Motorrad-Bildband Helm auf zur Lektüre

Freiheit und Auto, dieses Begriffspaar klingt fast schon absurd. Freiheit und Motorrad, das passt noch einigermaßen. Der Bildband "Motorcycle Passion" feiert dieses Gefühl - auch die bizarrsten Details.

Laurent Nivalle / teNeues

Von Jürgen Pander


"Leidenschaft, einmal ganzheitlich ausgelebt." Mit diesem Satz endet das Vorwort des neuen Bildbands "Motorcycle Passion", und ganz kurz ist man versucht, das Buch schon wieder zur Seite zu legen. Und zwar mit der Frage im Kopf, ob es nicht vielleicht eine Nummer kleiner, eine Ebene tiefer auch ginge. Motorradfahrer sind schließlich auch nur Menschen. Und Motorräder auch nur Maschinen, die Sprit verbrennen und manchmal aussehen wie recycelte Plastikstühle.

Natürlich blättert man dann doch weiter. Und siehe, Seite für Seite fügt sich allmählich zu einem eindrucksvollen Kaleidoskop der Motorradwelt: Maschinen, Rennfahrer, Motorradstrecken, -treffen und -customizer.

224 Seiten sind eine Menge Holz, wenn es nur um ein Thema geht. Und dennoch wird fast jeder, der in dem aufwändig gestalteten Band stöbert, irgendetwas vermissen. Das ist selbstverständlich kein Manko des Buches, sondern vielmehr ein Verdienst: Denn erst durch das Stöbern zwischen Aprilia RSV4 RR und Yamaha Vmax fällt einem auf, dass man gerne auch noch was über die englische Marke Brough Superior oder etwa die Honda Africa Twin gelesen hätte - das mit der Leidenschaft stimmt also schon.

Loch im Helm - für die Fluppe

"Motorcycle Passion" funktioniert wie ein gedrucktes Portal für Motorrad-Fans: Das Werk enthält mehr als 250 Fotos und dazu jeweils knappe Texte für deren Lektüre man höchstens eine Minute braucht. Trotzdem erfährt man beispielsweise, dass der fünffache Motorradweltmeister Toni Mang als Zehnjähriger die Rolle des Hahns im Märchenspielfilm "Die Bremer Stadtmuskanten" spielte; oder dass der britische Motorradrennfahrer Barry Sheene sich ein Loch in den Helm bohrte, damit er auch in voller Rennmontur noch rauchen konnte.

So geht es munter hin und her und kreuz und quer in dem Buch, dessen Fixpunkte das Motorrad und das dazugehörige Lebensgefühl sind. Als grobe Orientierung für die Leserschaft sind die vielen Bild- und Text-Häppchen in drei Kapitel geordnet: "Bikes and Heroes", "Rides and Meets" sowie "Custom Bikes and Shops". Wobei mehr als die Hälfte des Buches von Teil eins belegt wird, Motorräder und Männern, die mit ihnen besonders tollkühn umzugehen wussten.

Auch wenn das Wetter jetzt wieder freundlicher wird und jede Minute auf dem Sattel eines Motorrads besser ist als eine Stunde Lesezeit: Das nächste Tiefdruckgebiet kommt bestimmt. Dann ist "Motorcycle Passion" perfekt, um auf die Rückkehr der Sonne zu warten.

"Motorcycle Passion", herausgegeben von Michael Köckritz, teNeues, 224 Seiten, 250 Fotos, 49,90 Euro.



insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Bernd.Brincken 04.05.2015
1. PR-Anteil
Wieviele der 250 Fotos zeigen denn nagelneue BMW-Motorräder? Sieht ja doch ein klein wenig nach PR aus, sinngemäß: Es gibt eine Verbindung von der nostalgischen Freiheit ins Heute, und das sind die xy Maschinen.
hockeyversteher 04.05.2015
2. Ach ja,
eines Tages werden wir als Greis/Innen aufwachen und unseren Enkeln erklären, dass wir zu den wenigen glücklichen Generationen gehört haben, die in der Epoche der Verbrennungsmotoren gelebt haben. Motorrad fahren hat zunehmend mit Customising zu tun und stellt damit eine der vielen Möglichkeiten des lebens dar, seiner Individualität Ausdruck zu verleihen. Kreativität ist nun mal nicht nur im Singen und Malen zu finden, sondern auch in der Art und Weise, ein Stück Metall zu bearbeiten und mehrere Stücke davon so zusammen zu fügen, dass schon das Hinschauen erregend ist, dass Draufsetzen erst recht und das Gefühl die laufende Maschine unter entsprechenden Vibrationen durch die Landschaft zu bewegen ist dann nur noch schwer zu toppen. That it.
nadennmallos 04.05.2015
3. Nee, jetzt oder ...
... wer hat denn die Fotos ausgesucht? Als Motorradbegeisterter bin ich etwas enttäuscht! Zwei BMW-Werbebildchen, ein Rollerfahrer mit Helm und halbwegs passable Schnappschüsse machen noch kein gutes Buch. Aber vielleicht ist es ja nur die Auswahl ...
Yash_ 04.05.2015
4. Klasse BMW-Werbung...
..., und aus diesem grunde ist das Buch für mich nix! Ich mag BMW einfach nicht, wie die minderwertige Qualität zu überhöhten Preisen vwerkaufen, geht mir auf den Keks! Da wird einem Authentizität vorgegaukelt, und dann steht da doch nur Marketing hinter. Bäh, das!
Butenkieler 04.05.2015
5. Werbung für die bayrischen Motorenwerke
warum werden die motorisierten Zweiräder hier so hochgejubelt? Autos sind schlecht, Motorräder sind gut? Die Motorräder werden fast nur von pubertierenden Noch-Erwachsenen gefahren, die nicht mitbekommen haben, das sie eigentlich nicht mehr zur Zielgruppe gehören.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.