Extreme Vespa-Umbauten in Indonesien Ja, die Dinger fahren noch

Die radikalsten Roller-Umbauten kommen aus Indonesien: Jakarta war jahrelang Vespa-Produktionsstätte, indonesische Fans bedienen sich im großen Bestand der Zweiräder - und verwandeln sie in irre Vehikel.

Muhammad Fadli

Von


Bambusstäbe sind zu einer viereckigen Konstruktion zusammengesteckt, daran baumeln Getränkeflaschen und Stoffbänder, über einen seitlich montierten Verkehrskegel sind Reifen gestülpt - kaum vorstellbar, dass sich dieses Gefährt über die Straße bewegen kann. Entstanden ist es sowohl aus Abfallstücken, als auch aus Teilen einer alten Vespa und fährt tatsächlich durch Indonesien.

In dem Inselstaat hat sich eine Rollerszene entwickelt, die die Fahrzeuge auf kreative Art zu sogenannten "Extreme Vespas" umgestaltet. Der Fotograf Muhammad Fadli gibt in seiner Fotoserie "Rebel Riders" einen Einblick in diese Gemeinschaft - und zeigt ihre außergewöhnlichen Gefährte.

Manche der umgebauten Roller sind verrostet, wirken wie fahrende Müllhaufen. An einige sind Beiwagen geschweißt, Stierschädel als Dekoration angebracht oder sogar Baumstämme eingearbeitet. Die Fahrer verwenden unterschiedlichste Materialien und verwandeln die Vespas in regelrechte Skulpturen.

Von den Originalen bleiben am Ende oft nur noch die Motoren. "Kreativität hat für sie keine Grenzen, und der ursprüngliche Roller ist nur der Ausgangspunkt", sagt Fadli. Die Schöpfer wollen ihre Haltung und ihren eigenen Stil zum Ausdruck bringen.

Fotostrecke

15  Bilder
Extreme Vespa-Umbauten in Indonesien: Radikaler Wandel

Mehrere Jahrzehnte lang gab es eine Produktionsstätte für Vespas in der Hauptstadt Jakarta. "Vespas gehörten zu den ersten motorisierten Fahrzeugen, die im Land hergestellt wurden. Lange bevor japanische Motorräder ankamen", sagt Fadli. Die Roller sind daher keine Seltenheit im Straßenbild Indonesien. Für die "Extreme Vespa"-Fans sind die Fahrzeuge deswegen relativ kostengünstig zu erstehen.

Fadli fotografierte die Fahrer an verschiedenen Orten in Indonesien und nahm an Treffen der Szene teil, bei denen sie ihre umgebauten Fahrzeuge stolz präsentieren. Die Anhänger der Szene wären alle eher jung, außer ihrer Liebe zu Vespas verbinde sie vor allem ein großes Freiheitsbedürfnis, sagt der Fotograf.

An einigen Orten beginnt die Polizei bereits, die umgebauten Roller zu verbieten. Doch das hindert die meisten nicht daran, sie weiterhin zu fahren: dann eben nachts. Das Verkehrsrecht werde in Indonesien eh nicht sehr rigoros durchgesetzt, so Fadli.

Das Projekt erzähle auch etwas über das Land selbst: "Es geht darum, wie Menschen versuchen, an einem Ort voller Unordnung die Dinge am Laufen zu halten."

Bislang hat Fadli noch keine eigene Vespa, doch das soll sich bald ändern: "Und dann will ich sie in ein Monster verwandeln."



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.