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Helmut Dähne: Der König der Nordschleife

Von Fabian Hoberg

Nur wenige Rekorde sind für die Ewigkeit. Einen davon hält Helmut Dähne. Er ist der schnellste Serienmotorradfahrer auf der Nordschleife. Den Titel am Nürburgring nimmt ihm keiner mehr.

Helmut Dähne: Legende in roter Lederjacke Fotos
Archiv Dähne

7:49:71 Minuten. Das ist seine Zeit. Eine Zeit für die Ewigkeit. Helmut Dähne, King of the Ring, Jahrgang 1944. Der Münchner hält mit einer Honda VFR 750 R RC30 immer noch den Rundenrekord für Serienmotorräder auf der Nürburgring-Nordschleife. Und das schon seit 20 Jahren. Damit ist Dähne unter Nürburgring- und Motorradfreunden bereits zu Lebzeiten eine Legende.

Als sich Helmut Dähne am 22. Mai 1993 in seine rote Lederkombi zwängt, ahnt er noch nicht, dass er gleich eine Rekordzeit fahren wird, die für immer bestehen bleibt. Die Wetterbedingungen in der Eifel sind zwar ausnahmsweise gut, der Asphalt griffig und seine Maschine optimal vorbereitet. Allerdings ist Dähne nicht alleine auf der Strecke. Er steckt mitten in einem Pulk von anderen Maschinen.

Doch von Aufregung keine Spur. Dähne ist ein Ring-Fuchs, kennt die 73 Rechts- und Linkskurven, die Steigungen von bis zu 17 Prozent und das maximal elfprozentige Gefälle wie im Schlaf.

Erst guckte Dähne zu, dann stieg er selber aufs Motorrad

Seit 1965 nimmt er den Eifelkurs unter die Räder. Als neuer Mitarbeiter der BMW-Entwicklungsabteilung besucht er in seinem Urlaub die Kollegen am Ring. Er schaut ihnen zunächst zu, fährt dann selbst ein paar Runden und ist von den Kurven und dem Streckenverlauf fasziniert. Dähne kommt immer wieder in die Eifel, oft auch privat. Er studiert akribisch die Strecke, sucht die Ideallinie und den griffigsten Asphalt.

1974 wechselt der Bayer in die Rennabteilung des Reifenherstellers Metzeler und muss nun auch beruflich über den Ring jagen, um die Gummis zu testen. "Ich wollte nie Profi werden, auch keinen Grand Prix fahren, sondern möglichst lange Distanzen abspulen." Dafür ist die Nordschleife wie geschaffen. Langweilig wird ihm dabei nicht, und so ganz nebenbei geht ihm das Fahren auf der Nordschleife in Fleisch und Blut über. Seinen Wissensvorsprung spielt er schließlich im Mai 1993 aus:

Die Uhr stoppt nach seiner schnellsten Runde bei 7:49:71 Minuten. "Dabei kam ich mir gar nicht so schnell vor. Ich bin völlig unspektakulär gefahren", sagt er noch heute verwundert. "Doch meist ist es ja so, dass man schnell ist, wenn alles im Fluss ist und es unspektakulär ausschaut", weiß er.

Der schnellste Serienmotorradfahrer auf dem Ring

Dass kein anderer Fahrer bisher seinen Streckenrekord unterbieten konnte, liegt allerdings nicht nur an Dähnes flottem Fahrstil: Schon ein Jahr nach seinem Rundenrekord, am 2. Juli 1994, wird die Nordschleife aus Sicherheitsgründen für Motorradrennen gesperrt. Heute geht es entweder über den Grand-Prix-Kurs oder im Publikumsverkehr über den Ring. "Damit bleibe ich wohl der schnellste Serienmotorradfahrer auf dem Ring", sagt der Bayer lächelnd.

Er weiß allerdings, dass bei geöffneter Strecke sein Rekord fallen würde. "Mit einer neueren und stärkeren Maschine würde die Zeit verbessert, da bin ich mir sicher." Aktuell bewegt der 69-Jährige am liebsten sein Rekordmotorrad, obwohl er noch ein paar neuere Maschinen in der Garage stehen hat. "Die Honda hat ein einmalig ansprechendes Fahrwerk. Dazu kommen noch der Sound und die Charakteristik des 120-PS-V-Motors", schwärmt er.

Doch der Nürburgring ist nicht die einzige Rennstrecke, die Dähne Ruhm und Ehre bringt. Mit einem Sieg bei der 61 Kilometer langen Isle of Man Tourist Trophy (TT) 1976 in der Produktions-Klasse wird er weltweit bekannt. Insgesamt startet er 26-mal bei dem wohl gefährlichsten Motorradrennen und erhält den Namen "Mister TT".

Beeindruckende Rennbilanz: 126 Siege bei 369 Rennen

Seine Titel-Liste ist beeindruckend: Zwischen 1965 und 2005 gewinnt er insgesamt 15-mal die Deutsche Meisterschaft im Serienmaschinen-Rennsport, wird 1980 Dritter bei der Endurance Langstreckenweltmeisterschaft und gewinnt bis 2001 18-mal die 1000 Kilometer vom Hockenheimring. Von 369 Rennen fährt er 126-mal als Erster durchs Ziel. Damit zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Motorradrennfahrern. Zwar hat Dähne mit seiner Größe von 1,90 Meter keine typische Rennfahrerstatur. Dafür aber eine geschmeidige Gashand und als Reifenentwickler einen gut eingestellten "Popometer".

In den fast 40 Jahren Dauervollgas bleiben Verletzungen und Stürze nicht aus. "Aber einen Unfall hatte ich bis auf einen bei der TT 1994 nicht. Ich bin nur ab und zu mal auf der Strecke abgeschossen worden", ärgert sich der Bayer noch heute.

Dem Nürburgring bleibt der Hobbypilot mit der roten Lederkombi und dem weißen Streifen treu verbunden. Auch im besten Rentenalter juckt dem Bayern noch die Gashand, er fährt regelmäßig in die Eifel. Seit einigen Jahren nimmt er den Asphalt auf der Rennstrecke meist als Instruktor unter die Räder. Autos hingegen betrachtet er emotionsloser. Seinen BMW Dreier Touring findet er vor allem praktisch, weil seine Motorradausrüstung locker reinpasst.

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Bildunterschrift zu Bild 7 falsch
Bazi 07.01.2014
die Isle of Man gehört zwar zu den britischen Inseln, ist aber kein Teil Grossbritanniens. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Großbritannien_(Insel).
2. Schön ...
thhi 07.01.2014
... daß man sich an Herrn Dähne auch außerhalb der "Motorrad-Szene" erinnert. Bin selbst begeisterter Nordschleifen-Fahrer, hatte aber noch nicht das Vergnügen Herrn Dähne im Rahmen einer Veranstaltung persönlich begegnen zu können. Danke für den schönen Artikel.
3. Herkules
axel.larator 07.01.2014
Bin mal mit einer 50ger Herkules auf der Nordschleife gefahren und habe 24 Minuten gebraucht. War aber auch schön.
4.
z_beeblebrox 07.01.2014
Erst mal danke für den netten und informativen Bericht. Allerdings verstehe ich nicht, warum dieser Rekord nicht eingestellt werden kann. So testen doch sicherlich auch Motorradhersteller und -reifenhersteller öfters am Ring - zum. tun es die Automobilhersteller doch auch. Selbst bei den Publikumsfahrten kann man extrem schnell unterwegs sein. Gerade mit den neuen Maschinen müsste doch was drin sein, oder? Dass z.B. der ultimative Nordschleifenrekord vom Stefan Bellof (6:11 min) nicht geknackt wird, ist logisch, denn weder Sportwagen-Prototypen noch die Formel 1 fährt die Nordschleife. Aber selbst da bin ich mir nicht sicher, ob nicht eines Tages im Rahmen der 24-Stunden (oder VLN) dieser Rekord mal fallen könnte. Porsche ist mit seinem Hybridding schon mal unter 7 min. gekommen (6:57 Minuten). Hier noch ne nette Übersicht: Nürburgring-Rekorde: Die zehn schnellsten Nordschleifen-Runden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/nuerburgring-rekorde-die-zehn-schnellsten-nordschleifen-runden-a-635476.html)
5. Rennrad
gnitze 07.01.2014
....biete 47 min. auf dem Rennrad. Natürlich auch mit dynamischer Kurvenlage. Spitzengeschwindigkeit über 90 km/h - aber auf 23mm Reifen...
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