Mini-Wohnwagen Urlaub in der Dose

Seit Jahren boomt der Wohnwagen- und Wohnmobilmarkt, neue Typen werden meist größer, luxuriöser, teurer. Doch es entsteht ein Gegentrend: Kleine, leichte, schicke und originelle Caravans für Abenteuerlustige.

Mink

Von Jürgen Pander


"Viele Wohnwagen sehen einfach hässlich aus. Ich vermute, dass etliche Leute so nicht unterwegs sein wollen - und deshalb lieber gar nicht campen." Das sagt Patrick Nüske, 54, der niemals mit einem normalen Wohnwagen in den Urlaub fahren würde. Als er vor zwei Jahren mit seiner Frau eine Tour durch Marokko plante, suchte er vergeblich nach einem schicken, robusten Caravan. Er fand einfach kein Modell, das ihm gefiel. Schließlich fuhren er und seine Frau ohne Wohnanhänger los und übernachteten in Pensionen und Hotels.

Das Thema cooler Caravan aber ließ Nüske, Pilot und Inhaber der Flugfilmfirma "Cineflight", nicht mehr los. Was er suchte, fand er schließlich bei Wohnwagen-Start-ups aus Island, der Ukraine und Holland, aus Rumänien, der Slowakei und der Türkei. Leichte, kompakte, geländegängige und vor allem gewitzt designte Mini-Wohnwagen. Die Palette reicht vom ultrarobusten Offroad-Camper Crawler aus der Türkei, der aussieht, als würde Mad Max darin Urlaub machen, bis hin zum Modell Mink aus Island, das im Grunde nicht mehr ist als ein Zweimannzelt mit festen Wänden. Man kann inzwischen von einem neuen Trend sprechen: Mobile Urlaussbdomizile, die nach dem Prinzip "nur das Nötigste, aber das bitte mit Stil" konzipiert sind.

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Mini-Wohnwagen: Bett im Schlepp

So wie das Modell der isländischen Firma Mink. Die ursprüngliche Geschäftsidee war ein Wohnwagenverleih für Abenteuerurlauber auf Island, die ein kuscheliges Schlafplätzchen auch bei Offroad-Touren durchs unwegsame Hinterland der Vulkaninsel dabei haben wollten. Was fehlte, war genau so ein Caravan, weshalb die Mink-Macher eigeninitiativ wurden. So entstand das Biwak auf Rädern in romantischer Teardrop-Form. Drinnen ein bequemes Doppelbett, dazu ein rundes Fenster an jeder Seite, eine große Panoramascheibe im Dach, Heizung, Musikanlage, LED-Beleuchtung und - unter einer Klappe im Heck verborgen - eine Mini-Küche mit Kühlbox, Gaskocher und Einbauschrank. Das putzige Gefährt erregte derartiges Aufsehen, dass es nun nicht mehr nur verliehen, sondern auch verkauft wird.

Mini-Caravans für den kleinen Urlaub zwischendurch

Unter anderem von Patrick Nüske, der aus seiner Vorliebe für originelle, gutaussehende Wohnwagen inzwischen ein Geschäft gemacht und in Hamburg die Firma Wheelhouse gegründet hat. Die vertreibt Mini-Designwohnwagen von bislang sechs Herstellern aus ganz Europa, darunter auch den Mink.

"Mit klassischem Camping haben diese Mobile nichts zu tun", sagt Nüske, "es geht um eine neue Form des Reisens und Erkundens." Die Mini-Caravans seien ideal für einen Lebensstil, der durch kurze, spontane Freizeitaktivitäten geprägt werde. Übers Wochenende an einen See, nach einer Tageswanderung den Sonnenuntergang bei Selbstgebruzzeltem genießen, zwei Tage Surf-Auszeit am Meer - solche Sachen.

Vor allem aber betont Nüske den Umweltschutzgedanken. Die kleinen Mobile benötigten viel weniger Material als ausgewachsene Campingfahrzeuge, viel weniger Verkehrsraum und aufgrund ihres geringen Gewichts schluckt das Zugfahrzeug viel weniger Sprit, verglichen mit einem herkömmlichen Wohnwagen im Schlepp. "Davon abgesehen sind die 'tiny traveler' auf lange Sicht die einzigen Modelle, die sich von Elektroautos sinnvoll bewegen lassen", sagt Nüske.

Gekocht und gegessen wird draußen

Die kleinen Wohnanhänger wiegen - je nach Modell - zwischen 350 und 1000 Kilogramm. Am unteren Ende rangiert der rundliche Mink. Ein Merkmal teilen alle Mini-Caravans - die Außenküche. Das macht es einerseits überflüssig, dass der Innenraum Stehhöhe haben muss, und ermöglicht andererseits einen ultra-kompakten Grundriss, der kaum über die Maße des Doppelbetts hinaus geht.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Das bislang größte, schwerste und teuerste Modell im Angebot von Wheelhouse ist der holländische Wohnwagen Lume Traveler, der exquisit, aber auch besonders nachhaltig konstruiert ist. Der gerundete Quader in Alu-Sandwich-Bauweise verfügt über ein Cabriodach, damit die Nacht unter Sternenzelt nicht nur ein Tagtraum bleibt. Im Innenraum dominieren die Materialien Teakholz, Wollfilz und Leder. Inklusive Deichsel misst der Lume Traveler 5,17 Meter, der Wohnaufbau selbst ist 3,73 Meter lang. So richtig klein ist das nicht mehr. Aber doch kompakt und vor allem auffällig genug, um sich von der üblichen Wohnwagen-"Weißware" deutlich abzusetzen. Und das ist in der "Tiny Traveler"-Szene die Hauptsache.



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Harry Hutlos 08.03.2019
1. Dann lieber einen großen Kombi
Zugegeben, ein Kombi ist nicht ganz so bequem, dafür muss der Reisende keine Dose hinter sich herziehen, was in engen Städten besonders unangenehm ist. Am besten ist eine alte E-Klasse mit jeder Menge Platz. Nach sechs Wochen Marokko wird das Teil wieder verkauft. So haben wir es jedenfalls gemacht (und trotz der zusätzlichen fast 10.000 km auf der Uhr keinen Cent dabei verloren).
Bärthold 08.03.2019
2.
Die Dinger sehen ja ganz nett aus. Eine fehlende Sanitäreinrichtung widerspricht aber in meinen Augen dem angesprochenen Verwendungszweck: Ich kacke ungewaschen am See hinter den Busch?
Freitagabend 08.03.2019
3. Da geht noch was
Angesichts der deftigen Preise dieser Mini-Caravans möchte ich im gleichen Designer-Geiste ein weitaus ökonomischeres Modell vorschlagen. Es misst 200cm in der Länge, 70cm in der Breite, 45cm in der Höhe und hat einen nach oben öffnenden Deckel. Das Modell heisst Endgame, es wird auf Rollen mit Anhängerkupplung geliefert und das beste ist: wenn man an exotischer Stelle den Camping-Löffel abgibt, kann man sich kostengünstig gleich darin bestatten lassen. Freilich ohne die Räder, die können von anderen irrlichternden Dauerurlaubern weiter verwendet werden.
fatherted98 08.03.2019
4. Bringt nix...
...die Dinger sind so klein...da kann man auch im Kombi schlafen....dazu noch die Geschwindigkeitsbeschränkung und natürlich die schwierige Parkplatzsuche und die eingeschränkten Fahreigenschaften....evtl. etwas für den selbstständigen Monteur auf Montage der das Hotel sparen will...aber dann nur "wild" abstellen....denn der Campingplatz kostet genauso viel wie ein Discount Hotel.
Fragende_Leere 08.03.2019
5. Wünsche viel Glück
Als ehemaliger Windsurfer leuchtet mir dieses Campingkonzept nicht ein. Der Minicamper kann nichts besser als ein Bulli o.ä. Derivate. Bei den Preisen für einen neuen Hänger könnte man auch jahrelang den Bulli als Zweitwagen fahren, falls gewünscht. Der Vorteil des zeitweisen Abhängens des Campers besteht zwar auch brim Minicamper, wird aber in der skizzierten Anwendung nicht hersusgestellt. Was bleibt, ist die Andersartigkeit, wer das braucht....
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