Kleinstwagen Opel Maxx Opels kleiner Geistesblitz

Die Automobilgeschichte ist voll von Studien, die erst begeisterten und dann verschwanden. SPIEGEL ONLINE zeigt die gewagtesten Visionen. Dieses Mal: der Alu-Stadtflitzer Opel Maxx.

Opel

Von Jürgen Pander


Größer, schwerer, breiter - so läuft das normalerweise, wenn ein neues Auto vorgestellt wird. Hin und wieder jedoch scheint es sogar Pkw-Konstrukteuren zu dämmern, dass ewiges Wachstum nicht möglich ist. Und dann rollt auf einmal ein Auto aus den Entwicklungsabteilungen, das die gängigen Vorstellungen auf den Kopf stellt. So wie es der Opel Maxx tat, 1995 auf dem Autosalon in Genf. Laut Hersteller "ein Auto für alle Fälle".

Da war was dran. Denn obwohl nur 2,97 Meter lang, bot der vom italienischen Designhaus Bertone entworfene Opel Maxx Platz für vier. Die Rücksitze ließen sich einklappen und bei Bedarf sogar ganz herausnehmen, um mehr Laderaum zu schaffen. Zudem bestand das Grundgerüst des Autos aus "dünn extrudierten Aluminiumprofilen", wie Opel informierte. Diese würden per Spritzdüse geformt und ließen sich daher in beliebiger Länge und Form herstellen und dann zu einer Art Käfig zusammenschweißen. Zwischen diese wurden dann farbige Kunststoffpaneele eingeklinkt - Hightech-Fachwerk sozusagen.

Opel hatte an (fast) alles gedacht

Der Vorteil dieses neuartigen Konstruktionsprinzips sei der "eigentliche Clou des Maxx", hieß es im damaligen Pressetext. Denn dadurch könne "neben der zweitürigen Grundversion auch eine viertürige Lang-Variante mit vier oder sechs Sitzplätzen" gebaut werden. Oder aber "ein Freizeitmobil mit Cariodach, ein Pick-up, ein Offroader, ein Werkstattwagen für Handwerker oder ein neuartiges Taxi", schwärmten die Opelaner.

Es schien, als hätten sie an alles gedacht. Die speziell geformten Aluprofile mit einer Art umlaufenden Sicherheitsgürtel sollten den Maxx so sicher machen wie jedes andere Auto auch. Und dank der konsequenten Modularbauweise bis hin zum Aufbau der Armaturentafel ließ sich der Wagen ohne konstruktive Änderung als Rechts- oder Linkslenkermodell fertigen. Einer Großserienfertigung dieser "Studie für die urbane Mobilität der Zukunft" stand also eigentlich nichts mehr im Wege.

Fahreindrücke im millionenteuren Prototyp

Zumal wenig später Opel den Maxx tatsächlich auf die Straße brachte. Zunächst als Einzelstück, gut 600 Kilogramm schwer, motorisiert mit einem 1-Liter-Dreizylinder-Benziner, der 50 PS leistete und kaum mehr als 3 Liter je 100 Kilometer verbrauchte. Dazu gab es ein sequenzielles Fünfgang-Getriebe mit automatischer Kupplung, ein LCD-Display vor dem Lenkrad sowie Airbags für Fahrer und Beifahrer.

Mit diesem Auto tingelten die Rüsselsheimer durch die Republik, diverse Autojournalisten durften den millionenteuren Prototyp fahren und berichteten geradezu euphorisch darüber. Bis auf ein Detail. Der Preis des Alu-Knirpses, so streuten die Opel-Leute, werde wohl nicht unter 25.000 Mark liegen.

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Schönes Ding: Die skurrilsten Auto-Designstudien

Ebenso gut hätte man Maxx ohne Sitze oder nur in schweinchenrosa anbieten können - das Projekt war damit von vornherein tot. Dennoch wurde es wieder belebt, und zwar schon wenige Monate später, im September 1995: Da zeigte die Micro Compact Car GmbH, ein Joint-Venture des Schweizer Uhrenherstellers Swatch und des Autobauers Daimler-Benz, die Designstudie Smart. Die war zwar nicht so schick, weit weniger flexibel und bot lediglich zwei Sitzplätze - doch sie setzte sich durch. 1998 kam der Smart auf den Markt. Der Opel Maxx war da nur noch eine Aluminium-silbrig schimmernde Erinnerung.



insgesamt 42 Beiträge
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mr_mitty 21.12.2017
1. Werbefoto der 90er ist gruselig, das Auto super
Papa telefoniert wichtig im Anzug, Sohnemann übt schon das lässige Posieren und Mami lädt die Einkäufe ins Auto. Das Rollenbild ist wirklich aus dem letzten Jahrtausend. Davon abgesehen: das Auto würde ich kaufen. Für die Stadt und kurze Strecken - perfekt!
tbline67 21.12.2017
2. Schade eigentlich....
Hätten die Opelaner doch nur mehr Mut gehabt. Wenn man sich die Preise für den heutigen Smart so anschaut und auch den damaligen Einführungspreis, dann muss man dem Mut der MB Manager wirklich Respekt zollen. Schade Opel !
equigen 21.12.2017
3. Wir hätten sie schon...
... die innovativen Designer und Ingenieure. Aber WAS gebaut wird entscheiden dann die BWLer. Und die entscheiden sich halt lieber für protzige 200 PS Monster als für sowas mit mehr Risiko in der damaligen Zeit. Schade, vielleicht wäre Opel dann nicht an die Konkurrenz verschleudert worden, wenn man sich mal mehr getraut hätte. Der heutige Adam ist da ja nur ein total müder Abklatsch davon.
candoom 21.12.2017
4. Ihrer Zeit voraus
Genau wie der A2 von Audi, war auch der Opel Maxx einfach seiner Zeit voraus. Heutzutage, mit der Möglichkeit von Subventionen, wie bei Elektroautos, würde man die sicherlich gut verkaufen können.
andreasm.bn 21.12.2017
5. Schade,....
cooles Konzept, das dem von Smart schon sehr nahe kommt. Die Konkurrenz hätte echt einen Innovationssprung bedeuten können in unserer uniformierten Automobilgesellschaft. Leider waren 25.000,- DM damals ein absolutes Ausschlusskriterium für solch ein Auto. Nicht nur das hat Opel schlussendlich wohl fast das Genick gebrochen.
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