Nahezu jeder Autobesitzer fühlt sich mit seinem Fahrzeug auf besondere Weise verbunden. Bei SPIEGEL ONLINE stellen Leser ihr persönliches Lieblingsmodell und ihre persönlichen Erlebnisse mit dem Gefährt vor. Diesmal berichtet Frank Gauls über das Leben mit seinem Opel Frontera Sport , Baujahr 1996, mit 2,0 Liter und 115 PS.
Als Kind habe ich Anfang der siebziger Jahre gerne kleine Autos von Matchbox und Siku über imaginäre Straßen und Holperpisten gejagt. Dazu habe ich das passende Motorengeräusch geblubbert und mir vorgestellt, selbst hinterm Steuer zu sitzen. Am liebsten waren mir damals schon Modelle, die das Ersatzrad am Wagenheck trugen. Toll fand ich auch Autos, die ohne Dach auskamen. Hatten sie doch eins, habe ich das überflüssige Teil gern fachmännisch mit einem Hammer und anderen Feinwerkzeugen demontiert.
Über einige Umwege kam ich tatsächlich an meinen Traumwagen aus der Kindheit: ein geländegängiges Cabrio. Den Frontera Sport mit dem zurückklappbarem Faltverdeck habe ich im August 2003 aus dritter Hand für 8400 Euro erstanden - angesichts der geringen Laufleistung von rund 36.000 Kilometer und der knappen fünf Lebensjahre, die er auf dem Buckel hatte, ein durchaus angemessener Preis.
Heute, knapp sieben Jahre und 100.000 Kilometer weiter, ist er mir immer noch treuer Wegbegleiter und unverzichtbares Fortbewegungsmittel zugleich. Trotz aller Nachteile wie etwa des hohen Spritverbrauchs, anfälligen Kühlsystems und der empfindlichen Zündanlage habe ich den Kauf bis heute nicht bereut.
Mein Opel - ein von den Rüsselsheimern in Lizenz gebauter Isuzu Amigo - und ich haben einiges erlebt: anderthalb Jahre auf deutschen Straßen, dann der Umzug nach Guatemala, dort vier Jahre über abgelegene und schlaglochübersäte Schotterpisten, hoch hinaus auf Feuerberge wie den wieder aktiv gewordenen Vulkan Pacaya, hinunter an die Küsten des Pazifik und des Atlantik, ins benachbarte Belize, zur mexikanischen Halbinsel Yucatán - kurzum: Es ging über Stock und Stein.
"Für den kriegen Sie hier nicht mal eine Schraube!"
Beruflich verschlug es mich dann ins tropisch-schwülheiße Panama-City. Also bekam der Opel noch schnell eine Klimaanlage verpasst, leider ohne Temperaturregler. Bis die Temperatur im Innenraum stimmte, muss man immer etwas mit dem An- und Ausknopf herumprobieren.
Im Februar vergangenen Jahres wurde der Frontera dann erneut mitsamt Hausrat in den Container verpackt. Diesmal mit Hilfe eines Abschleppwagens, weil die durchgebrannte Zündspule in ganz Guatemala nicht aufzutreiben war. Die aus Deutschland importierte Zündspule hat dann ein deutscher Werkstattbesitzer in Panama-Stadt, der sich weder mit Automechanik noch mit Opel auskannte, nach dem Einbau gleich wieder durchbrennen lassen. "Was ist das denn für ein Wagen? - Ein Opel? Dafür kriegen Sie hier nicht mal eine Schraube".
Nach etlichen unfreiwilligen Freiluft-Fahrten auf Abschleppwagen fand ich zum Glück einen panamaischen Elektromechaniker, der fachlich mehr drauf hatte. Er baute mir die alte Zündspule eines Isuzu ein. "Die kannst du haben", sagte er. "Die liegt bei mir schon seit fünf Jahren in der Werkstatt rum." Mit der rollt mein Frontera nun seit über 20.000 km problemlos.
Ist launisch, aber meistert jede Bodenwelle
Gemeinsam mit meiner Frau und Besuch haben wir seither nicht nur die Straßen durch den dichten, dampfenden und wunderschön grünen Urwald entlang des Panama-Kanals erfahren. Wir wagten uns auch in den unerschlossenen Osten des Landes vor, wo eine für Fahrer und Vehikel recht anspruchsvolle Piste an die Karibikküste zu den traumhaften San-Blas-Inseln führt. Wegen der vielen Schlaglöchern und fiesen, oft nicht gekennzeichneten Hubbeln ist ein Geländewagen wie der Frontera mit der großzügigen Bodenfreiheit und der Geländeuntersetzung im Vierradbetrieb in Südamerika von unschätzbarem Wert.
Wirklich im Stich gelassen hat uns der Opel noch nie. Zurzeit ruckelt jedoch der Motor, je nach Tageslaune bockt er mal mehr oder weniger stark. Die passenden Ersatzteile werde ich beim nächsten Deutschland-Trip beim Opelhändler besorgen. In letzter Zeit spiele ich trotzdem öfter mit dem Gedanken, mir wegen der immer häufigeren Wehwehchen einen Neuen anzuschaffen. Doch dann muss ich wieder an die anerkennenden Worte des Taxifahrers denken, der mir neulich half, als mein Opel an der Ampel plötzlich ausging, zum Glück nur wegen des leergefahrenen Tanks. Er befand: "Das ist doch ein tolles Auto, richtig originell, den gibt es in Panama nicht noch einmal, da kannst du richtig was Tolles draus machen!"
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