Günstige Oldtimer Ab in die Senator-Lounge

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchen-Schlitten. Wir stellen sie in unserer neuen Serie vor. Los geht es mit dem Opel Senator A.

Opel

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Opel Senator A

Opels bestes Stück: Senator A1, Baujahr 1978
Opel

Opels bestes Stück: Senator A1, Baujahr 1978

Allgemeines zum Modell: Drei-Liter-Auto? Ja, drei Liter Hubraum! Der Senator stammt aus einer Zeit, als Opel noch in der automobilen Oberklasse mitmischte. Oder zumindest mitmischen wollte. 1978 kam der Senator als Nachfolger der legendären KAD-Baureihe (Kapitän, Admiral, Diplomat) heraus.

Das neue Flagschiff aus Rüsselsheim gab es zwar nicht mehr mit V8-Aggregat. Aber der 180-PS-Sechszylinder machte auch ordentlich Dampf. Zudem überzeugte der Senator die zeitgenössische Motorpresse mit brillantem Fahrwerk (Einzelradaufhängung an der Hinterachse), komfortabler Ausstattung und vergleichsweise niedrigem Anschaffungspreis.

Warum ausgerechnet der? 180 PS aus drei Litern Hubraum: Auf solche Werte kamen um 1980 sonst allenfalls Mercedes oder Porsche. Auch wenn der Senator sein Hosenträger-Image damals nicht ablegen konnte und kein Bestseller wurde: Heute ist "Germany's last Top Opel" (Zeitschrift "Auto Classic") ein angesehener Youngtimer - vor allem Exemplare mit Drei-Liter-Einspritzer und luxuriöser CD-Ausstattung. Besonders begehrt: Modelle mit Mäusekino (Digitaltacho).

Verfügbarkeit: Als Oberklassenfahrzeug waren die produzierten Stückzahlen des Senator nicht besonders hoch. Heute ist der Ober-Opel erst recht ein Exot auf den Straßen. Die größte Herausforderung besteht darin, ein unverbasteltes Exemplar ohne viel Rost zu finden.

Ersatzteilversorgung: Die meisten Verschleißteile und selbst Blechteile sind noch erhältlich, entweder über Opel Classic Parts oder über spezielle Händler und in Foren. Grundsätzlich lohnt sich beim Senator eine aufwendige Restaurierung nicht, weil die Wertsteigerung bei alten Opel eher übersichtlich ist. Also besser das teurere Auto in gutem Zustand kaufen als ein vermeintliches Schnäppchen, das sich später als Investitionsgrab entpuppt.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Bremsscheiben vorn: ca. 150 Euro
  • Bremsbeläge vorn: ca. 50 Euro
  • Kotflügel vorn: gebraucht ca. 200 Euro, neu ca. 450 Euro
  • Lichtmaschine: ca. 150 Euro oder alte überholen lassen

Schwachstellen: Das Hauptproblem ist Rost - wie eigentlich bei allen alten Opel. Die braune Pest hat auch beim Senator dafür gesorgt, dass die meisten Exemplare längst von den Straßen verschwunden sind. Anfällig sind Federbeindome, Radläufe, Türunterkanten, A-Säule und viele Stellen mehr. Das Armaturenbrett ist durch die Sonneneinstrahlung oft rissig. Die Technik ist dagegen erfreulich unkompliziert. Die Grauguss-Reihensechszylinder sind bei minimaler Pflege praktisch unverwüstlich.

Preis: Ab etwa 2500 Euro für einen gepflegten Senator A im Zustand 2. Deutlich teurer ist der Monza, das schicke Coupé auf Basis des Senator. Gut erhaltene Monza mit Drei-Liter-Motor überschreiten preislich bereits die Marke von 10.000 Euro.

Anlaufstellen im Internet:

www.senator-monza.de
Opel Classic Parts
Opel Hecktriebler Forum
PS-Autoteile (spezialisiert auf alte Opel)

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:




insgesamt 116 Beiträge
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Seite 1
thomasbär 10.05.2015
1. Aber nicht den 3,0 Einspritzer
Freue mich als praktizierender Oldtimerist über den Artikel und das Thema. Aber eine Berichtigung: der 3 Liter Einspritzer war schon beim Neuwagen das zentrale Problem beim Senator / Monza, kollabierte oft vor 50t km. Also eher 'selbstkaputtent' als 'unkaputtbar'. Die kleineren Vergaser-Sechzylinder laufen zuverlässig und tun dem Reiz keinen Abbruch - die paar PS weniger sind beim Oldie egal
gullliver 10.05.2015
2. Freue mich schon auf diese Serie ...
... aber ein paar mehr technische Infos wären gut. Vermutlich handelt es sich um einen Kettenmotor? Oder hat der einen Zahnriemen? Welche Ausstattungen waren serienmäßig?
frechsprech 10.05.2015
3. Wenn er nicht bewegt, genau....
ansonsten bei Spazierfahrten auf enges Tankstellen Netz achten. Der Verbrauch liegt stets zweistellig.
kenterziege 10.05.2015
4. Guter Bericht!
Vor allem der Hinweis, lieber einen top gepflegten Senator zu suchen, als Geld in eine Restauration zu stecken. Bei Opel kommt generell ein sehr gutes Club-Leben dazu. Die Alt-Opel Interessengemeinschaft (www.Alt-Opel-ig) ist mit 2600 Mitgliedern sehr aktiv und in funktionierende Typengruppen aufgeteilt. Man schaue sich einfach mal nach der Typengruppe Senator/Monza um. Da gibt es auch jährliche Typengruppen-Treffen. Hier findet man solide Kontakte. Irgendwann gibt ein altes Mitglied aus gesundheitlichen Gründen sein Hobby auf: Dort wird man am ehesten fündig, wenn man etwas Gutes will. Die alten Opel sind heute noch das, wofür sie bekannt waren: Zuverlässig. Es macht Spass mit ihnen zu fahren. Beim Senator, wie beim Rekord lieber noch die ältere Chromversion nehmen. Die wirkt eher als Youngtimer!
batmanmk 10.05.2015
5. Kein Schnäppchen
Ein Auto des Abschwunges für die Verlierertypen: Wenn man ihn im direkten Vergleich mit einem E23 oder einem W116 sieht, dann weiß man auch warum. Über das Derivat Opel Monza ließe sich hingegen noch sprechen.
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