Museum mit 28.000 Modellautos Damit spielt man nicht

Thomas Höing hat Zehntausende Modellautos gesammelt. Er hat ein zweistöckiges Museum für sie gebaut, mit kilometerlangen Glasregalen. Doch sein größtes Ziel liegt noch vor ihm.

Fabian Hoberg

Aus Stadtlohn berichtet Fabian Hoberg


Thomas Höing hat seine Schätze fein säuberlich aufgereiht und sortiert. Thematisch, nach Marken und Namen. Wenn er nachzählt, kommt er auf rund 28.200 Stück. "Einige habe ich noch nicht katalogisiert, dafür benötige ich noch rund drei Jahre", sagt er. Höing ist 47 Jahr alt und sammelt Modellautos. Sie parken in einem Museum, das er eigens für sie in dem Ort Stadtlohn nahe der niederländischen Grenze errichtet hat. Die meisten der Miniaturfahrzeuge stehen auf Glasregalen, deren Länge insgesamt 2,7 Kilometer misst. Das Museum hat zwei Etagen.

Die laut Guinnessbuch der Rekorde größte Modellautosammlung umfasst 27.777 Fahrzeuge. Höing ist somit der inoffzielle Weltrekordhalter. Um den offiziellen Titel will er sich aber erst bewerben, wenn auch der Rest seiner Sammlung sortiert ist. Höing geht es weniger um Zahlen, mehr um einen Zustand: den der Vollständigkeit.

"Ich bin Sammler aus Leidenschaft. Ich möchte die Geschichte der Hersteller Siku und Audi zeigen. Und zwar möglichst vollständig", sagt er. Es ist eine Detektivarbeit, denn nicht mal bei Siku selbst wissen sie, welche und wie viele Autos je produziert wurden. Unterlagen dazu existieren offenbar nicht. Die Firma aus dem Sauerland stellte 1951 die ersten Plastikautos her, 1963 kamen Modelle aus Metall dazu.

Es ist ein Geduldspiel, bei dem Höing einer einfachen Taktik folgt: Er stöbert über Modellbörsen oder kauft ganze Sammlungen. Dann kontrolliert er, welche Modelle er noch nicht hat, und welche doppelt. Die Doppelten reinigt er und verkauft sie weiter.

Fast 30.000 kleine Autos - und 85 große

Höing hat viele Jahre als Bauingenieur gearbeitet, sparte sich was an oder investierte in seine Sammlung - die sich übrigens nicht nur auf Autos im Spielzeugmaßstab beschränkt. Neben seinen Miniaturmodellen besitzt er auch Platz für 85 richtige Fahrzeuge. "Ich liebe Oldtimer, hier habe ich Platz und kann ein paar hinstellen", sagt er. Nicht alle gehören ihm persönlich, einige der Klassiker sind Leihgaben von Museumsbesuchern, die ihr Auto in Höings Händen gut aufgehoben wissen.

Die Audi Stretchlimousine aber war zum Beispiel sein Hochzeitsgeschenk an sich selbst. Sein Lieblingsauto parkt gegenüber: ein Roadster des Audi-Tuners Treser, 39-mal gebaut. Er besitzt Nummer 27. Oder den Treser Hunter, Typ 85, mit 250 PS und Hinterreifen vom Ferrari F40. "Das Auto fährt sich einfach brutal", sagt Höing. Etwas dahinter parkt ein Ur-Quattro, ein von dem Tuner Artz umgebauter Audi.

Höing sammelt nicht nur Miniaturmodelle
Fabian Hoberg

Höing sammelt nicht nur Miniaturmodelle

Die Marke mit den vier Ringen liebte Höing schon seit seiner Kindheit. Seit Vater fuhr Audi, Höings erstes Auto war natürlich auch einer, ein 80 LD, Baujahr 1981. Schon als kleiner Junge spielte er mit Modellautos, wie viele seiner Altersgenossen. Doch Höing ging mit dem Spielzeug pfleglich um, baute keine Unfälle und Karambolagen. Er spielte einfach friedlich auf dem Teppich, parkte seine Schätze abends wieder in der Verpackung. "Die Kartons habe ich nie weggeschmissen, die gehören doch zum Auto dazu", sagt er. Er wundert sich noch heute, dass seine Spielkameraden das damals anders sahen.

Das erste eigene Modellauto, an das sich der Audi-Fan erinnern kann, war allerdings ein Ford. "Meine Tante fuhr damals einen Opel Rekord, und ich wollte davon ein Modell haben. Das habe ich nicht gefunden, also griff ich zu einem Ford 20M." Höing erklärt: "Damals war ich aber auch erst fünf Jahre alt."

Ein schicksalhafter Brief

Er wurde älter, aber den Modellautos blieb er treu. 1984 schrieb er einen Brief an den Hersteller Siku in Lüdenscheid, weil er wissen wollte, wie die kleinen Flitzer entstehen. Die Firma lud ihn und seine Familie zur Werksbesichtigung ein. "Danach stand für mich fest: Die Marke und sonst keine." Denn im Gegensatz zu Konkurrenten wie zum Beispiel Matchbox baute Siku keine Fantasiemodelle, sondern orientiert sich stets exakt am Original.

Höing suchte und sammelte, gewöhnliche und seltene Exemplare. Er besuchte Flohmärkte, Modellbörsen und graste Anzeigenblätter ab. Immer tiefer tauchte er in die Modellhistorie ein und wurde zum Siku-Experten. 1996 wählten ihn die Mitglieder des Siku-Sammler-Clubs als Archivar in den Vorstand. Er schrieb 35 Bücher über die kleinen Autos und verlegte sie selbst. Ende der Neunziger baute er sich sein erstes Museum mit 400 Quadratmeter Fläche für seine damals 7500 Modellautos.

Doch die Sammlung wuchs und wuchs, er musste expandieren. Seit Juni 2010 finden seine Autos nun in dem 2200 Quadratmeter großen Museum auf zwei Ebenen Platz. Der gelernte Schreiner entwarf das Haus in Eigenregie und baute die Vitrinen selbst. "Eigentlich ist das Museum mit dem angegliederten Shop auch schon wieder zu klein, ich musste mir noch ein Lager anmieten", sagt Höing. Dort warten noch 4000 bis 5000 Fahrzeuge auf ihren Einsatz, dazu kommen noch 12.000 Modelle, die er im Verkauf hat.

"Jedes Modell hat seinen Charme"

Höing und seine Frau leben vom Handel mit Modellautos, im Museumsshop oder online. Die beiden verkaufen alte und neue Modelle aus der ganzen Welt. "Aus dem Museum gebe ich aber kein einziges Fahrzeug her", sagt Höing. Schon gar nicht den Audi-100-Notarztwagen, gebaut zwischen 1973 und 1976, es ist eines seiner Lieblingsstücke. "So ein Auto habe ich mir als Kind gekauft, für zwei Mark", sagt er. Oder seltene Fahrzeuge wie der Mercedes R107, ein Prototyp, der nie in Serie gegangen ist. Aber auch die originalen Audi-Windkanalmodelle sind ihm wichtig. "Jedes Modell hat seinen Charme", sagt er.

Einige Besucher fahren nach Stadtlohn auch wegen der Oldtimer, die meisten aber wegen der Modelle. "Für die meisten ist es hier immer eine Reise in die Kindheit", sagt er. 2500 bis 3000 Besucher kommen jährlich in sein Museum. Nur nicht freitags und samstags, da hat das Museum in Stadtlohn geschlossen. Die Höings besuchen an den Wochenenden Modellbörsen. Es sind die einzigen beiden Tage, an denen sie Audi nicht treu sind - sie fahren dann VW Bulli.



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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Kantileber 20.03.2016
1. @Fabian Hoberg: Fotos
Herr Hoberg, womit haben Sie denn bitte die Fotos gemacht? Ist ja furchtbar, beim nächsten Mal nehmen Sie doch bitte nicht die Frontkamera Ihres Smartphones...
TS_Alien 20.03.2016
2.
Es macht durchaus Spaß, Modellautos zu sammeln. Was ich nicht nachvollziehen kann, ist das Sammeln aller Autos eines Herstellers. Sammeln ohne Zwang macht wesentlich mehr Spaß. Wenn man wirklich Autos im Matchbox-Maßstab sammeln möchte, gibt es hochwertigere (und deutlich teurere) Hersteller als Siku.
Maybal12 20.03.2016
3. Siku
Vorrangig sind die Siku Modelle aus den 80er und 90ern interessant. Und zu dieser Zeit gab es nichts wertigeres in diesem Maßstab. Heute ist das leider nicht mehr so.
k70-ingo 20.03.2016
4.
Zitat von KantileberHerr Hoberg, womit haben Sie denn bitte die Fotos gemacht? Ist ja furchtbar, beim nächsten Mal nehmen Sie doch bitte nicht die Frontkamera Ihres Smartphones...
Das liegt nicht allein an der Kamera, die Beleuchtungsverhältnisse sind dort tatsächlich ziemlich mies. Wände und Decken aus hellem Beton, dazu Neonlicht und die Modelle und anderen Devotionalien sind in stark spiegelnden Vitrinen untergebracht. Auch mit hochwertigeren Kameras hauen gute Fotos nicht hin. Am besten, Thomas fragen, ob er netterweise die Vitrinen aufschließt.
k70-ingo 20.03.2016
5.
Zitat von TS_AlienEs macht durchaus Spaß, Modellautos zu sammeln. Was ich nicht nachvollziehen kann, ist das Sammeln aller Autos eines Herstellers. Sammeln ohne Zwang macht wesentlich mehr Spaß. Wenn man wirklich Autos im Matchbox-Maßstab sammeln möchte, gibt es hochwertigere (und deutlich teurere) Hersteller als Siku.
Genau das macht eine richtige Sammlung aus: das Beschränken auf ein Themengebiet. Nur ein Bereich, den aber richtig. Alles andere ist kein echtes Sammeln, sondern nur unstrukturiertes Anhäufen von Gegenständen.
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