Oldtimer Opel Ascona C Günstiger Anbieder

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Wir stellen sie vor. Diesmal: der Opel Ascona C.

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Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Opel Ascona C

Opel Ascona C GLS von 1986
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Opel Ascona C GLS von 1986

Allgemeines zum Modell: Optisch mag der Opel Ascona C bieder sein (vor allem als Stufenheck-Version), technisch war er dagegen ein Pionier, zumindest für Opel: Der erste Mittelklassewagen von Opel mit Frontantrieb. Die Markenfans sahen das damals kritisch - populäre Baureihen wie Kadett, Ascona oder Manta waren bis dato stets Hecktriebler gewesen -, doch der Rüsselsheimer Hersteller konnte kaum anders.

Autos mit Frontantrieb waren kostengünstiger herzustellen und hatten konstruktive Vorteile, nämlich geringere Ausmaße bei gleichzeitig geräumigerem Innenraum. Außerdem waren sie für die breite Bevölkerung einfacher zu fahren, gerade bei winterlichen Straßenverhältnissen.

Volkswagen rollte mit Fronttrieblern wie Golf, Scirocco, Polo und Passat den Markt auf, Opel zog erst 1979 mit dem frontangetriebenen Kadett D nach. 1981 folgte in der Mittelklasse der Ascona C, der dem Kadett technisch sehr ähnlich war. Beide teilten sich etwa das Konzept der Einzelradaufhängung mit McPherson-Federbein vorne und einer Starrachse hinten. Auch im Innenraum gab es bei den Schaltern und Applikationen viele Gleichteile.

"Der Ascona C war ein Familienauto für Leute, die sehr konservativ orientiert waren", sagt Andreas Vollmer, Typreferent bei der Alt-Opel-IG. Also: Bloß keinen Schnickschnack, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und solide Technik - das zählte. Und so waren elektrische Fensterheber zu Beginn der Produktion auch gegen Geld und gute Worte nicht erhältlich und später serienmäßig auch nur beim Ascona CD.

Sachliche Ausstattung auch im Opel Ascona C Luxus von 1981
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Sachliche Ausstattung auch im Opel Ascona C Luxus von 1981

Dafür existierte eine große Bandbreite bei den Motoren: Den Ascona gab es mit verschiedenen Benzinern und auch als Diesel. Die schnittige Top-Version war der SR/SRE, später abgelöst vom GT. Dazu diverse Sondermodelle wie den "Sport" mit Heckspoiler, Drehzahlmesser und Breitreifen oder den limitierten "Jubilee" mit Metalliclack, Colorverglasung und Alufelgen in Astrosilber.

Warum ausgerechnet der? Vom Kultstatus seines Vorgängers Ascona B ist der Ascona C weit entfernt - viele Alt-Opel-Fans werden wohl nie verstehen, wie man sich in einen "Frontkratzer" verlieben kann. Andreas Vollmer von der Alt-Opel-IG schon: "Man kann damit durchaus schnell in Kurven fahren." Der Clou beim Ascona C ist sein gutes Leistungsgewicht: Während es ein moderner Opel Corsa kaum unter 1,2 Tonnen Leergewicht schafft (und das ist ein Kleinwagen), kam der Mittelklassewagen Ascona C vor 30 Jahren noch mit knapp einer Tonne aus.

Das ermöglicht selbst in Kombination mit einem kleineren 1,6-Liter-Vierzylinder und 75 PS eine zügige Fahrweise. Auch wenn mit einem Ascona 1,6i bei 160 km/h auf der Autobahn Schluss ist - insgesamt sind die Autos bis heute vollkommen alltagstauglich. Und die idealen Einstiegsoldtimer, denn der Anschaffungspreis ist sehr niedrig und die Teilesituation auch (noch) relativ entspannt.

Verfügbarkeit: Der Ascona C war in den Achtzigern eines der meistverkauften Mittelklasseautos in Deutschland. Die meisten Exemplare sind längst weggerostet oder fielen der Abwrackprämie zum Opfer. Trotzdem ist das Angebot im Vergleich zu anderen Oldtimern ziemlich gut. Da der Ascona C oft von Fahrern gesetzteren Alters gekauft wurde, ist die Chance sogar gut, ein gepflegtes Garagenauto mit wenig Kilometern zu finden. Vorsichtig sein sollte man bei getunten Fahrzeugen aus der Fraktion "tiefer, breiter, schneller". Sie sehen zwar sportlicher aus als ein Ascona im Originalzustand, wurden aber in der Regel entsprechend bewegt.

Heute gefragt: Cabrio-Umbauten wie der von Keinath
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Heute gefragt: Cabrio-Umbauten wie der von Keinath

Gut motorisierte Modelle wie der SR/SRE - Top-Aggregat war ein 1,8-Liter-Benziner mit 115 PS - sind heute begehrt. Ab 1987 gab es sogar einen Zweiliter-Motor mit Kat und 130 PS. Eine besondere Fangemeinde haben außerdem die Cabriolet-Versionen, denn der Ascona C wurden mit verschiedenen Motoren und Ausstattungsvarianten auch als offener Frischluftgleiter angeboten.

Die erfolgreichste Variante kam von Hammond & Thiede, die in Würzburg auf Basis der zweitürigen Limousine knapp 2.900 Cabrios bauten und offiziell über Opel-Händler vertrieben. Weitere rund 400 Cabrio-Umbauten sollen beim Automobilhersteller Keinath entstanden sein. Bei den Limousinen wirkt das Fließheck dynamischer und moderner. Viel cooler ist es aber eigentlich, mit einem biederen Stufenheck-Ascona beim nächsten Oldtimertreffen aufzukreuzen - am besten mit Opa-Automatik, denn die gab es auch in Opels Mittelklassewagen der Achtzigerjahre.

Ersatzteilversorgung: Die Ersatzteillage ist akzeptabel. Technikkomponenten gibt es teilweise sogar noch bei Opel Classic Parts - auch wenn der Hersteller generell eher wenig dafür tut, seine Klassiker zu erhalten und deren Liebhaber zu unterstützen. Verschleißteile wie Bremsbeläge gibt es problemlos und für kleines Geld im Kfz-Zubehörhandel. Schwieriger wird es bei der Innenausstattung, hier ist man auf Hilfe von Foren und Klubs angewiesen. Auch Karosserieteile sind rar geworden. Vom Kotflügel etwa werden Reproprodukte angeboten, doch deren Passgenauigkeit lässt zu wünschen übrig. Dann besser etwas Geduld aufbringen und nach Originalblechen suchen.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsscheiben vorn: ab 45 Euro
  • Satz Bremsbeläge vorn: circa 30 Euro
  • Kotflügel vorn: original circa 130 Euro, gebraucht günstiger
  • Kühler: 50 Euro

Schwachstellen: Rost ist beim Ascona C das Hauptproblem. Unterboden, Radläufe, Schweller, Endspitzen, A-Säule, Türunterkanten, Spritzwand vorne: Die braune Pest blüht vielfältig und mitunter heftig. Besonders gut sollte man die hinteren Federaufnahmen inspizieren, die an die hinteren Längsträger angeschweißt sind. Die Beseitigung von Rostfraß in diesem Bereich ist aufwendig, und beim unterbewerteten Ascona stellt sich schnell die Frage der Wirtschaftlichkeit einer aufwendigen Restauration.

Die Vierzylinder-Motoren gelten dafür als robust, Laufleistungen von 200.000 Kilometern sind machbar. Natürlich kann mal ein Nebenaggregat den Geist aufgeben, insgesamt handelt es sich aber um solide gebaute Autos. Achtung: Der Zahnriemen sollte regelmäßig gewechselt worden sein, und zwar gemeinsam mit der Wasserpumpe.

Preis: Die Preisexplosion bei automobilen Klassikern ist am Opel Ascona C erwartungsgemäß vorbeigegangen. Er ist einer der wenigen Oldtimer, die man noch für unter 1000 Euro bekommt. Mit etwas Glück findet man aber auch für ein paar Hundert Euro einen fahrbereiten Wagen mit gültiger HU-Plakette. Gepflegte Exemplare mit guter Ausstattung aus Liebhaberhand können auch mal 3000 Euro und mehr kosten. Noch teurer sind die exklusiven Cabrio-Versionen, auch weil sie schon vor 30 Jahren selten waren.

Anlaufstellen im Internet:

Alt-Opel-IG www.ascona-board.de

www.ascona-info.de Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
Rubyconacer 29.04.2017
1. Ascona
Der Ascona war ein schönes Auto, wir hatten ihn mit Automatik, immer ohne Radio (zu teuer)! Vorher hatten wir den Manta zweimal. War natürlich schicker und besser. Nach einem Totalschaden musste fix ein neuer Wagen her. Da kam der metallicgrüne Ascona aus dem Schaufenster gerade recht. Am Ende wurde er in Zahlung gegeben, für einen weißen Mercedes von 1969!
albertwilhelm-s 29.04.2017
2.
..würde ich nie kaufen.Schon 1988 sah ich mir solchen Opel an und bemerkte ein erbsengrosses Rostloch in der A und B Säule.Dem kann niemand beikommen.....
matteo51 29.04.2017
3. Opas Karre
Ich habe fünf Jahre "Opas Karre", einen Opel Ascona in der "Zivilbullenfarbe" beige gefahren. Er hat damals 1.500 DM gekostet, hatte knapp 1000 Km auf dem Tacho, viel Platz und einen großen Kofferraum- ein Opi hatte ihn davor gefahren und ihn dann zum freundlichen Opel-Händler gegeben, wo ich ihn fand. Dieses Auto hat mich viele Kilometer zuverlässig durch Deutschland und das angrenzende Ausland gefahren, ohne je eine größere Reparatur. Daneben war auch der "socialising"- und Sympathiefaktor ziemlich hoch: fast Jeder hatte einen Kommentar, eine Anekdote zu diesem Wagen oder einfach nur ein Vorurteil, und konnte sich dann bei der Testfahrt;) von der Qualität meiner super Opa-Karre überzeugen. Ich habe fast geheult, als ich ihn dann verkauft habe.....
Toecutter 29.04.2017
4. Biedermann
Der Ascona B war zu seiner Zeit eines der langweiligsten Autos auf dem Markt und das wurde über die Zeit auch nicht besser. Ehe man sich für diese Gurke entscheidet, sollte man erst mal einen Blick auf seinen Vorgänger werfen, den Ascona A. Der war zwar auch eher bieder, aber dennoch bei weitem interessanter und schöner als der Nachfolger. Ähnliches gilt auch für den Manta. Der Manta B war zwar sehr populär, aber optisch gegenüber seinem Vorgänger ein typisches 80er Jahre Designverbrechen. Der Manta A dagegen sieht auch heute noch erheblich besser aus als sein Nachfolger, ein echter Klassiker eben.
a_priori 29.04.2017
5. Der Inbegriff automobiler Belanglosigkeit
Der Ascona C war schon in den 80ern eine Spiesserkarre par excellence mit unterdurchschnittlicher 08/15-Technik, die an Belanglosigkeit nicht zu überbieten war. Mir völlig unverständlich, wer sich sowas heute noch holt.
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