Kuriose Autosammlung Klassiker aus Schrott und Korn

Auf einem Waldgrundstück in Südfrankreich lebt Gerard Gombert wie ein Einsiedler zwischen Polyester und rostigem Blech: Der ehemalige Karosseriebauer sammelt Autoruinen - vor allem Klassiker der Siebzigerjahre.

Roland Löwisch

Aus Fayence berichtet Roland Löwisch


Auf dem blassblauen Lieferwagen steht "ombert". Langsam verschwindet das Auto unter dicken, braunen Tannennadeln. "La Gombe haben mich die Leute genannt," erinnert sich der Mann mit dem bürgerlichen Namen Gerard Gombert, als er seinen alten Firmenwagen sieht, "und ich habe ihre Karosserien repariert." Wo das "G" geblieben ist, weiß La Gombe nicht. Wo die Zeit geblieben ist auch nicht.

Zeit ist relativ. Erst recht in Gomberts Garten. Für ihn scheint sie stehen geblieben zu sein, auf seine Schätze gibt er acht: Rund hundert Autos und Karosserien - die meisten aus den Siebziger- und Achtzigerjahren, aber auch ein paar ältere Modelle - rotten vor sich hin, werden von Pflanzenresten überdeckt. Gombert schimpft über die Äste, die von den alten Bäumen brechen und auf seine Autos fallen, als ob sie dort noch mehr Schaden anrichten könnten.

Den Mann und sein Anwesen voller schlafender Schönheiten entdeckt kein Mensch. Wäre da nicht das Mercedes-Strich-Achter-Coupé, das am Straßenrand der einsamen Landstraße bei Fayence in der Provence steht. Bis zu den Achsen versunken im Erdreich, verwittert, vergilbt. Aus einem Gartentor blickt ein neugieriger Mann mit langem weißem Bart: Gombert. Er könne den Daimler sofort starten und fahre damit ständig in den Ort, sagt er. Er habe da noch ein paar andere Autos hinterm Haus.

Sechs laut kläffende Hunde bewachen das Anwesen

Schon die Zufahrt zu seinem Haus steht voller Trödel, Krempel, manchmal auch Müll, aber fast alles hat mit Autos zu tun. Sechs kläffende Hunde bewachen das Anwesen. Zum Glück sind sie alle angekettet. Sie hüpfen knurrend und bellend auf einem Renault R4 und einem Rover 100 herum. Gombert brüllt sie einmal an, sofort sind sie ruhig. Gombert erzählt, dass er als junger Mann viermal auf einem Motorrad das berühmte 24-Stunden-Rennen Bol d'Or mitfuhr, jedoch ohne berauschende Resultate. So besann er sich aufs Auto und spezialisierte sich auf Polyesterarbeiten. Schnell wurde er bekannt dafür, aerodynamische Sonderlösungen selbst zu entwickeln und zu bauen.

Seine eigenwillige Liebe zum Auto zeigt sich auf dem rund 20.000 Quadratmeter großen Grundstück. Dort verrotten rund hundert Autos und Karosserien sowie ein paar Motorräder zwischen Autoteilen, Reifen, Autospielzeug und Werbemittel für Pkw-Modelle. Die dicke Schicht von Tannenadeln auf den Karosserien zeugen davon, dass die Wagen seit Jahrzehnten nicht mehr bewegt wurden. Unter einem Berg von Gerümpel ruhen immobile Enten (Citroën 2CV) und R4, wobei einer der Renault eine kurbelbare Heckscheibe besitzt - "ein ganz frühes Exemplar", sagt Gombert.

Zwischen vielen Autos der Siebzigerjahre wie dem Peugeot 204 (auch als Cabrio), Fiat 500, Honda Civic, Citroën Ami 6, Fiat 127 Sport und R8 gammeln die wahren Schätze: Ein Alfa Montreal schaut mit seinen gelben Leuchten fast ein wenig müde aus, ein Lotus Eclat starrt mit aufgerissenen Scheinwerfern ins Leere. Beim Woody-Mini Kombi zerfällt das Gehölz. Der Rover SD1 hat wie alle Ruinen hier bessere Tage gesehen, genauso wie der VW 411 und der 1600er aus Wolfsburg.

Im Gestrüpp gammeln die Reste von großen Vorkriegs-Citroën

Ein Stück weiter beherbergt La Gombe die echten Raritäten: Sechs Renault Alpine A 110, teilweise ausgeweidet, aber wie fast alle Autos innen vollgestopft mit Krempel. Das rote Heck eines seltenen Renault Alpine A 106 ragt aus einem Blechberg heraus - die Zweisitzer wurden von 1955 bis 1963 gebaut, einst ein sportlicher Verwandter des R4.

Tiefer im Gestrüpp gammeln die Reste von großen Vorkriegs-Citroën und Renault und eine Menge Transporter wie Renault Alouette und Galion, aber auch ein BMW Farmobile. Tatsächlich war BMW deutscher Alleinimporteur des von der Maschinenfabrik Fahr entwickelten und von Chrysler in Griechenland gebauten billigen Landwirtschaftshelfers. Die meisten Teile des leichten Transporters stammten vom BMW 700, auch der 32-PS-Zweizylinder-Boxermotor. Die zeitgenössische Pressemappe schwärmt von 55 Prozent Steigfähigkeit, einem Top-Tempo von 90 Stundekilometer und der Tatsache, dass man damit auch "lebende Tiere transportieren kann". Dennoch sollen weniger als 1000 Stück zwischen 1962 und 1966 gebaut worden sein.

"Stopp!" Mit großer Geste gebietet Gombert Einhalt. Er zeigt auf eine bleiche Hand, die unter einer Plane herausragt. "Der muss gegrüßt werden", sagt er. Die Hand gehört einem Werbe-Michelinmännchen.

La Gombe schweigt über die Herkunft der Sammlung

Wie diese kuriose Sammlung in der Provence zustande gekommen ist, will La Gombe partout nicht erzählen. Man munkelt, schon sein Vater hätte damit begonnen. Sicher ist, dass der Mittsiebziger einst bis zu zwölf Alpine A110 im Grün parkierte, und einige Franzosen berichten, sie hätten sogar mal was kaufen können - wenn auch nicht zu Ramschpreisen. Unter anderem soll der gebürtige Pariser Gombert sogar ein paar Lamborghini Miura besessen haben - behauptet er zumindest.

Wie zum Beweis lupft La Gombe die Abdeckung auf einem Anhänger. Darunter befindet sich ein kompletter Lamborghini-Zwölfzylinder...



insgesamt 23 Beiträge
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bartholomew_simpson 17.11.2014
1. In Deutschland
stünden gleich die Behörden auf der Matte, z. B. die Leute vom Umweltschutz. Böse Nachbarn würden bei der Betreuungsbehörde "anregen", ihn unter Kuratel stellen zu lassen.
emobil 17.11.2014
2. Sammlung?
So wie ich die Fotos dieser "Sammlung", die ja eigentlich einen Schrottplatz darstellt, einschätze, dürften Altöle, Benzin, Diesel, Brems- und Kühlflüssigkeiten munter in den Erdboden sickern. Glückwunsch, wer mal eines Tages dieses Grundstück erbt.
felisconcolor 17.11.2014
3. Autosammlung
ok wie war das über Kunst lässt sich streiten, wie auch über "Autosammlungen". Schade in diesem Fall nur der Schrottplatz eines Messie. Sammeln bedeuten für mich auch erhalten und nicht nur horten bis der Rost alles dahin rafft. Siehe auch neulich die Autosammlung irgendwo im Osten. Für einen Alpine würde ich meine schwarze Seele hergeben. Dort vergammeln sie. Gruselig
c.PAF 17.11.2014
4.
Das ist einfach nur ein Messie, der Autos hortet. Sicherlich ein paar schöne Stücke dabei, die meisten sind aber schlicht und einfach runiert. Hm, vielleicht sollte ich unseren Dachborden auch einfach als Sammlunk deklarieren - und nicht als Müllhalde?
dreizack2010 17.11.2014
5. Habakuk
Der Typ vor dem Mercedes sieht ja aus wie Habakuk, den Tick, Trick und Track manchmal im Wald getroffen haben.
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