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Spektakuläre Oldtimer-Sammlung: Der Schatz Henriks des Dänen

Aus Lyngsbækgaard berichtet Jürgen Pander

Oldtimer-Sammlung Frederiksen: Ausverkauf nach 30 Jahren Fotos
Pander

Der dänische Unternehmer Henrik Frederiksen besitzt eine der erstaunlichsten Oldtimer-Sammlungen Europas: Alle Modelle sind zugelassen, alle fahrbereit, alle tipptopp gepflegt. Und Ende September werden sie versteigert.

"So habe ich meine Autos noch nie gesehen." Henrik Frederiksen, 71, ist augenscheinlich selbst beeindruckt von dem, was sich über drei Jahrzehnte in seinem Besitz angesammelt hat: Auf dem hellen Kies seines Anwesens Lyngsbækgaard - ehemals eine Sommerresidenz des dänischen Königshauses - parken mehr als 50 Automobile. "Alle auf einmal standen noch nie hier draußen", sagt Frederiksen. Er lässt den Blick schweifen über einen Fuhrpark, wie es weltweit keinen zweiten gibt. Hier funkeln und glänzen rund 35 Millionen Euro, wobei das nur eine grobe Schätzung ist.

Genaueres wird am Abend des 26. September zu vermelden sein, denn an diesem Samstag werden 48 Luxus-Oldtimer, der Großteil der Sammlung, versteigert. Aus diesem Grund stehen sie heute auch alle hier beisammen, denn die Experten des britischen Auktionshauses Bonhams sind vor Ort, um die Autos zu inspizieren und zu fotografieren, damit potenzielle Interessenten sich schon einmal ein Bild von dem machen können, was sie hier, inmitten des Nationalparks Mols Bjerge, erwarten wird. Es wird die erste Bonhams-Auktion in Dänemark.

Frederiksen hat inzwischen in einem Duesenberg Murphy 330 J mit einem 6,8-Liter-V8-Motor aus dem Baujahr 1931 Platz genommen. "Das Auto", berichtet er stolz, "wurde bereits auf dem Concours d'Elegance in Pebble Beach ausgezeichnet. Ich schätze, es dürfte zu den begehrtesten der Auktion gehören." Dann überlegt Frederiksen kurz und fügt einen Monolog über weitere begehrenswerte Highend-Typen seiner Kollektion an. Der Maybach Zeppelin, den Adolf Hitler einem indischen Maharadscha schenkte und der jetzt gleich nebenan in der Sonne glänzt, könnte natürlich auch ein hübsches Sümmchen einbringen; Frederiksen kaufte das Monstrum vor sieben Jahren von einem Deutschen in Wien.

Mercedes-Rarität aus dem Baujahr 1914

Eine Rarität ist auch der Bentley S1 von 1958, eines von nur fünf gebauten Linkslenkermodellen, der einst John T. Rockefeller gehörte; oder der Rolls-Royce Silver Ghost von 1914 mit einer Schlangen-Hupe, einer Sonderausstattung für den damaligen Erstkäufer aus Ägypten. Eigentlich ist es müßig, die besonders abgefahrenen Typen unter den Frederiksen-Autos aufzählen zu wollen, denn alle hier versammelten Autos sind Prunkstücke und sehen aus wie fabrikneu. Einzige Ausnahme ist ein Mercedes 28-95 Phaeton von 1914 mit Holzkarosserie.

"Das Auto ist unrestauriert und dennoch in einem hervorragenden Zustand", sagt Frederiksen. "Der Wagen tauchte irgendwann in Uruguay auf, gekauft habe ich den in San Diego." Und jetzt hofft Frederiksen, dass sich eventuell auch das Mercedes-Museum in Stuttgart für die Rarität mit der Chassis-Nummer 22781 und dem 7,3-Liter-Reihensechszylindermotor interessiert. Gewiss würde das den Preis nach oben treiben.

Obwohl es Frederiksen nicht ums Geld geht. Erstens hat er genug davon. Zweitens, weil er noch nie mit seinen Oldtimern gehandelt hat. Er hat in all den Jahrzehnten nicht einen seiner Klassiker verkauft. "Ich habe mir die Autos immer nur aus einem Grund gekauft: weil sie mir gefielen", sagt Frederiksen. Nie habe er nach einem bestimmten Modell gesucht, stets seien die Wagen zu ihm gekommen. Deshalb fehlt der Kollektion einerseits ein roter Faden, ein übergreifendes Thema - und deshalb ist sie andererseits so außergewöhnlich und überraschend.

"Die Dreißigerjahre waren eine automobile Kunstepoche"

"Mir gefallen vor allem die Autos aus den Dreißigerjahren", sagt Frederiksen. "Diese Zeit ist für mich eine danach nie wieder erreichte automobile Kunstepoche. Diese Eleganz, diese Detailverliebtheit, diese Schönheit - das war nach dem Krieg vorbei." Im Hof stehen zwar auch ein paar Typen aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren, aber das sind Ausnahmen. "Würden mir die Autos aus dieser Zeit am besten gefallen, müsste ich ja auch tätowiert sein", sagt Frederiksen als Anspielung auf die Rockabillies, die bevorzugt Fahrzeuge aus diesen Dekaden bewegen.

Bleiben zwei Fragen - woher kam das Geld, mit dem der Mann diesen Autoschatz anhäufte? Und warum trennt er sich jetzt von ihm? Zu Frage eins gibt Frederiksen folgende Auskunft: Als junger Mann tätigte er einige glückliche Aktiengeschäfte, war später Mitinhaber von Mattas, der größten Drogeriekette Dänemarks und verkaufte seine Anteile an einen Kapitalfonds. Heute besitzt er unter anderem zwei Hotels und fünf Restaurants im nahen Ebeltoft und betätigt sich als Kapitalgeber für hoffnungsvolle Firmengründer. Aktuell etwa hat er eine stattliche Summe ein dänisches Start-up gesteckt, das eine chemiefreie Trinkwasseraufbereitung mittels Elektrolyse entwickelt hat.

Da Frederiksens zweite Ehefrau Vivi, eine Reederei-Erbin, seine Leidenschaft für außergewöhnliche Automobile teilte, wuchs der Oldtimer-Fuhrpark über die Jahre beträchtlich. Nach den Stallungen wurden weitere Gebäude des Anwesens, das eine größere Fläche umfasst als das Fürstentum Monaco, zunehmend zu Luxusgaragen umgebaut. In diesem Frühjahr starb Vivi Frederiksen, und mit ihrem Tod erlosch das Interesse Frederiksens an der gemeinsamen Oldtimer-Sammlung. "Seit ich Witwer bin, ist es einfach nicht mehr das Gleiche, mit diesen Autos umherzufahren. Jetzt sollen sich andere an ihnen erfreuen."

Einen '53er Cadillac wird Frederiksen behalten

Wobei - es kommt gar nicht die komplette Sammlung unter den Hammer. Ein paar Autos wird Frederiksen behalten. Darunter den ersten Oldie überhaupt, den er sich vor 30 Jahren in Philadelphia kaufte. Nämlich ein Cadillac-Cabriolet der Serie 62 von 1953, mit 6,7-Liter-V8-Motor und einem sänftengleichen Fahrgefühl. Der steht jetzt ganz allein in einem Fachwerkgebäude - außen Scheune, innen Luxusgarage mit weiß gestrichenem Betonboden - links oberhalb des Herrenhauses.

So wird es nach dem 26. September in vielen Gemäuern des Anwesens aussehen. Hendrik Frederiksen sieht dem Abschied von seinen Autos gelassen entgegen. "Diese Zäsur ist für mich kein Problem. Es ist Zeit für etwas Neues in meinem Leben." Im Hafen von Ebeltoft liegt schon ein Segelboot bereit.

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Himmel Herrgott!
dbrown 08.07.2015
Schade, daß die alle bei irgendwelchen Schnöseln landen werden, die die Schlitten die meiste Zeit des Jahres in irgendeiner Garage dahinsiechen und sich ansonsten vom Volk angaffen lassen
2.
LapOfGods 08.07.2015
Eine phantastische Sammlung. Toll, dass es diese Wagen noch gibt. Ein schöner Start in den Tag sich diese Bilder anzusehen.
3. Ab in Museen
ngrimp 08.07.2015
Es tut mir leid, aber die Aussage es ginge nicht ums Geld ist traurig. Wenn das Geld da ist, sollte es ganz einfach an Museen gestiftet werden, damit jeder der möchte ein Auge nehmen kann und die Automobile nicht in Kellern dahin vegetieren müssen. Aber Chapeau für die Sammlung und den anscheinenden Zustand dieser Automobile.
4. Wow
Flying Rain 08.07.2015
Wahnsinn.....im positiven Sinne. Der Zustand der Fahreuge ist ja geradezu unglaublich!
5. schön
Frittenbude 08.07.2015
Oldtimer, also aufwändig aber dennoch nur notdürftig am Leben gehaltene Uralt-Technik, sind normalerweise nicht mein Ding. Aber die gezeigten Exemplare sind wirklich hübsch. Bis auf den Unrestaurierten, aber ist schon klar, dass die echten Freaks den natürlich am tollsten finden. Nur die Frage, wo denn der technische Fortschritt sei beim Vergleich der elektrisch betriebenen Holzbox mit einem aktuellen E-Auto, offenbart wenig technischen Sachverstand. Dass er den Cadillac behält, zeugt hingegen von praktischem Denken, hätte ich auch gemacht.
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