Museum Dr. Carl Benz: Reise zu den Anfängen des Autos

Von

Die Wiege des Autos stand ein paar Kilometer weiter westlich in Mannheim. Doch seine letzte Fabrik eröffnete Carl Benz in Ladenburg. Bis vor ein paar Jahren fertigten die Enkel des Erfinders dort Zulieferteile für Mercedes. Heute beherbergt das Gebäude ein schmuckes Museum.

Carl Benz Museum: Beim Erfinder im Büro Fotos
Tom Grünweg

"Wo Benz drauf steht, da muss auch Benz drin sein." Diese Aussage kommt nicht von einem Markenrechtsanwalt. Sie ist das Credo des Oldtimer-Sammlers Winfried Seidel. 25 Jahre lang war er Präsident des Benz-Clubs, er ist weltweit als PS-Historiker anerkannt, schreibt Benzin-Bücher und hat schon in den achtziger Jahren in Ladenburg ein Museum eröffnet, das vor allem Carl Benz gewidmet ist. Schließlich gilt der Mannheimer Mechanikus dank seines am 29. Januar 1886 zum Patent angemeldeten Motorwagens als Erfinder des Automobils. Der Mannheimer Vorort Ladenburg war Benz' letzte Wirkungsstätte. Mit der Museumsadresse im Industriegebiet jedoch war Seidel nicht recht zufrieden.

Deshalb musste er nicht lange überlegen, als vor sieben Jahren in der Ilvesheimer Straße 26 eine geschichtsträchtige Backsteinhalle zum Verkauf angeboten wurde. Es war die Fabrik, in der erst Benz und zuletzt seine Nachfahren noch bis vor wenigen Jahren arbeiteten. Klar, dass Seidel nicht lange fackelte, das Areal kaufte, anschließend aufwendig sanierte und als "Automuseum Dr. Carl Benz" neu eröffnete, um seine Sammlung von mehr als 80 Fahrzeugen zu präsentieren.

"Einen besseren Platz für das Museum kann es kaum geben", sagt der Sammler, während er in Benz' altem Büro auf den Originalmöbeln von früher sitzt und durch die frisch polierten Fenster in die große Halle schaut. "Zwar hat Benz das Auto auf der anderen Rheinseite in Mannheim erfunden. Aber schon seine ersten Probefahrten führten ihn immer wieder nach Ladenburg", sagt Seidel. Als sich Benz um die Jahrhundertwende mit seinen Geschäftspartnern bei Benz & Cie überworfen hatte, gründete er zusammen mit seinem Sohn Eugen eine eigene Firma und ließ dafür genau jene Halle bauen, in der jetzt das Museum logiert.

Ursprünglich sollten dort nur Motoren für den stationären Einsatz gefertigt werden. "Aber als 1908 auch der zweite Sohn Richard in die Firma 'C. Benz Söhne' eintrat, wurden doch wieder Autos gebaut. Bis Anfang der zwanziger Jahre wurden hier rund 300 Automobile auf die Räder gestellt", berichtet Seidel. Dann zeigt er zwei besondere Exemplare. "Das sind die letzten Autos, die hier gebaut wurden." Damals hatte sie Benz zum Eigenbedarf montiert, heute zählen sie zu den Schätzen in Seidels Sammlung.

Der Autofreund brauchte bisweilen detektivisches Gespür und jede Menge Glück, um das Fahrgestell, das er aus einem alten Schuppen auf dem Werksgelände zog, erst als das des letzten Benz-Wagens zu identifizieren und dann auch noch alle Einzelteile wieder zusammen zu bringen. "Rund 3000 Arbeitsstunden waren nötig, bis der Wagen fertig wurde."

Zuletzt wurden in der alten Fabrik Lkw-Teile für Mercedes gebaut

Später hatte das Areal in der Ilvesheimer Straße eine ausgesprochen wechselvolle Geschichte: Während des zweiten Weltkriegs wurden dort Geschosshülsen produziert, danach Zylinder geschliffen, Kühler repariert sowie Flugzeug- und Schiffsmotoren überholt. Selbst der Stuttgarter Autobauer Daimler war Auftraggeber bei Benz und ließ in Ladenburg bis zum Ende des letzten Jahrhunderts Zulieferteile für die Lkw-Produktion fertigen.

Doch erst als Museum blühte das zuletzt ziemlich herunter gekommene Backstein-Ensemble wieder auf. Renoviert auch mit Hilfe freundlicher Zuschüsse aus Stuttgart, zeichnet Seidel in den Räumen nun in fünf Stationen den Werdegang von Carl Benz sowie die Geschichte von Mercedes-Benz nach. Dazu gibt es einen Boxenstopp in der Rennhistorie, eine kleine Zeitreise durch die Entwicklung anderer Automarken und eine Zweirad-Galerie, in der sogar Fahrräder mit Mercedes-Logo ausgestellt sind.

Beim Rundgang sieht man auch ein Auto, an dem Seidels Herz fast noch mehr hängt als an jedem Benz oder Mercedes: Einen vergleichsweise unscheinbaren Adler Trumpf Junior 1 E von 1939. Diesen 25 PS starken Wagen entdeckte der Museumschef vor mehr als 40 Jahren auf einer Wiese bei Mosbach. Er kaufte das Wrack für 500 Mark und restaurierte es in rund 1500 Arbeitsstunden. Seitdem hat Seidel zu dem beigen Cabrio eine besondere Beziehung: "Das war mein erster Oldtimer und damit der Grundstock zu diesem Museum."

Das Auto, in dem Bertha Benz nach Pforzheim fuhr

Einen zentralen Platz nimmt der Patent-Motorwagen ein, mit dem vor 125 Jahren alles begann. Daneben steht ein Wagen vom Typ 3, um den sich die Experten streiten. Denn angeblich, so behaupten es zumindest einige Daimler-Historiker, ist das nicht nur der gleiche, sondern sogar derselbe Wagen, mit dem Bertha Benz 1898 die erste Langstreckenfahrt der Automobilgeschichte gemeistert und ihren Geburtsort Pforzheim besucht hat.

Während die Frau des Erfinders dafür vor mehr als 100 Jahren noch zwei Tage brauchte, schaffen Autofahrer diesen Ausflug - ohne den fast alltäglichen Stau auf der Autobahn A8 - hin und zurück heute in kaum mehr als zwei Stunden. Den Abstecher zur eigentlichen Wiege des Autos nach Mannheim kann man sich sparen: Seidel hat die damalige Mannheimer Werkstatt im Restaurant-Bereich der alten Backsteinhalle ziemlich originalgetreu nachgebaut.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Rheinseite
-michael- 13.03.2011
Hallo, eine redaktionelle Anmerkung: Ladenburg liegt auf der selben Rheinseite wie Mannheim. Carl Benz ist in Ladenburg begraben und ein Gymnasium ist nach ihm benannt.
2. aa
WHO23 13.03.2011
Zitat von -michael-Hallo, eine redaktionelle Anmerkung: Ladenburg liegt auf der selben Rheinseite wie Mannheim. Carl Benz ist in Ladenburg begraben und ein Gymnasium ist nach ihm benannt.
Da hat sich wer mit Rhein und Neckar vertan.
3. na na
dr. kaos 13.03.2011
Zitat von WHO23Da hat sich wer mit Rhein und Neckar vertan.
Wer sich das Ganze in Google Earth anschaut, wird verwundert feststellen, dass Mannheim und Ladenburg sowohl rechtsrheinisch als auch rechtsneckarisch sind. Man kann also trockenen Rades von Ma nach Ladenburg kommen, ohne Rhein oder Neckar überqueren zu müssen. nur mal so
4. Neckarbrückenblues
maipiu 13.03.2011
Selbe Rheinseite stimmt, aber über den Neckar muss man, wenn man von Ladenburg nach Mannheim will. Hat man das sehr sehr sehenswerte Museum besucht, kann man per Fähre den Neckar überqueren, was auch sehr reizvoll ist. Es gibt aber auch Brücken.
5. Fehler im Artikel
legion.etrangere 13.03.2011
Zitat von dr. kaosWer sich das Ganze in Google Earth anschaut, wird verwundert feststellen, dass Mannheim und Ladenburg sowohl rechtsrheinisch als auch rechtsneckarisch sind. Man kann also trockenen Rades von Ma nach Ladenburg kommen, ohne Rhein oder Neckar überqueren zu müssen. nur mal so
Zu Zeiten Karl Benz war dem aber nicht so, da erst die späteren Mannheimer Eingemeindungen dies möglich machten. Als gebürtiger Mannheimer, der einen Teil seiner Jugend und Schulzeit in Ladenburg verbracht hat, hier mal ein paar wirklich redaktionelle Anmerkungen und Korrekturen: 1. "Schließlich gilt der Mannheimer Mechanikus dank seines am 29. Januar 1886 zum Patent angemeldeten Motorwagens als Erfinder des Automobils." Benz war kein Mannheimer sondern gebürtiger Karlsruher, der dort zur Schule ging und studierte. Erst danach kam er nach Mannheim, wo er seine erste Anstellung in einer Wagenfabrik fand und später sein erstes Unternehmen gründete. 2. "Der Mannheimer Vorort Ladenburg war Benz' letzte Wirkungsstätte." Ladenburg war und ist kein Vorort Mannheims sondern eine selbständige Stadt, deren Geschichte weit in die römische und gar keltische Zeit zurückgeht. Mannheim und Ladenburg haben noch nicht mal eine gemeinsame Stadtgrenze. 3. "Zwar hat Benz das Auto auf der anderen Rheinseite in Mannheim erfunden. Aber schon seine ersten Probefahrten führten ihn immer wieder nach Ladenburg", sagt Seidel. In der Tat verwechselt der gute Herr Seidel hier Neckar mit Rhein.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Fahrkultur
RSS
alles zum Thema Geschichte des Automobils
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 6 Kommentare
Fotostrecke
Mercedes im Überblick: Vom Silberpfeil bis zur blauen Null

Aktuelles zu

Aktuelles zu