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Öko-Autoquartett: Aufschrei der Ölbüffel

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Eine ökologisch korrekte Version des Kartenklassikers Autoquartett versetzt PS-Fans in helle Aufregung. Die Vollgasfraktion hält das von der EU gesponserte Spiel, bei dem anstelle von Hubraum und Beschleunigung die CO2-Werte verglichen werden, für schlimme Häresie.

Nicht jeder Autofan kann sich mit dem Quartettset "Eco Vehicle Trump Cards" anfreunden, das die britische Marches Energy Agency neuerdings über das Internet vertreibt. "Oktan-Spiel wird schwul", geifert etwa das Automagazin "Fast Car": "Immer wenn man glaubt, die Welt könnte nicht mehr bescheuerter werden, kommt so ein bärtiger Umweltfuzzi daher", erregt sich das britische PS-Blättchen. "Ist denn nichts mehr heilig?", sekundiert das Blog Autocar.co.uk. Die Erregung wirkt arg übertrieben, doch aus Sicht vieler Autofreaks alten Schlages haben die Umweltschützer aus dem englischen Shropshire tatsächlich ein schlimmes Sakrileg begangen, als sie sich an dem Kartenklassiker vergriffen.

Autoquartett ist für viele PS-Fans eine Erinnerung an ihre Jugendzeit, als die Motorenwelt noch in Ordnung war. V8-Motoren mit sieben Litern Hubraum und möglichst vielen Pferdestärken waren damals gut; schwach motorisierte Vierzylinder waren schlecht. Wie auf der Straße ließ sich beim Quartettspiel überprüfen, wer am besten bestückt war - und niemand unterstellte einem deswegen psychologisch motivierte Kompensationshandlungen.

Mein Motor ist magerer als deiner

Für diese vollverbleite Ära sine CO2-Emissionen stand bisher das gute alte Autoquartett. In der zeitgemäßen Marches-Version gibt es hingegen weder PS- noch Beschleunigungswerte. Stattdessen können die Spieler Kohlendioxid (Gramm/Kilometer) oder Kraftstoffkosten (Pence je Kilometer) miteinander vergleichen, nach dem Motto: Mein Motor ist magerer als deiner.

Quartettklassiker wie Porsche oder Ferrari sucht man im Ökoquartett vergeblich. Stattdessen reicht die Modellpalette vom Hybrid-Streber Toyota Prius über den Honda Civic bis zum Elektroscooter Vectrix. Alle drei genannten Hersteller haben die Entwicklung des Quartetts übrigens finanziell unterstützt, auch die Europäische Union ist mit von der Partie.

Der verantwortliche Projektmanager Kris McGowan möchte mit dem Kartenspiel vor allem junge Leute "auf unterhaltsame Weise über klimafreundliche Fortbewegungsmittel informieren". Echten Ölbüffeln dreht sich ob dieses ökologischen Sendungsbewusstseins der Magen um. "Es ist unsere Pflicht, dieser Propaganda entgegenzuwirken und in den Schulen (Karten von Lamborghini) Countachs zu verteilen", wettert Autocar.co.uk.

Immerhin gibt es eine Karte im Ökoblatt, die es auch in die klassischen Quartettsets schaffen könnte: den Tesla Roadster. Der Elektrosportwagen hat genügend Schub, um im Beschleunigungsrennen sogar einen Porsche 911 GT2 zu versägen.

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