Beverly Hills Cop.
OnkelBenz, 04.02.2009
2. Slc
In der Tat fuhr nicht Jonathan (der hat im Intro `nen Spider), sondern eher seine Frau den Mercedes. Und der war weder banane noch gülden, sondern ein mimosengelber 500 oder 560 SL. Auch der M110 aus dem 280er hat seinen bescheidenen, aber oben herum kernigen Reiz. Der SLC wirkt in seiner Breitseite nicht ganz so harmonisch, wie der SL und wird ein bißchen verkannt, betrachtet man den Preisunterschied gegenüber dem offenen Modell. Die Alu-Gardine hinten ist einmalig. Würde mir auch gerne einen wegstellen. (Siehe Motor-Klassik 08, 450 SLC 5.0) Aber ich hoffe, die furchtbare Funktelefonhalterung in der Mittelkonsole ist nicht verschraubt ... und bitte runter mit den Zigeunerleisten um die Radläufe!
gsfx, 04.02.2009
3. Keine Ahnung von nichts....
Zitat von sysopNach langer Suche darf sich SPIEGEL-ONLINE-Leser Georg Thomys so privilegiert wähnen wie Jonathan Hart aus der Krimiserie "Hart, aber herzlich". Er fährt das gleiche seltene Mercedes-Coupé wie der TV-Detektiv. Dass sein Flitzer weder Regen noch Waschstraße verträgt, ist ihm egal. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,603201,00.html
Das war doch ein Cabrio, dass die hatten.
Danny Wilde 04.02.2009
4. Ja !! Ja!! Ja!!!!!
Zitat von OnkelBenzIn der Tat fuhr nicht Jonathan (der hat im Intro `nen Spider), sondern eher seine Frau den Mercedes. Und der war weder banane noch gülden, sondern ein mimosengelber 500 oder 560 SL. Auch der M110 aus dem 280er hat seinen bescheidenen, aber oben herum kernigen Reiz. Der SLC wirkt in seiner Breitseite nicht ganz so harmonisch, wie der SL und wird ein bißchen verkannt, betrachtet man den Preisunterschied gegenüber dem offenen Modell. Die Alu-Gardine hinten ist einmalig. Würde mir auch gerne einen wegstellen. (Siehe Motor-Klassik 08, 450 SLC 5.0) Aber ich hoffe, die furchtbare Funktelefonhalterung in der Mittelkonsole ist nicht verschraubt ... und bitte runter mit den Zigeunerleisten um die Radläufe!
JA, Sie nehmen mir das Wort aus dem Mund, danke!! Noch was zu "meckern": Die Baureihe R107 löste wohl kaum den 300SL in Form des Flügeltürers (bzw. als Roadster) ab, sondern (und bitte: dazwischen lag auch noch die berühmte "Pagoden"-Modellreihe W113 !!) dessen optisches ich nenn es mal: Geschwisterkind für Arme: den 190SL. Welcher technisch auf der Limousine basierte, im Gegensatz zum älteren 300SL, der aber gleichwohl moderner und radikaler war und kompromisslose Renn-Konstruktionsmerkmale aufwies (ob der beinahe noch aktuelle McLaren genügend große Füße für des 300ers Stapfen hat, muss die Zeit zeigen; ich glaube es nicht: der 300SL hat bis jetzt keinen wirklichen Nachfolger gefunden - und nur eine mehr oder minder originelle Coupé-Konstruktion auf Basis eines Großserienroadsters zu sein, genügt für die gewagte Klassifizierung leider nicht!). ... war es nicht dort, wo die Lamellen-Geschichte stand? Nämlich dass man merkte, als alles fertig war incl. der ursprünglich großen hinteren Seitenscheiben, dass diese nicht voll versenkt werden konnten und das ziemlich peinlich aussah angesichts der fehlenden B-Säule und der ansonsten so schnittig-offenen Anmutung? Dass man also sagte: "datt Fenster muss GANZ runter, und wenn es so nicht klappt, muss es kleiner sein"? Und so kam es auch, die hinteren Seitenscheiben wurden kleiner, und wohl Karl Wilfert selbst ersann die originelle Lamellen-Lösung. Ich kann mich übrigens noch gut an die Markteinführung erinnern (damals 10 Jahre alt und wie alle Jungs natürlich ausgewiesener Experte!!): Die Lamellen waren definitiv uncool.... na ja, heute finde ich sie ja auch originell.... Ansonsten, lieber Georg Thomys, Glückwunsch für die Verwirklichung eines herrlichen Traumes!! So long, D.W.
zhaloc 04.02.2009
5. Sl
Zitat von reflexxionWer hat das denn recherchiert? Seine Frau fuhr einen goldenen SL der Baureihe R107; aber sicher keinen 280er denn dieser Motor wurde in den USA nie angeboten. Jonathan fuhr, wenn ich das Bild richtig deute, einen Farrari 246 GTS. Der 280 SLC war ein im Radstand verlängertes Modell des R107, der ein festes Dach hatte. Das Dach hatte nicht die typische Pagodenform der Roadster-Baureihe, sondern eine normale Wölbung wie sie an Limousinen üblich ist. Der Wagen wurde zwar auch in den USA angeboten, denn es gab einen Ford Mustang, der seine Optik immitierte. In TV-Serien kam dieses Modell aber kaum zum Einsatz, weil man da eigentlich immer die offenen Modelle bevorzugte. So auch in Dallas (Bobby Ewing) und Beverly Hills Cop.
In der Tat war hier ein Laie am Werk. In der Serie war es übrigens ein dunkelgelber SL, wahrscheinlich ein 450er. Der 280er war übrigens in den USA erhältlich und war eine Antwort auf die Erdölkrise '73.
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