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Nissan e-NV200: Der Leaferwagen

Von Roland Löwisch

Nissan e-NV200: Der neue Strom-Lieferant Fotos
Nissan

Nissan hat die Karosserie eines Kastenwagens mit dem Antriebsstrang des Elektroautos Leaf kombiniert - herausgekommen ist der e-NV200. Für Transportunternehmen ist das E-Mobil reizvoll, für Privatnutzer eher nicht.

Pizzaboten haben schon seit Längerem die Elektromobilität für sich entdeckt und bringen die heiße Ware per E-Roller vor die Haustür. Weil die Stromer weniger anfällig für Reparaturen sind und die Betriebskosten geringer ausfallen als bei herkömmlichen Fahrzeugen, rechnen sich die höheren Anschaffungskosten oft. Nissan versucht es jetzt eine Nummer größer: Der japanische Hersteller bietet eine elektrifizierte Variante seines Kastenwagens an - den e-NV200.

Die Karosserie ist gleich wie beim 2010 eingeführten NV200 mit Diesel- oder Ottomotor, aber der Antriebsstrang samt Vorderachse stammt aus dem E-Mobil Nissan Leaf. Der Kompaktwagen ist derzeit das meistverkaufte Elektroauto weltweit. Beim Kastenwagen wirbt Nissan noch mit einem weiteren Superlativ: Er habe die größten Innenraummaße seiner Klasse, auch als Stromer.

Auf einer Fahrzeuglänge von 4,56 Metern stehen genau 4,2 Kubikmeter Platz zur Verfügung: Genug Raum für 1000 Regenbogenforellen, 15.000 Shrimps oder 30.000 Miesmuscheln (Nissan hat den Gepäckschlucker dort vorgestellt, wo er gebaut wird: in der Hafenstadt Barcelona). Zwei Europaletten können hintereinandergelegt werden, die Ladekante ist nur 52 Zentimeter hoch.

Viel Platz, hoher Preis

Die großen Vorteile des elektrischen Transporters: Eine volle Batterieladung kostet nur etwa 2,50 Euro und reicht laut Herstellerangaben für 120 bis 170 Kilometer. Zugleich profitiert er von Privilegien für Elektromobile, die in vielen Städten bald Busspuren nutzen könnten oder wegen eines CO2-freien Betriebs eine Citymaut umgehen.

Das ganze hat allerdings seinen Preis. 29.819 Euro kostet der e-NV200 in der günstigsten Variante. "Pro" heißt die Magerversion, deren Ausstattung sich auf eine Schiebetür statt möglicher zwei, Stahlräder mit Plastikblenden und einen Ladeanschluss für Wechselstrom bis nur 3,3 Kilowatt (optional: 6,6 kW) beschränkt. Die Batterie ist dabei inklusive. Wird der Akku gemietet - je nach Laufzeit und Kilometerleistung kostet das 87 Euro bis 150 Euro pro Monat - beträgt der Grundpreis 23.919 Euro. Zum Vergleich: Die Basisversion mit Verbrennungsmotor kostet rund 15.600 Euro.

Die Top-Version heißt "Premium" und ist inklusive Stromspeicher 36.111 Euro teuer (mit Mietbatterie rund 30.000 Euro). Der Transporter hat dann unter anderem zwei Schiebetüren, Rückfahrkamera, ein Schnellladesystem und auf Wunsch zur Seite schwingende Hecktüren statt einer nach oben öffnenden Klappe sowie Ladebodenschutz.

Ob der e-NV200 selbst die 120 Kilometer unter allen Bedingungen schafft, bleibt fraglich. Denn pro 100 Kilo Ladung sinkt die Reichweite um drei Prozent - bei 770 Kilo maximaler Beladung sind das immerhin rund 23 Prozent weniger.

Zuschnitt für Rechtslenker

Der elektrifizierte Lieferwagen ist ein reines Arbeitsgerät, versprüht also den Charme eines gepolsterten Containers. Plastik dominiert das Cockpit, die Schalter sind in Grüppchen verstreut um den Fahrer verteilt. Hinter den zwei Sitzen schützt eine schwarz lackierte Blechwand mit Guckfenster die Insassen vor schlecht verzurrtem Ladegut.

Per Knopf wird das Auto gestartet. Dass der Motor läuft, ist nur an den aufleuchtenden Digitalinstrumenten erkennbar. Die Handbremse will man nicht oft bedienen, sie ist direkt neben dem Beifahrersitz angebracht. Grund: Die Modelle für den japanischen Markt sind Rechtslenker. Nissan hat sich gespart, die Position der Handbremse den westlichen Gegebenheiten anzupassen. Ebenfalls unkomfortabel sind die Sitze. Sie stützen die Rücken kaum und ihre Beinauflagen sind zu kurz.

Zum Laden des Akkus muss der Nissan entweder an eine übliche Haushaltssteckdose angeschlossen werden, das "Auftanken" dauert zehn Stunden. An einer Wallbox braucht es vier Stunden. Und dann gibt es noch die Schnellladung an einer Chademo-Ladestation: Dort ist der Akku in 30 Minuten zu 80 Prozent voll, zum Schutz der Batterie ist eine 100-prozentige Aufladung nicht möglich. Diese Schnellladestationen sind allerdings begrenzt, in Deutschland gibt es gerade mal rund 60 Stück.

Nissan geht davon aus, dass die Batterien nach etwa 3500 Ladevorgängen noch 80 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit besitzen. Auf den Akku gibt Nissan fünf Jahre Garantie.

Weitere Variante als E-Van

Den e-NV200 gibt es - wie die Verbrenner-Variante - auch als fünfsitzigen Familienvan. Der kostet in der extrem schlichten Version "Kombi Comfort"" (hier sind nicht mal die Bohrlöcher an der B-Säule für die Schrauben der Trennwand der Transporter-Version verkleidet) immerhin noch ab 34.457 Euro inklusive Batterie, die hochwertigere Version "Evalia Tekna" ab 36.766 Euro. Als Siebensitzer ist die E-Version wegen der in den Fahrzeugboden eingebauten Akkus nicht zu haben.

Dass der NV200 mit Elektroantrieb für den privaten Gebrauch allerdings nur von ganz umweltbewussten Familien angeschafft wird, davon geht auch Nissan aus: Der Hersteller rechnet damit, dass 70 Prozent der Käufer die Transporter-Variante bestellen, und nur 30 Prozent das Van-Modell. Bei den Modellen mit Verbrennermotoren war es bislang genau andersherum.

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1. Viel zu teuer
mischpot 16.08.2014
Wenn der Wagen 8000 € - 12.000 € kosten würde, wäre das für Kleinunternehmer erschwinglich. Die Autoindustrie vergißt einfach, dass die Leute nicht mehr so viel Geld verdienen.
2.
nick999 16.08.2014
Damit hat endlich mal jemand dort etwas investiert, wo es mehr Sinn macht, als überteuerte Familienzweitautos zu bauen. Ein Kleinlaster, der per Design nur auf Citynahverkehr und Kurzstrecke ausgelegt ist. Nur mit viel Start und Stopp kann aktuell ein E-Auto punkten. Den Rest regelt der Preis. Unternehmen kalkulieren nun mal. Für die deplazierte Handbremse würde ich dem Wagen aber in Europa die Zulassung verweigern.
3. Mich Stört
Andreas-Schindler 16.08.2014
Mich Stört die billigen Anzeigen. Das mag in ein Auto für 7.000 Euro gut sein, aber nicht bei ein Fahrzeug für über 20.000 Euro. Als Nutzfahrzeug mögen solche schlichten Anzeigen gut sein weil Robust und hält wahrscheinlich 500.000km und mehr. Aber als Privatfahrzeug kauft man auch fürs Auge und man muss sich Wohlfühlen im Fahrzeug.
4. 15.000 Shrimps?
bauigel 16.08.2014
Mal wieder ein Beispiel wie SPON nur um Stimmung zu machen völligen Schwachsinn verbreitet. Mathematik kann in der Redaktion jedenfalls niemand. 4,2 m3 Laderaum sind 4200 Liter. D. h. Bei den genannten 15.000 Shrimps wären dies weniger als 4 Shrimps pro Liter, was völliger Schwachsinn ist. Realistisch je nach Größe wären 80-200 Shrimps pro Liter, also 20-50 mal mehr Shrimps... also 300.000-800.000 und nicht 15.000!! Aber vielleicht kennt der Autor auch einfach den Unterschied zwischen Shrimps und Garnelen.
5. Leasing
maros 16.08.2014
Zitat von mischpotWenn der Wagen 8000 € - 12.000 € kosten würde, wäre das für Kleinunternehmer erschwinglich. Die Autoindustrie vergißt einfach, dass die Leute nicht mehr so viel Geld verdienen.
Der Kleinunternehmer wird wahrscheinlich eine Art full Service Leasing machen für 250-350,-/Monat und diesen Betrag komplett absetzen. 5 Jahre Laufzeit, machbare Anzahlung und Restzahlung und das könnte grad so passen. Wenn die Kiste auch so lange hält inkl. Akku. D.h. es müsste auch 5 Jahre Garantie auf alles geben ohne Kilometerbegrenzung. Dann wäre sowas durchaus attraktiv.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Nissan
Typ: Nissan e-NV200
Karosserie: Kastenwagen
Motor: Elektromotor
Getriebe: einstufige Automatik
Antrieb: Front
Leistung (E-Motor): 109 PS (80 kW)
Drehmoment (E-Motor): 254 Nm
Von 0 auf 100: 14,0 s
Höchstgeschw.: 123 km/h
Gewicht: 1.517 kg
Maße: 4560 / 1755 / 1858
Preis: 29.819 EUR
Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)

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