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Oldtimer-Lastwagen: 200 PS stark, 63 km/h lahm

Von Roland Löwisch

Oldtimer-Lastwagen: 200 PS stark, 63 km/h lahm Fotos
Roland Löwisch

Sie sind laut, groß und sehr selten: Wer Oldtimer-Lastwagen sammelt, wird leicht für einen Spinner gehalten. Dabei lässt sich die Leidenschaft für alte Lkw leicht erklären.

"Manche halten mich für einen Spinner", sagt Detlev Stolze. Dabei hat der Unternehmer aus Barmstedt bei Hamburg einfach eine ausgefallene Leidenschaft: Er sammelt alte Lastwagen. Nutzfahrzeug-Oldtimer, die zum Teil mehr als fünfzig Jahre alt sind. Sie sind laut, meistens lahm und brauchen jede Menge Platz - aber gerade die Größe macht für Stolze den Reiz aus. "Außerdem schraube ich gern", sagt er.

Stolze hat sich mit Gleichgesinnten zusammengetan und sitzt im Vorstand der "Nutzfahrzeug Veteranen Gemeinschaft" (NVG). Die NVG ist bundesweit die größte markenunabhängige Organisation für dickes Alteisen, inzwischen gibt es auch Mitglieder in Österreich und Holland. Stolze schätzt, dass die NVG-Mitglieder zusammen etwa 4000 bis 5000 alte angemeldete Oldie-Trucks besitzen, hinzu kommen in Deutschland noch 1000 bis 1500 weitere Fahrzeuge nicht organisierter Besitzer. Die meisten der Laster sind - wie alte Pkw - mit einem H-Kennzeichen registriert.

Der Markt für alte Lastwagen wird klar von Mercedes-Modellen dominiert. Vor allem Youngtimer mit dem Stern sind derzeit begehrt, sagt Sascha Hoffmann (34), Junior-Chef von Hoffmann-Nutzfahrzeuge in Oberhausen: Rundhauber aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. "Das liegt daran, dass Mercedes-Benz die Technikteile noch vorrätig hat und liefern kann", sagt Hoffmann. Bei Blechteilen und Ersatz für den Innenraum muss allerdings auch der Riese aus Stuttgart oft passen - ein Thema, mit dem fast alle Alt-Lkw-Fans zu kämpfen haben.

Preise zwischen 500 und 500.000 Euro

Kein Wunder, dass der Handel auf Tauschbörsen blüht. Doch wer etwas sucht, muss meistens auch etwas anbieten. Dann findet sich schon jemand, der jemanden kennt, der weiß, wo das gesuchte Stück aufzutreiben ist. Und dann gibt es in Deutschland rund ein Dutzend namhafte Restaurateure, die sich nur um Brummis kümmern. "Dabei ist so eine Restaurierung vom Blech her genauso aufwendig wie die eines Käfers", sagt Detlev Stolze. "Und alles, was nicht aufzutreiben ist, muss man anfertigen lassen. Und das geht ins Geld", sagt Hoffmann.

Daher gilt die gleiche Regel wie bei Oldtimer-Pkw: Lieber ein gutes Stück kaufen, als sich ins Abenteuer Aufbau stürzen. Hoffmann hat rund 50 restaurierte Trucks im Bestand, "die Preise variieren von etwa 1000 Euro bis in den sechsstelligen Bereich". Bei solchen Fahrzeugen wird grundsätzlich verhandelt, denn die Stückzahlen der Trucks sind viel geringer als bei Pkw und einen Marktspiegel gibt es nicht. "Ein schlechtes Exemplar kann man bereits für 500 Euro bekommen, ein besseres für 2000, ein ordentliches für 10.000 Euro", sagt Stolze. "Für beste Modelle wie einen gemachten Mercedes 6600 mit drei Achsen aus den Fünfzigerjahren oder für einen kompletten Krupp- oder Henschel-Lastzug werden allerdings auch schon mal 500.000 Euro verlangt."

Die Sehnsucht nach dem Fernfahrer-Gefühl

Trotz so hoher Preise und Kosten finden sich immer wieder Menschen, die bereit sind, in einen rollenden Koloss zu investieren. Wer sich das leisten kann, nutzt das Fahrzeug meistens auch. Um an die große Zeit der Markenvielfalt zu erinnern, geht zum Beispiel alle zwei Jahre ein Konvoi von bis zu 70 Maxi-Oldtimern auf eine 1500 Kilometer lange Deutschlandfahrt.

Allzu schnell kommt die massige Alteisentruppe allerdings nicht voran. Eine Kaelble-Zugmaschine von 1964 schafft trotz 300 PS gerade mal 62 km/h, auch ein 53er Büssing 12000 von 1953 ist nur einen km/h schneller, und ein 66er IFA VEB S 4000-1Z mit 90 PS bremst den Konvoi auf maximal 50 km/h herunter. Aber um Tempo geht es bei den Alt-Trucks sowieso nicht. "Wer sich so etwas zulegt, wollte sich zum Beispiel schon immer mal als Fernfahrer fühlen oder hatte einen Vater mit Fuhrbetrieb", sagt Hoffman.

Oder es ist jemand, der einfach Spaß am Schrauben an großen Objekten hat. Wie Detlev Stolze, der beruflich Dinge in vollkommen anderen Dimensionen herstellt: zum Beispiel Schokoladenstreusel.

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1.
c.PAF 20.10.2014
---Zitat--- Vor allem Youngtimer mit dem Stern sind derzeit begehrt, sagt Sascha Hoffmann (34), Junior-Chef von Hoffmann-Nutzfahrzeuge in Oberhausen: Rundhauber aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. ---Zitatende--- Als Juniorchef sollte er aber wissen, daß nur Magirus Rundhauber gebaut hat. Bei Mercedes hießen die Modelle Kurz- bzw. Langhauber... ;) ---Zitat--- Eine Kaelble-Zugmaschine von 1964 schafft trotz 300 PS gerade mal 62 km/h... ---Zitatende--- Schon mal auf die Idee gekommen, daß genau das gewollt sein könnte? Ich weiß nicht, seit wann es die 62km/h-Regelung auf Autobahnen gibt. Aber auf den ersten Blick würde ich mal einen Zusammenhang vermuten. Das Teil fährt so schnell, daß es noch auf die Autobahn durfte. Und wie schnell soll eine LKW-Zugmaschine mit 300PS eigentlich fahren können? 80, 100 oder gar 120 km/h? Eine Zugmaschine soll ziehen, und zwar sehr schwere Lasten, daher ist das Getriebe so abgestuft, daß das Fahrzeug eben genau das machen kann. Eine hohe Endgeschwindigkeit ist da nicht erforderlich und im Hinblick auf die Zugleistung sogar kontraproduktiv.
2. Schöne LKW!
Bärthold 20.10.2014
Die LKW sind wirklich schön anzusehen. Speziell beim IFA bin ich als Laie erstaunt, wie sehr sich das Erscheinungsbild dann später in Richtung "hässlich" entwickelt hat.
3. Spitzengeschwindigkeit
arch.aisch 20.10.2014
Eine etwas absurde Thematik, die da im Artikel mehrfach strapaziert wird. Neben den von "c.PAF" (Beitrag 1) bereits genannten Hinweisen darf man sicher auch auf die Frage der Bremsanlage und der Spurtreue verweisen. Anfang der Siebziger fuhr auch kein Bundeswehr-Laster schneller als max. 80km/h (Obwohl das ja für die hier f. d. spezielle Aufgabe hätte v. Interesse sein können) Da gab es für spezielle Schwerlast-Aufgaben Faun-Fahrzeuge, bei denen man als Fahrer ein Fernglas brauchte, um die Nase der Motorhaube im Blick zu behalten. Auch diese Maschinen kamen vor Kraft kaum vorwärts, was bei längeren Überführungsfahrten schon Geduld verlangte. Aber damals fuhr auch ein Käfer mit Mühe um die 130km/h. Und bei anhaltendem Regen war man gut beraten, deutlich langsamer zu fahren, da aufgrund der Reifentechnik Aquaplaning noch ein ganz heißes Thema war. Also, die Spitzengeschwindigkeit eines LKW war eher ein Thema, das man in keiner Produktbeschreibung für erwähnenswert hielt...
4. bunte Aufkleber
fridolin115 20.10.2014
warum sind die wunderschönen Wagen alle mit diesen grauenhaften Aufklebern verschandelt? - in meinen Augen genau das Gegenteil von Werbung!! Übrigens auch sehr interessant die Liebhaberei für alte Reisebusse - habe gerade letzte Woche zwei Setras S6 bewundern können, auch ein echtes Qualitätsprodukt aus vergangenen Zeiten.
5. ???
reifenexperte 20.10.2014
"Aber damals fuhr auch ein Käfer mit Mühe um die 130km/h. Und bei anhaltendem Regen war man gut beraten, deutlich langsamer zu fahren, da aufgrund der Reifentechnik Aquaplaning noch ein ganz heißes Thema war." Ein 34 PS Käfer fuhr max. 115 km/h. Und Auquaplanig war überhaupt kein Thema. Das war unbekannt, wegen der niedrigen Geschwindigkeiten und schmalen Reifen. Aquaplaning wurde erst nach Einführung breiterer Gürtelreifen ein Problem.
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