Opel GT X Experimental Der neue Volkswagen

Opel gehört seit einem Jahr zum französischen Autokonzern PSA - der wünscht sich die Marke bodenständiger und "deutscher". Wie das aussehen soll, zeigt die Studie GT X Experimental.

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Zum ersten Mal seit Urzeiten hat Opel wieder schwarze Zahlen geschrieben. Zwar gilt das positive Ergebnis mit einem Plus von einer halben Milliarde Euro erst einmal nur für das erste Halbjahr, doch Opel-Chef Michael Lohscheller ist optimistisch: "Wir haben eine klare Vision, wie wir die Zukunft von Opel erfolgreich gestalten wollen. Wir richten den Fokus auf ein starkes Markenprofil. Dies spielt eine wichtige Rolle dabei, wieder nachhaltig erfolgreich zu werden."

Leichter als mit Worten lässt sich die Vision eines Autoherstellers mit einer Fahrzeugstudie ausdrücken. Deshalb schiebt Lohscheller nach dem Halbjahresergebnis mit dem X Experimental ein Auto hinterher, das die Zukunft des Herstellers prägen soll. "Die Studie ist so etwas wie der Urmeter für unsere Zukunft, an dem sich die kommenden Autos messen lassen", beschreibt ein Manager die Bedeutung des Schaustücks, das die Hessen jetzt ohne konkreten Termin und ohne große Bühne aus dem Hut gezaubert haben.

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Opel GT X Experimental: Hier fährt Opels Zukunft

Dass Opel auf der Suche nach einer neuen Designhandschrift ist, hat maßgeblich mit der neuen Konzernmutter zu tun. Im Sommer des vergangenen Jahres ging das Unternehmen aus Rüsselsheim von General Motors an den französischen PSA-Konzern über, zu dem die Marken Peugeot, Citroën und DS gehören. "Ich brauche keine weitere französische Marke", zitieren sie in Rüsselsheim den Auftrag des PSA-Chefs Carlos Tavares. Das neue Markenprofil trägt nun den ziemlich verschrobenen Marketingtitel "New Germanness".

Das heißt: Paris erwartet von Opel traditionelle deutsche Werte, die Lohscheller mit ausgezeichneter Ingenieurskunst übersetzt, der Faszination für präzise ausgearbeitete Produkte und dem unbedingten Fokus auf Funktionalität, Qualität und Zuverlässigkeit. Und ein bisschen Fahrspaß solle auch nicht fehlen.

Der Größenwahn ist mehr Bodenständigkeit gewichen

Die Studie kommt ebenso handlich wie bodenständig daher. Als einzige Showcar-Überzeichnung besitzt sie gegenläufig angeschlagene Türen, die freien Blick in den Innenraum gewähren.

Das Design hat jeglichen Firlefanz abgelegt und wirkt sehr geradlinig. Die Marke soll laut Lohscheller künftig auch wieder für eine gewisse Nahbarkeit stehen, die Opel zuletzt etwas abhandengekommen war. Nach dem Vorbild von Volkswagen hat sich die Marke in den vergangenen Jahren wichtiger und wertiger gemacht, als es die bürgerliche Kundschaft zu schätzen wusste. Als Beispiel für diese Entwicklung steht das Topmodell Insignia, das Opel in der Premium-Liga gegen Autos wie die Mercedes E-Klasse oder den 5er-BMW positioniert hat.

Mit der Abteilung Exclusive wurden zudem teure Extrawürste bis hin zur individuellen Lackierung ermöglicht. Das führte zu Preisen jenseits der 70.000 Euro. Hinzu kam, dass Opel über Jahre mit Studien wie dem Monza mit weiteren großen Modellen liebäugelte, sogar einen Starttermin Ende der Dekade gab der Hersteller bekannt.

Die Pläne sind Vergangenheit. Für Opels Ausblick in die Zukunft wählte die Designabteilung ein SUV, schließlich ist das aktuell die beliebteste Fahrzeuggattung und soll im Opel-Mix bald 40 Prozent ausmachen. Doch vom alten Größenwahn ist nicht mehr viel geblieben. Der Wagen mit dem Namen GT X Experimental misst gerade einmal 4,06 Meter und hat damit in etwa das Format des Opel Mokka X.

Die Studie hat gute Chancen, in Serie zu gehen

Als Antrieb setzt die einstige GM-Tochter auf Elektro mit einem Akku, der induktiv geladen werden kann - das heißt, der Wagen benötigt keine Steckerverbindung mehr zu einer Ladesäule, sondern kann über ein Magnetfeld auftanken. Allerdings ist die Kapazität mit 50 kWh eher bescheiden, dafür bezahlbar.

Nur noch wenige Bedienelemente sieht Opel im Cockpit vor
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Nur noch wenige Bedienelemente sieht Opel im Cockpit vor

Auch teilautomatisiertes Fahren sieht die Studie vor, ohne jedoch bisher Unmögliches zu versprechen - nämlich, dass Passagiere bald im Auto schlafen, im Internet surfen oder sonstige Dinge tun können, die nichts mit dem Fahren zu tun haben. Da tritt Opel deutlich realistischer auf als viele Konkurrenten und belässt es beim sogenannten Level 3. Das heißt zwar, dass die Elektronik alle Fahraufgaben übernehmen kann, der Mensch muss aber stets zum Eingreifen bereit sein.

Mit dem Showcar nimmt Opel ein paar Designdetails kommender Serienmodelle vorweg, wie den neu gestalteten Kühlergrill, der an das Visier eines Schutzhelmes erinnert, oder das entschlackte Armaturenbrett. Diese Elemente sollen es in die nächsten Auflagen von Modellen wie dem Astra oder Corsa schaffen. Aber auch der Wagen selbst - bei aller Bedeutung für das Markenprofil - habe relativ konkrete Produktionsaussichten, heißt es bei Opel.

Ob die Umsetzung des Serienfahrzeugs in Rüsselsheim stattfinden wird, scheint ungewiss. Im Rahmen der Sparpläne für Opel, die auch einen Stellenabbau vorsehen, soll PSA einen Teilverkauf des Entwicklungszentrums erwägen.

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insgesamt 57 Beiträge
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londonpaule 22.08.2018
1. Kadett
Die Front sieht (angelehnt) aus wie bei einem Opel Kadett der 70er/80er Jahre...Das ist wohl mit "deutscher" gemeint, nicht schlecht...Zumindest für Leute die die Zeichensprache verstehen, der Journalist gehört scheinbar nicht dazu
quark2@mailinator.com 22.08.2018
2.
Also ich sehe nicht, wie man diese Studie nutzen können soll. Selbst die Vordersitze sind nahezu ebenerdig und hinten ist es unmöglich zu sitzen wenn man älter als 25 ist - es sei denn, man macht Yoga oder so. Einen Kofferraum gibt es auch nicht. Mit anderen Worten, das Ding hat einen Nutzwert wie ein Kabriolet, nur ohne offenes Dach und dabei sieht es noch nichtmal groß nach was aus. Ein unpraktischer Golf1 ... hmmm ... Arme Opelaner.
Andreas P. 22.08.2018
3. Das große Problem von Opel...
...ist Opel. Und zwar die Marke. Opel baut ja bereits qualitativ gute Autos in durchaus ansprechendem Design. Aber die Macher bei Opel müssen einfach mal einsehen, dass die Marke irreparabel kaputt ist. Altbacken und von jahrelangem Niedergang gezeichnet, hilft es nichts, weiter in die Marke zu investieren. Die Verbraucher haben sich auch geändert und akzeptieren viel schneller auch komplett neue Marken wie Lynk&Co und Tesla. Selbst Peugeot selbst hat bei deutschen Aautofahrern ein besseres Image. Die Marke selbst wird nicht mehr gekauft. Da hilft auch ein „Opel“ GT X Experimental nichts (mehr).
fredotorpedo 22.08.2018
4. Als Zweitauto für die Stadt optimal
Immer mehr Familien haben zwei Autos. Eins geräumig und bequem für große Strecken das andere klein und handlich für enge Parklücken auf den Parkplätzen und in den Parkhäusern der Stadt. Das Stadtautobahn braucht keine große Reichweite - 100 bis 150km sollten da ausreichen, wenn dafür der Preis wegen des kleineren Akkus günstiger ist. Auch Studenten und andere junge Leute fahren immer häufiger größere Strecken mit der Bahn oder dem Bus. Auch für sie wäre ein preisgünstiges kleines Auto für den täglichen Nahverkehr sicher interessant. Ich denke, da ist ein Markt vorhanden.
rocketsquirrel 22.08.2018
5. Die Designelemente...
...wurden auch schon bei der Neuauflage des Monza genutzt. Das die Höhenflüge vorbei sein sollen finde ich schade, die haben - auch wenn sie sich nicht in den Verkäufen gezeigt haben - dennoch eine Strahlkraft gehabt auf die kleineren Modelle. Ansonsten finde ich das Opel kein Problem mit den Autos hat, sondern "nur" mit dem Image und daran, das preissensible Kunden bei koreanischen Mitbewerbern vergleichbare Fahrzeuge für weniger Geld bekommen, insbesondere bei Re-Importen.
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