Kaum jemand kann sich dem Charme eines Old- oder Youngtimers entziehen. Doch die Liebe macht auch blind, und zwar gegen ein paar Nachteile von Oldtimern, die sich einfach nicht wegdiskutieren lassen.
Zum Beispiel, dass es nervt, bei Nacht mit trüben Scheinwerfern durch die Gegend zu funzeln. Oder der Schock an der Tankstelle, wenn der betagte Sechszylinder mal wieder gefühlt die Wochenproduktion einer Raffinerie durch die Vergaser gegurgelt hat. Auch Regenbremsungen mit ABS-verwöhntem Fuß sind nicht erheiternd.
Doch es gibt Abhilfe: Eine kleine Zahl von Spezialfirmen, die betagte Karossen mit moderner Technik bestücken. An dieser Stelle werden Verfechter absoluter Originalität bereits schwer atmen. Einen Klassiker fährt man ihrer Meinung nach schließlich nicht nachts und schon gar nicht im Regen. Man bewegt ihn nur dann und wann bei schönem Wetter - da machen die paar Liter Mehrverbrauch auch nichts. Außerdem wird niemand verbrauchsmordend auf das Gaspedal steigen, so die Philosphie der Altblech-Puristen.
Zur Beruhigung: Der Einbau moderne Technik bedeutet nicht unbedingt die Totaltransplantation. Man kann auch klein anfangen, bei der Musik zum Beispiel. Ist es nicht so, dass zeitgenössische Autoradios vor allem durch schlechtem Klang und ausgiebiges Rauschen auffallen? Deswegen gibt es mittlerweile Geräte, die originale Klangquellen alt aussehen lassen, indem sie selber alt aussehen. Sie bieten eine Optik im Stil der Originale, lassen sich aber mit Musik von CD oder MP3 füttern, bieten Sendersuchlauf, Kartensteckplätze und USB-Anschlüsse.
Tschüs, du Schaukel
Weiter geht es unter dem Auto: Fahrwerksspezialisten wie H&R oder Bilstein haben ebenfalls längst die Oldtimer-Liebhaber als Klientel entdeckt. Aktuelle Federn und Stoßdämpfer beenden unerfreuliches Geschaukel. Es besteht sogar die Möglichkeit, das Fahrwerk so weit zu optimieren, dass es an das Fahrverhalten moderner Autos heranreicht.
Spezialisten wie Histronic in Berlin dagegen nehmen sich der Motorelektronik an, verbessern die Fahrbarkeit und senken gleichzeitig den Verbrauch. Was allerdings ein paar Tausender kostet. All das sind Dinge, die manche Puristen gerade noch zähneknirschend akzeptieren. Zeit also, die Atemfrequenz wieder etwas zu erhöhen: Denn es geht noch mehr, viel mehr.
Was geht, zeigt die Firma Mechatronik. Das Unternehmen im Baden-Württembergischen Pleidelsheim hat sich auf hochwertige Restaurierungen von Mercedes-Klassikern spezialisiert - und auf etwas, das man hier New-Tech-Restauration nennt. Hinter diesem Kunstbegriff verbirgt sich die Idee, dass im Grunde nichts unmöglich ist. Ein moderner V8-Motor unter der alten Haube? Kein Problem. Dazu ein ABS, eine Antriebsschlupfregelung und eine leistungsstarke Klimaanlage für den Pagoden-Mercedes aus den Sechzigern? Auch das ist machbar.
Nicht jedermanns Sache
Mechatronik-Mann Thorsten Klenk ist durchaus bewusst, dass solche Umbauten auf geteilte Meinungen stoßen. "Es gibt in der Oldtimer-Szene zwei Lager - und jedes hat auf seine Weise recht." Er meint die Originalitätsfetischisten, für die selbst ein Ersatzbremsschlauch aus dem Teileregal des lokalen Händlers den Sündenfall bedeutet - und jene Oldtimer-Fraktion, für die Modifikationen und Verbesserung der Performance auch bei Klassikern kein Problem sind.
Klenk betont, dass nicht jedes Auto widerspruchslos unter den Schlagschrauber genommen wird. Besitzern von sehr gut erhaltenen sowie durch und durch originalen Fahrzeugen rät Klenk von radikalen Umbauten ab, schließlich ist damit auch das H-Kennzeichen futsch. Es gehe bei dem Angebot eher um Klassiker, deren technische Substanz an der Grenze des Rettbaren angekommen ist.
"Uns ist außerdem wichtig, dass alles rückbaubar ist." Die moderne Technik lässt sich also auf Wunsch wieder gegen die Originalaggregate austauschen. Abgesehen davon ist es ohnehin unwahrscheinlich, dass auf den Straßen alsbald scharenweise Mercedes-Klassiker mit der Technik des neuen Jahrtausends unterwegs sind.
Das verhindern schon die Kosten: Eine reine Technik-Transplantation dauert bis zu vier Monate und erleichtert das Konto um 70.000 bis 90.000 Euro. Wer dazu auch noch etwas an Interieur und Karosserie machen lassen will, muss sich etwa 12 bis 18 Monate gedulden und je nach Fahrzeugtyp bis zu 350.000 Euro einsetzen.
Einen etwas anderen Weg geht Georg Memminger. Mit seiner Firma Feine Cabrios verhilft er Käfer mit Stoffverdeck zu neuem Glanz. Und zu Fähigkeiten, die sie ursprünglich nie besaßen. Glanzstück im Angebot ist der neue Einspritzmotor, der eine deutliche Weiterentwicklung der zugrunde liegenden Volkswagen-Technik darstellt.
ABS für den Käfer
Mehr Leistung als einst gibt es damit natürlich auch, aber das ist eigentlich zweitrangig. Denn laut Memminger leistet das neue Aggregat gut 100 PS und verbraucht im Schnitt gerade einmal sieben Liter - der ursprüngliche Boxer begnügte sich mit 50 PS, soff dafür im Schnitt gut und gern seine zwölf Liter.
Auch an anderer Stelle lässt Memminger Fortschritt in den Käfer einziehen. Etwa in Form eines selbstentwickelten ABS-Systems. Das werde vor allem von Kunden bestellt, die den Wagen irgendwann einmal an ihren Nachwuchs vererben wollen. "Weil die Kinder nur noch das Bremsen in Autos mit ABS kennen", so Memminger.
Eine weitere Modifikation verbirgt sich auf Wunsch hinter den charakteristisch runden Scheinwerfergläsern der Käfer. Hier lässt sich nämlich Bi-Xenon-Licht montieren, das die Sicht deutlich verbessert. Laut Memminger ein gern genommenes Extra in Verbindung mit einem stärkeren Motor. Jedenfalls wenn das Konto es hergibt: Schon ein Motorumbau kann bis zu 20.000 Euro verschlingen, für den Rest gelten Preise "auf Anfrage".
Bleibt die Frage: Darf man das? Darf ein Oldtimerliebhaber begeistert die Kataloge von Firmen wie Memminger oder Mechatronik wälzen? Oder ist nur derjenige ein echter Liebhaber, der die Wochenenden auf Teilemärkten verbringt, damit auch die letzte Unterlegscheibe noch ein Original ist? Ob oder ob nicht - das muss jeder selbst für sich entscheiden.
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